„Das ist schon meine zehnte Ernte“

01.08.2014

© Sabine Rübensaat

Tobias Kurzeia und sein New Holland-Mähdrescher sind eingespielt.

Zur Bildergalerie: „Das ist schon meine zehnte Ernte“

Wenn einer in der Ernte ist, dann kann er was erzählen. Vor allen Dingen dann, wenn er mit der Erntetechnik über Land zieht. Entweder um sie vorzuführen oder um auf Betrieben auszuhelfen. Einer, der sich auf beides versteht, ist Tobias Kurzeia aus Dedelow im nordöstlichen Zipfel der Uckermark. Der gelernte Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik arbeitet bei der Firma Wüstenberg Landtechnik in der Filiale Dedelow. Mit seinen 26 Jahren ist er zwar noch jung, aber in Sachen Ernte und Landtechnik schon ein alter Hase. Siegmund Bartelt, Filialleiter in Dedelow, erinnert sich noch gut an die ersten Treffen mit Tobias. „Immer nach Schulschluss lehnte plötzlich ein Sechstklässler mit riesengroßem Schulranzen an unserer Bürotreppe. Der kleine Kerl blieb hartnäckig so lange dort stehen, bis wir ihn eine Runde im Trecker mitfahren ließen.“ Die Begeisterung hat nie nachgelassen, und aus dem „kleinen Kerl“ ist inzwischen ein gestandener Landtechnikschlosser geworden. Siegmund Bartelt ist froh darüber. Schließlich investieren Firmen wie Wüstenberg Landtechnik an ihren Standorten im ländlichen Raum sehr viel Geld und Zeit in die Ausbildung des Nachwuchses. Ärgerlich sei nur, dass einige aus der Landtechnikbranche, die selbst nicht ausbilden, nur auf die jungen Gesellen warten würden, um sie dann abzuwerben. „Und trotz aller Schwierigkeiten bilden wir weiter aus. Da bin ich mit unserem Firmenchef Heinz Wüstenberg absolut einer Meinung. Er sagt immer: ‚Wer soll sie denn ausbilden, wenn nicht wir?‘ Wir dürfen nicht auf der einen Seite meckern, dass es keinen Nachwuchs gibt, wenn wir auf der anderen Seite nichts dafür tun, dass sich das ändert“, so Bartelt.

In der Ernte muss man flexibel sein. Das weiß Siegmund Bartelt genauso wie Tobias Kurzeia. Im Moment helfen sie auf einem Landwirtschaftsbetrieb in der Roggen- und Triticaleernte aus. Zum Einsatz kommt ein Mähdrescher, der zwar nicht brandneu, aber in tadellosem Zustand ist. „Unsere Vorführmaschinen sind alle unterwegs. Und wenn dann Hilfe gebraucht wird, versuchen wir alles, um diese Hilfe auch gewähren zu können“, so Bartelt. Deshalb sind während der Ernte alle verfügbaren Kräfte unterwegs. So sitzt Tobias Kurzeia gerade im Mähdrescher. Sollte es wetterbedingt aber zu einer Unterbrechung kommen, so hat er nicht etwa „Bauernsonntag“, sondern steht in der Werkstatt bereit, denn auch dort ist immer mehr als genug zu tun. Zeit für ein Interview findet Tobias deshalb erst in der Kabine, als er an diesem Morgen mit seinem Drescher die ersten Bahnen auf dem Feld zieht. Geschützt vor Staub und Dreck, erweist sich dieses gut gekühlte Plätzchen als sehr geeignet für ein Gespräch.

Tobias, wann hat für dich die Ernte 2014 begonnen? Wann hast du in diesem Jahr die ersten Hektar gedroschen? Das war Anfang Juli, also für unsere Region deutlich früher als sonst.

Wie lange fährst du eigentlich schon Mähdrescher? Insgesamt zehn Jahre. So lange ich bei der Firma Wüstenberg bin, fahre ich Drescher. Das ist tatsächlich schon meine zehnte Ernte. Und in zehn Tagen feiere ich Jubiläum. Dann bin ich auf den Tag genau zehn Jahre bei Wüstenberg.

Na dann, herzlichen Glückwunsch! Was war dein erster Drescher für ein Typ? Kannst du dich noch an ihn erinnern? Na klar! Das war ein Deutz-Fahr M1630, eine Sechs-Schüttler-Maschine. Damals noch in rot. Das Schneidwerk hatte 4,20 m Arbeitsbreite. Aber das beste an dem Drescher war der luftgekühlte V8-Motor mit über zweihundert PS! Das war eine feine Maschine.

Wenn man Maschinen vorführt, ist man ja viel unterwegs. Was war denn die weiteste Strecke, die Du bis jetzt mit dem Mähdrescher per Achse gefahren bist? Von unserer Filiale in Dedelow aus bis nach Jördenstorf bei Rostock. Das sind so etwa 120 Kilometer eine Tour.

Und wie lange warst du unterwegs? So etwa fünf Stunden. Aber da muss man schon durchziehen und darf keine Pause machen.

