Eingeschränkte Wirkung im Bienenschutz

07.11.2018

Studenten/innen im Hörsaal

Studenten/Studentinnen im Hörsaal ©Gerd Rinas

Das Thema Bienenschutz interessierte viele Studierende.

Die Biene zog kürzlich Studierende an der Rostocker Agrarfakultät in ihren Bann. Die Junge DLG/Team Rostock hatte, sozusagen nach Feierabend,  zur Podiumsdiskussion in den Großen Hörsaal in den Justus-von-Liebig-Weg eingeladen. Die Frage des Abends: „Ist die Biene in Gefahr – Muss die Landwirtschaft handeln“?

 

Mehr Honigbienen

» Bild rechts: Standen Rede und Antwort: Dr. Christian Schmid Egger, Claudia Schulz, Dr. Kathrin Naumann und Torsten Ellmann (v. l. n. r.). Gut aufgelegte Moderatoren: Helene-Sophie Kipp und Torben Ehmke Kasch blieben locker und stellten interessante Fragen (unten). ©Gerd Rinas

Torsten Ellmann, 1. Vorsitzender des Landesimkerverbandes MV, wies darauf hin, dass bei der Einschätzung der Situation zwischen Honig- und Wildbienen zu differenzieren sei. Die Entwicklung bei den Honigbienen sei positiv. „Die Zahl der Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu. Derzeit sind 26.000 Bienenvölker gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit 1990“, so Ellmann.

 

Positiv sei ebenfalls, dass die Imkerei in den vergangenen Jahren für viele Interessenten attraktiv geworden sei. „150 bis 200 Leute besuchen jährlich unsere Anfängerschulungen“, sagte Ellmann. Dennoch gebe es „viel Luft nach oben“: Zu DDR-Zeiten wurden auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern 139.000 Bienenvölker gehalten.

 

Als Erfolg wertete der Verbandsvorsitzende den Anstieg der Blühflächen im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen. Dazu habe die erweiterte Förderung auf bis zu 20 ha pro Landwirtschaftsbetrieb maßgeblich beigetragen. Um die Lebensbedingungen für die Bienen zu verbessern, forderte Ellmann, Spritzmaßnahmen in die Nachtstunden zu verlegen. Er sprach sich außerdem für den verpflichtenden Einsatz von Droplegdüsen aus. Sie behandeln die Rapsbestände unter der Blütenebene. Nach Einschätzung von Experten können Droplegdüsen auch für Unterblattbehandlungen, Unkrautbekämpfung oder Düngergaben in Reihenkulturen eingesetzt werden.

 

Wünschenswert wären aus Sicht der Imker ebenfalls vielgliedrige Fruchtfolgen sowie mehr Ackerwildkräuter und blühende Energiepflanzen wie die Durchwachsene Silphie. „Bunte Ackerränder, extensiv bewirtschaftetes Grünland und blühende Städte würden den Bienen helfen“, so Ellmann.

Dr. Christian Schmid Egger von der Deutschen Wildtier Stiftung forderte dazu auf, bei den Agrar-umweltmaßnahmen genau zu prüfen, ob das „Nutztier Biene“ oder die Wildbiene gefördert werden soll. Während es bei der Honigbiene kein weltweites Bienensterben gebe, sei die Lage bei den Wildbienen dramatisch. Ein Grund: Immer mehr Lebensräume gehen verloren, darunter bundesweit viele Weg- und Feldrandstreifen.

 

„Von 550 Wildbienenarten in Deutschland sind 31 vom Aussterben bedroht, 197 Arten gefährdet und 42 Arten auf der Vorwarnliste. Und das, obwohl alle Wildbienen- arten besonders geschützt sind“, machte Claudia Schulz, Landesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen in MV, aufmerksam. Dar­über hinaus ginge die Zahl der Insekten insgesamt zurück. Ursachen sah Schulz, Absolventin der Rostocker Agrarfakultät, in der intensiven Landwirtschaft, hohen N-Einträgen, Grünlandumbruch, großflächiger Mahd, dem Wegfall von gepflegten Brachen und Beweidung sowie dem Einsatz von Insektiziden und Herbiziden. Sie sprach sich für den Dialog mit der Landwirtschaft aus. „Beim Schutzgebietsmanagement muss die Landwirtschaft einbezogen werden.“ Zehn Prozent gepflegte Brachflächen mit Ausgleichszahlungen für die Landwirte böten auch den Wildbienen bessere Überlebenschancen.

 

Eingeschränkte Wirkung

Dr. Kathrin Naumann, Geschäftsführerin der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz GmbH, berichtete, dass Pflanzenschutzmaßnahmen im Unternehmen grundsätzlich nach Bestandsbonitur und unter Berücksichtigung von Schadschwellen eingesetzt werden. Im Betrieb wurden zwischen 40 und 50 ha geförderte und nicht geförderte Blüh- und Brachstreifen sowie Hecken angelegt. „Wir stehen hinter diesen Maßnahmen. Die Wirkung wird aber durch die fehlende Flexibilität vieler Regelungen im Naturschutz eingeschränkt“, gab Naumann zu bedenken. So müssen Brachflächen nach fünf Jahren umgebrochen werden, weil sie sonst zu Dauergrünland würden. Andererseits: „Wer ein Biotop anlegt, bekommt Förderung abgezogen. Das ist paradox. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“

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