Landesleistungsmelken: Wenn Melker lernen...

07.04.2014

© Birgitt Schunk

Im Sonneberger Karussell schauen gleich vier kritische Beobachter Vicky Kleinlein und Daniela Hanf auf die Finger.

Anfang Februar war die Agroprodukt Sonneberg eG Gastgeber des Landesleistungsmelkens im Karussell. Die zehn Zweier-Teams gingen hier in einem seit 1997 arbeitenden 40er DeLaval-Karussell an den Start. Unmittelbar nach dem Wettbewerb in der Milchviehanlage Rohof urteilte Ingrid Model, Vorstandsmitglied der Thüringer Melkergemeinschaft, dass die Wettbewerbsleistungen beim Zelltest von Jahr zu Jahr besser geworden seien. „Das zeigt uns, dass die Betriebe im Alltag wieder mehr Wert auf den Zelltest legen.“ Daneben mussten die Teilnehmer ihr theoretisches Wissen und natürlich die Melkarbeit selbst unter Beweis stellen. Dabei galt es, im Melkkarussell binnen 40 Minuten so viele Kühe wie möglich zu melken – ohne die notwendigen Handgriffe zu vernachlässigen oder gar zu vergessen. In den 40 Minuten Melkzeit schaffte das Spitzenteam 108 Kühe; 70 Tiere wurden am untersten Level gemolken.

Da es beim Landesausscheid im Melkkarussell keine Qualifikationen über die Regionalwettbewerbe gibt, konnten interessierte Unternehmen ihre Teams direkt anmelden. „Trotzdem machen das längst nicht alle Betriebe, die das könnten“, so Gerhard Wolfschmidt, Ehrenvorsitzender der hiesigen Melkergemeinschaft. „Agrarunternehmen, die jedoch großen Wert darauf legen, dass ihre  Melker  den Vergleich haben, Erfahrungen sammeln und sich stets verbessern, schicken ihre Leute hierher.“ Die Milch-Land GmbH Veilsdorf hatte gleich zwei Teams am Start.

Im Gastgeberbetrieb lief an den drei Wettbewerbstagen natürlich einiges anders als gewohnt. In den normalen Melkablauf integriert, gingen in der Früh- und der Spätschicht die Zweier-Teams an den Start. Beim Teamwechsel gab es immer wieder einen Stopp. Für die Sonneberger Melker bedeutete dies natürlich längere Schichten. Und so gab es nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Agroprodukt Sonneberg gute Noten. „Es war alles bestens vorbereitet“, bilanzierte Ingrid Model.

Ein gleichlautendes Kompliment sandte die Melkergemeinschaft an den zweiten Gastgeberbetrieb der Landesmeisterschaft aus, die Universal-Agrar Mittelhausen eG. Anfang März trafen sich hier die Finalisten der sechs Regionalausscheide im Fischgrätenmelkstand. Für Vorstandschef Klaus Wagner war die Gastgeberschaft eine Selbstverständlichkeit: „Wir brauchen gute Fachkräfte. Die Melkergemeinschaft engagiert sich dabei und das wollten wir unterstützen, nicht nur darüber reden.“ Zumal der Aufwand beherrschbar, also „kein Thema“ gewesen sei. Durch die Verschiebung der Melkzeiten fiel die übliche Milchmenge lediglich etwas geringer aus. Wagner sagte weiter, dass der Ausscheid auch für die Mittelhausener Melker ein Gewinn gewesen sei. Mit den angereisten Berufskollegen, die zu den Besten ihres Faches gehören, hätten an den zwei Tagen auf intensive Weise Erfahrungen ausgetauscht werden können.

