Jeder so, wie er am besten kann

01.07.2016

© Sabine Rübensaat

Jeder so, wie er am besten kann

Bildergalerie: Jeder so, wie er am besten kann

Die Uckermark ist ihr Zuhause. Auch darin sind sich Anthea und Martin einig. Beide sind hier geboren, absolvieren jetzt ihre Ausbildung in Buckow und wollen danach auch im Landkreis eine Arbeit finden. Die 19-jährige Templinerin Anthea Altenau ist dabei eher auf die Tierhaltung fixiert, der gleichaltrige Martin Engel fährt lieber großmotorige Maschinen. Beide sind derzeit Auszubildende für den Beruf Landwirtschaftshelfer in der Bildungseinrichtung Buckow e. V.

Die Jugendlichen sind schon früh mit der Landwirtschaft in Kontakt gekommen. Antheas Opa und ihr Onkel sorgten für die Verbindung zum Nutzvieh. „Es ist manchmal wirklich schwer, sie von den Tieren wegzubekommen“, erzählt Martin mit leicht hochgezogenen Augenbrauen. Doch er weiß, dass die Pferde für seine Freundin ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben sind. Mehr als 13 Jahre schon beschäftigt sie sich mit den stolzen Vierbeinern, weshalb der Wunsch, später auf einem Reitbetrieb zu arbeiten, recht nahe liegt. Für zwei Wochen ist Anthea deshalb für ein Praktikum auf der Reitanlage Rüdnitz eingestellt. Ihr Ausbilder für die Tierproduktion Thomas Götz (Foto oben) bestätigt ihre Leistungen, vor allem im praktischen Unterricht stehe sie zwischen den Noten eins und zwei. Doch auch den theoretischen Teil bewältigt Anthea gut, obwohl ihr durch eine Lese-Rechtschreibschwäche sowie eine Rechenschwäche der theoretische Unterricht nicht gerade leicht fällt. Das war auch der Grund, weshalb sie sich für eine Ausbildung direkt in der beruflichen Einrichtung entschieden hatte. Auch wenn sie anfangs noch etwas unsicher war, schaffte sie es schnell, sich in die Schülergemeinschaft zu integrieren.

Martin, der ohne Umweg von einer Förderschule nach Buckow kam, hatte ebenfalls schon früh Kontakt mit der Landwirtschaft. Bereits als kleiner Junge durfte er seinen Eltern, die auf Gut Kerkow angestellt waren, bei der Arbeit mit zur Hand gehen. Doch auch wenn er sich gut mit Tieren auskennt, sieht er seine Zukunft eher im agrartechnischen Bereich. Voraussetzung dafür ist allerdings der Traktorführerschein. Ohne diesen haben Berufseinsteiger kaum Chancen auf eine Anstellung. Doch obwohl in der Ausbildung von Anthea und Martin sehr viel gleich erscheint, werden sie gerade für den so wichtigen T-Schein vom Gesetzgeber leider sehr unterschiedlich behandelt: Anthea, die die Förderung der Berufsschulausbildung über einen anderen Bildungsparagrafen als Martin erhält, bekommt den Führerschein für Traktoren von der Arbeitsagentur finanziert. Martin hingegen muss die Kosten selbst aufbringen. Kein Pappenstiel für Auszubildende – im Gegenteil, bei Aufwendung von durchschnittlich rund 2 000 Euro so gut wie nicht möglich. Glücklicherweise stehen ihm seine Eltern auch hier unterstützend zur Seite.

Neben dem theoretischen Unterricht, der aus den Fächern Deutsch, Fachrechnen, Sport, Englisch, Wirtschafts- und Sozialkunde besteht, werden hauptsächlich Lernfelder der beruflichen Fachkunde unterrichtet. Für beide bedeutet dies, sich Grundlagen im Pflanzenbau und der Tierhaltung anzueignen. Die praktischen landwirtschaftlichen Kenntnisse vermittelt ihnen Thomas Götz, der selbst gelernter Landwirtschaftsmeister ist. Für die Jugendlichen ist er bei allen fachbezogenen Fragen und Problemen stets ein Ansprechpartner. „Herr Götz macht auch mal länger, nur um uns Dinge ausführlich zu erklären“, beschreibt Martin das gute Verhältnis zu ihm.

Die sogenannten externen Azubis kommen nur für den Schulunterricht nach Buckow, sie absolvieren die praktische Ausbildung in einem weiter entfernten Landwirtschaftsbetrieb. Anthea und Martin als „interne“ Berufsschüler wohnen im dazugehörigen Wohnheim in Eberswalde. Morgens, nachdem um fünf Uhr der Wecker geklingelt hat, fahren sie mit dem Bus zum Ausbildungsstall und füttern dort zuerst die Pferde. Wenn die Tiere auf die Koppel gebracht wurden, ist Frühstückspause. Gleich anschließend wird gemistet, eingestreut und das Heu für den Abend vorbereitet. Danach folgen saisonale Arbeiten wie grubbern, mähen, schwaden oder Ballen pressen. Am Nachmittag werden die Schafe und Hühner versorgt. Thomas Götz ist es wichtig, dass die Jugendlichen Erfahrungen sammeln können und sich damit langsam „hocharbeiten“. Dafür sollen sie auch so oft wie möglich Praktika in Kooperationsbetrieben durchlaufen.

„Ich bin sehr glücklich über meinen Ausbildungsplatz“, freut sich Anthea, die gerade erst das erste Lehrjahr absolviert. Aus ihrer Erfahrung an der Oberschule weiß sie, dass eine Überforderung stark demotivieren kann. Der hier dem Wissensstand und der Aufnahmefähigkeit der Jugendlichen angepasste Unterricht hilft ihnen, Sicherheit für das Berufsleben zu finden. Das ist wichtig, wollen sie doch nach der Lehre an einem frei gewählten Arbeitsplatz voll durchstarten können. Und dafür tragen in Buckow viele engagierte Menschen Sorge.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr