Jeder Griff muss sitzen

08.04.2014

© Marcus Gansewig

Aufmerksam beobachten Kurt Dömland (r.) und Corine Schmidt die Arbeit von Maria Halbach.

Ein Donnerstagvormittag im Stall der Stadtgüter Berlin Nord KG: Während sich die ersten Frühlingsboten draußen auf dem sonnigen Hof sanft im lauen Wind bewegten, kauten die Kühe drin genüsslich ihr Futter. Kurzum: Ein ganz normaler Tag im Barnimer Ort Rüdnitz – wären da nicht die vielen jungen Melkerinnen und Melker gewesen, die an diesem Tag geschäftig vom Pausenraum zum Stall und wieder zurück liefen und dabei alles andere als Gemütlichkeit verbreiteten. Und ihre Nervosität kam nicht von ungefähr: Die zwölf Jungmelker – allesamt unter 25 Jahren – waren Teilnehmer des brandenburgischen Landesmelkwettbewerbs.

„Ich war schon sehr nervös“, bestätigte denn auch Maria Halbach von der Agrargenossenschaft Blesendorf-Zaatzke den ersten allgemeinen Eindruck vom Starterfeld, den ihre Zaatzker Kollegin Janine Schilling ebenfalls nicht entkräften wollte. Die beiden jungen Frauen hatten ihren Milchzelltest und das Melken von zehn Kühen zwar bereits hinter sich, aufgeregt aber waren sie dennoch, denn noch stand die Theorieprüfung vor der Tür.  

„So weit ist es erst einmal ganz gut gelaufen“, war die 24-jährige Schilling mit sich zufrieden – „bis auf Kleinigkeiten“. Dafür hatte die Auszubildende im Vorhinein auch ordentlich geübt. „Ich bin mit meinen Kolleginnen vorher noch einmal alles durchgegangen, damit jeder Handgriff sitzt“, so Schilling, die eventuell nach der Ausbildung noch studieren will“.

Mit ihrer systematischen Vorbereitung indes war die Zaatzkerin nicht allein. „Ich bin vorher alles doppelt und dreifach durchgegangen“, berichtete auch Dominique Neubert von der Agrargenossenschaft Giesensdorf von einem ausgedehnten Training, das scheinbar nicht umsonst war. „Es ist gut gelaufen. Naja, das Melkzeug ranmachen hätte noch besser klappen können, Aber ich bin zufrieden.“

Doch nicht nur die Teilnehmer, auch der Gastgeber hatte sich blendend auf den Landeswettbewerb vorbereitet. „Das haben sie super gemacht“, lobte Dr. Ines Krehl von der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung Ruhlsdorf/Groß Kreutz die Stadtgüter Berlin Nord KG. „Sie haben wunderbare Kühe für den Milchzelltest herausgesucht. Und die Schwierigkeit war ja, die Routine nicht zu stören“, so die Wettbewerbsverantwortliche weiter.

Allerdings machte auch hier Übung den Meister. „Es wurde vorher ein Testmelken durchgeführt“, informierte Detlef May, als Geschäftsführer der Lehr- und Versuchsanstalt ebenfalls während des Wettbewerbs vor Ort in Rüdnitz.

Die Stadtgüter wurden übrigens ausgewählt, weil beim Bundeswettbewerb auch im Side-by-Side-Stand gemolken wird. „Und davon haben wir in Brandenburg nicht so viele“, so May, der ebenfalls höchst zufrieden mit den Hausherren war. „Sie haben sehr gute, sehr gleichmäßige Kühe ausgesucht.“

Und sowohl die gute Vorbereitung der Melkerinnen als auch jene des Gastgebers schlug sich im Ergebnis nieder. „Bei der Melkleistung waren die Teilnehmer im Schnitt um zehn Punkte besser als beim vorherigen Landesmelkwettbewerb“, freute sich Krehl und konnte noch weitere positive Nachrichten vermelden. „Bei der Theorie waren es fünf Punkte mehr.“ Den Milchzelltest, einem Test für die Eutergesundheit, hingegen charakterisierte vor allem „eine große Schwankungsbreite von zwölf bis 19 Punkte (20 sind der Maximalwert) bei den Ergebnissen.“ Dennoch fand Kehl auch hier einen positiven Ansatz. „Der gute Schnitt von 16,8 Punkten zeigt, dass die Praxis den Test gut annimmt. Er ist im Alltag angekommen.“

Den geruhsamen Alltag hatten die Rüdnitzer Kühe bald wieder. Bereits am Nachmittag war die hektische Betriebsamkeit zwischen Pausenraum und Stall kaum noch mehr als eine verblassende Erinnerung. Eine bleibende wird der Wettbewerb indes bei den Teilnehmern bleiben. Und mehr als das bei den drei Erstplatzierten. Es handelt sich um Maja Veurman (LPDG Biesen), Tina Schulze (Hoher Fläming eG Rädigke) und Nicole Witt (Tierzuchtgut Heinersdorf GbR, Steinhöfel). Sie werden Brandenburg nämlich Mitte April beim Bundesmelkwettbewerb in Schleswig-Holstein vertreten. „Dafür wird noch ein Training mit den Jury-Mitgliedern vom Landesmelkwettbewerb stattfinden“, kündigte Ines Krehl an.

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