Weil zwei Regionalfinalisten erkrankt waren, gingen schließlich nur zehn Melker im Fischgrätenmelkstand (Gea Farm Technologies, 2 x 13 Plätze mit Schnellaustrieb, Baujahr 2007) an den Start. Zelltest und Theorie galt es auch hier zu absolvieren. 13 Kühe mussten nach Zeit gemolken werden. Dabei achteten die Bewerter u. a. auf das Ansprechen der Kuh, das Vormelken, die Reinigung des Euters, das Ansetzen des Melkzeugs, auf die Kontrolle des ausgemolkenen Euters bzw. dessen Überprüfung mittels Zisternengriff sowie die Zwischendesinfektion des Melkzeugs für den nächsten Durchgang. Das alles lief in Mittelhausen in erstaunlich entspannter Atmosphäre ab, gleichwohl sich mitunter bis zu zehn Leute im Melkstand befanden.

Die BESTEN stehen fest

An der Fachschule für Agrarwirtschaft in Stadtroda wurden am 26. März die Besten im Landesausscheid der Melker geehrt. Insgesamt gingen dabei vier von sechs Podestplätzen nach Südthüringen. Im Karussell gewann das Team der Bäuerlichen Produktion & Absatz AG Hellingen mit Julia Leuthäuser und Simone Stahl vor Vicky Kleinlein und Daniela Hanf von der Milch-Land GmbH Veilsdorf. Auf Rang drei kam das Gespann der gastgebenden Agroprodukt Sonneberg eG mit Lisa Scheler und Susann Müller.

Im Fischgräten-Melkstand der Universal-Agrar Mittelhausen eG stellte sich Loreen Hohmuth (Ervema agrar Gesellschaft Wöhlsdorf mbH) als versierteste Melkerin heraus. Auf den Plätzen folgten Michaela Luthardt (Waisagrund Agrar GmbH Crock) und Claudia Apel (Agrar eG Elxleben).

Entgegennehmen konnten die Melker die Ehrung aus den Händen von Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz. Er wertete die Wettbewerbe als wichtige Form der Weiterbildung und des Erfahrungsaustausches – auch wenn das nicht immer sofort messbar sei. Deshalb, so der Minister, hätten die Ausscheide oft schon auf dem Prüfstand gestanden. Er ermunterte die Milcherzeuger, mit einer positiven Grundstimmung die Liberalisierung des Milchmarktes und die Neuerungen der GAP-Reform anzugehen.

Achim Gössel von der überbetrieblichen Ausbildungsstätte Schwer­stedt oblag in Stadtroda die Auswertung der Ergebnisse. Bei der Entscheidung im Melkkarussell ging es danach mehr als eng zu. „Den ersten und zweiten Platz trennen gerademal 0,65 Punkte“, so Gössel. Für das Karussell musste er konstatieren, dass das Leistungsniveau vor zwei Jahren höher war. Im Fischgrätenmelkstand sei das Gegenteil der Fall gewesen. Hier hatte allein die Siegerin von 160 möglichen Punkten 149 erreicht – vor zwei Jahren waren es noch sieben Zähler weniger.

Peggy Käferle würdigte als Vorsitzende der Thüringer Melkergemeinschaft, was die Melker tagtäglich leisten. Sie hätten hohe Verantwortung für die Tiere, müssten mit Schichten, geteilten Arbeitszeiten sowie dem Einsatz an 365 Tagen im Jahr klarkommen. „Die, die derzeit streiken, würden für den Lohn, den unsere Melker bekommen, früh wohl nicht aufstehen“, sagte sie mit Blick auf den Arbeitskampf im öffentlichen Dienst. Die Melkergemeinschaft, so Käferle, wolle sich auch weiterhin für die Aus- und Weiterbildung stark machen, den Erfahrungsaustausch fördern und die Wettbewerbe organisieren. „Ohne Förderung, Partner und Sponsoren wird das aber nicht möglich sein.“ Eingedenk Qualifikation und Alter vertreten drei Melker die Thüringer Milcherzeuger beim 33. Bundesausscheid. Dieser findet vom 13. bis 17. April im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein statt. Im stationären Melkstand drückt die Melkergemeinschaft Michaela Luthardt (Waisagrund Agrar GmbH Crock) und Claudia Apel (Agrar eG Elxleben) die Daumen. Glück soll Caroline Elmer von der Agrar eG Frisau im Karussell begleiten.  

Birgitt Schunk

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