Die Jugend schmeißt jetzt den Laden

13.02.2015

© Sabine Rübensaat

Mit Spaß bei der Arbeit: Stephanie Zwintzscher in ihrem Traumberuf.

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Eigentlich hatte alles mit Rindern angefangen. Stephanie Zwintzscher war schon immer klar, dass sie später in der Landwirtschaft arbeiten wollte. Bereits ihre Großeltern bewirtschafteten einen bäuerlichen Hof, woher auch das Interesse am „landwirtschaftlichen Vieh“ entsprang. Ihr Weg führte deshalb nach der zehnten Klasse direkt auf die landwirtschaftliche Berufsschule und in den Milchviehstall der Agrargenossenschaft Rossau eG. Da die Ausbildung zur Tierwirtin aber nicht nur die Rinder-, sondern auch die Schweineproduktion einschließt, kam nach zwei Jahren auch der Kontakt mit den rosa Vierbeinern zustande. Hier entflammte ihr Herz für die Ferkel. Die Arbeit im neuen Produktionsbereich gefiel ihr besser, auch aufgrund der günstigeren Arbeitszeiten. Der Bitte um die Versetzung in den Schweinebereich schlossen sich nach der erfolgreichen Ausbildung zwei Jahre Praxis an. Doch 2009 gab die Agrargenossenschaft Rossau diesen Produktionszweig auf und Stephanies Arbeitsplatz war damit verschwunden. Da in ihr aber schon länger der Gedanke einer weiteren Qualifikation herangereift war, folgte sie der Empfehlung einer Kollegin und bildete sich mit einem Studium zur staatlich geprüften Technikerin in Freiberg/Zug weiter. Über Bekannte wurde sie nach ihrer Weiterbildung auf die Agraset Naundorf eG aufmerksam gemacht, weshalb auch dieses Unternehmen eine Bewerbung von ihr erhielt. Insgesamt schickte sie nur drei Gesuche an landwirtschaftliche Betriebe ab und erhielt prompt zwei Zusagen.

Damit startete Stephanies Laufbahn in der Agraset. Im Oktober 2011 begann gerade der Neubau eines Maststalles, den sie nach Fertigstellung in Eigenverantwortung führen sollte. Da die Bauarbeiten noch etwas andauerten, überbrückte sie vier Monate mit einem Praktikum in einem Nachbarbetrieb. Denn wenn sich die Möglichkeit ergibt, ist ein Blick über den Tellerrand immer hilfreich, so ihre Meinung. Danach packte sie in der Sauenanlage der Agraset mit an und begleitete nebenbei die Baumaßnahmen für die Mastställe. Am 26. Juni 2012 war es dann soweit: Sie konnte ihren neuen Arbeitsplatz beziehen. Doch hier endet Stephanies Geschichte noch nicht. Sie darf nämlich nicht nur die Mastanlage managen, auch für die Ferkelproduktion sollte sie die Zuständigkeit bekommen. Der bisherige Leiter, Wilfried Saupe, hat das Rentenalter erreicht. Damit keine Lücke in der Personaldecke entsteht, hatten die Naundorfer langfristig geplant und Stephanie rechtzeitig in ihr Unternehmen geholt. Nun leitet die 27-jährige Technikerin seit Ferbuar 2015 die komplette Schweineproduktion mit 600 Sauen-, 3840 Ferkelaufzuchtund 4 200 Mastplätzen allein. Dabei kann sie sich auf ein eingespieltes Team verlassen, und ihr ehemaliger Vorgesetzter Saupe steht auch helfend zur Seite. Wie wichtig ein verlässliches Team ist, wurde ihr spätestens in dem Augenblick bewußt, als sie die Herausforderung angenommen hatte.

Mit dem Zootechniker Heinrich Ditmar (55), der Agrotechnikerin Kerstin Klemm (53), der Zootechnikerin Angelika Wehner (49), der Tierwirtin Katrin Heims (29) und dem Azubi-Student Oliver Barthel (18) hat sie motivierte Fachkräfte an der Hand. Der noch junge Oliver ist ein sogenannter EBBA-Student, eine neue Studienrichtung der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. EBBA, was soviel heißt wie „Erwerb des Berufsabschlusses im Bachelor-Studiengang Agrarwirtschaft“, ist eine praxisnahe Ausbildung, in der gleichzeitig ein Berufsabschluss (Landwirt) und ein Bachelortitel erworben werden können. Die akademische und handwerkliche Ausbildung soll die jungen Leute dazu befähigen, direkt nach dem Studium Leitungsfunktionen zu übernehmen. Die Agraset Naundorf ist ein Betrieb, der sich viel um den Nachwuchs kümmert. Selbst Mitglied im Ausbildungsverbund, beschäftigen sie derzeit 15 Lehrlinge, für die nach erfolgreichem Lehrabschluss die Möglichkeit zur Übernahme besteht. Besonders in der Schweineproduktion werden männliche Fachkräfte immer gesucht.

Stephanie trägt jetzt große Verantwortung. Und das nicht nur für ihe Kollegen. Erst 2012 wurde die Sauenherde in Naundorf repopuliert, was gutes Geld gekostet hat. Nachdem der ganze Altbestand verkauft war, reinigte und desinfizierte man alle Ställe. Von der Abruffütterung im Wartebereich stellte Agraset auf Freßliegebuchten um. Anhand der Fruchtbarkeitszahlen läßt sich erkennen, dass nun mit dänischer Genetik gearbeitet wird. Das brachte auch eine Aufwertung bei den Leistungsdaten und im Gesundheitsstatus (SPF). Die Sauen, so sagen die erfahrenen Mitarbeiterinnen, haben nicht nur größere Würfe als früher, sie fressen auch deutlich mehr. Wer viele Ferkel aufziehen soll, muss jede Menge Milch produzieren. Das kann an die Substanz gehen. Hatten die Sauen früher nur 6 kg täglich verzehrt, schlagen heute 8,3 kg Futter zu Buche. Dass das Agraset-Team die Ferkelproduktion im Griffhat, zeigen die niedrigen Verlustzahlen (Tabelle).

Doch ohne ein gutes Ammenmanagement sind diese nicht zu realisieren. Wie man dabei mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, zeigen die cleveren Sachsen. Um das Flatdeck mit den gestiegenen Ferkelzahlen nicht zu überfüllen, werden weniger weibliche Tiere besamt. Damit bleiben automatisch ein bis zwei Abferkelbuchten pro Abteil frei. Diese werden für Jungtiere genutzt, die zum Zeitpunkt des Absetzens zu untergewichtig sind. Dort werden sie mit einer Joghurttränke eine Woche länger aufgepäppelt. Und damit weiterhin alles so perfekt läuft, dafür ist Stephanie Zwintzscher angetreten.

Vermarktung

Die Agraset Naundorf eG verkauft die Hälfte ihrer produzierten Mastschweine über das Label „Sachsenglück“. Die Marke gehört zur MEGA-Gruppe und steht für regionale landwirtschaftliche Erzeugung. Das bringt der Agrargenossenschaft 3 bis 4 ct/kg SG auf den Basispreis mehr ein. Die Rentabilitätsgrenze für die Schweineproduktion liegt jedoch bei ca. 1,38 €/kg SG und nicht wie derzeit unter 1,30 €/kg SG.

 

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