Das stelle ich mir ziemlich anstrengend vor, mit so einer großen Maschine im normalen Straßenverkehr unterwegs zu sein. Die Verantwortung für so ein stattliches und vor allem teures Gerät ist ja nicht ohne. Worauf sollte man sich gefasst machen, wenn man als Vorführfahrer arbeiten will? Mit welchen Situationen wird man unter Umständen konfrontiert?
Also, das Schlimmste ist wirklich das Fahren auf öffentlichen Straßen. Gerade im Sommer hat man es oft mit ungeduldigen Urlaubern zu tun. Die drängeln öfters und haben meist auch Schwierigkeiten, die Dimension der Maschine einzuschätzen. Da muss man seine Sinne schon beisammen haben und teilweise für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken. Wenn man durch Ortschaften fährt, kann es auch oft eng werden. Da ist der Kreisverkehr zu eng, oder die Verkehrsinseln sind zu breit. Da können Brücken zu niedrig sein, Alleebäume stehen im Weg. Das kann schon Wahnsinn sein. Auf dem Feld ist es eher die Schneidwerksbreite, mit der man umgehen können muss. Die Entfernung zum Abfahrer sollte man auch einschätzen können, damit man mit dem Abbunkerrohr auf den Hänger trifft. Ungewohnt ist zu Anfang auf jeden Fall die Hinterradlenkung des Dreschers. Damit im Schwad ordentlich geradeaus zu fahren, braucht schon ein wenig Übung.

Gerade im Sommer ist es ja oft sehr trocken und heiß. Das ist gut für die Getreideernte, aber es kann auch bedeuten, dass die Brandgefahr auf dem Feld steigt. Immer wieder hört man, dass ein Mähdrescher anfängt zu brennen. Hast du so etwas schon einmal erlebt während deiner Karriere als Vorführfahrer? So einen richtigen Maschinenbrand habe ich Gott sei Dank noch nie erlebt. Ein verschmortes Kabel oder ein Glutnest wegen einem Lagerschaden habe ich schon öfter mal erlebt, aber so richtig gebrannt hat mein Drescher noch nie.

Was empfiehlst du in so einer Situation? Wie verhält man sich richtig, wenn man in der Kabine Qualmgeruch wahrnimmt? Auf jeden Fall sollte man sofort anhalten, das Schneid- und das Dreschwerk ausschalten und nachschauen, wo der Qualm herkommt. So ein Brand kann sich unglaublich schnell ausbreiten! Da zählt wirklich jede Sekunde! Man sollte natürlich auch immer wissen, wo der Feuerlöscher an der Maschine hängt. Das spart im Ernstfall wertvolle Zeit.

Da heißt es aufpassen während der gesamten Ernte. Was machst du eigentlich vor und nach der Getreideernte? Da schraube ich an den Maschinen. Mähdrescher, Traktoren, Drillmaschinen... Also an allem, was Firma Wüstenberg so vertreibt.

Führst du denn nur Mähdrescher vor, oder bist du auch mit anderen Maschinen unterwegs? Ja klar! Je nach Saison bin ich mit der passenden Maschine aus unserem Sortiment unterwegs auf den Betrieben.

Das klingt nach einer gut ausgefüllten Arbeitswoche. Bleibt noch Zeit für Familie und für Hobbys? Ich würde sagen, ja. Ich bin verheiratet, habe ein Kind, und meine Frau und ich haben gerade ein Haus gekauft. Da ist alles schick. Und außerhalb der Saison habe ich geregelte Arbeitszeiten von dreiviertel acht bis halb fünf. Zwischen Weihnachten und Neujahr kann ich sogar drei Wochen am Stück Urlaub machen!

Und die Hobbys? Mein Hobby ist Landwirtschaft. Ich bewirtschafte zusammen mit meiner Familie nebenbei ein paar Hektar Ackerland. Wir haben unsere eigene Technik dafür, die ich auch repariere, wenn es nötig ist.

Fährst du da auch den Mähdrescher? Das geht aus Zeitgründen leider nicht. Da muss mein Bruder ran.

Was habt ihr zuhause für einen Typ von Mähdrescher? Einen Deutz-Fahr M2480, Baujahr 1980, auch in rot. Das ist eine Fünf-Schüttler-Maschine mit knapp über hundert PS. Den haben wir erst in diesem Jahr gekauft.

Zum Abschluss: Wie sehen deine Zukunftspläne aus. Willst du dich weiterbilden? Ich denke schon. Im Moment ist zwar viel Stress, aber über die Sache mit der Meisterausbildung habe ich schon mal nachgedacht. Das könnte ich mir gut vorstellen.

Die Heinz Wüstenberg-Stiftung
wurde 2005 vom Landmaschinenhändler Heinz Wüstenberg gegründet. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Bildung und Erziehung, der Jugend- und Altenhilfe, des Sports und der Unterstützung finanziell benachteiligter Personen. Dabei soll die Förderung begabter Jugendlicher Vorrang haben. Die Stiftung fördert unter anderem Auslandsaufenthalte, die Teilnahme an Klassenfahrten und Stipendien für das Studium an Universitäten und Fachhochschulen. Sie unterstützt wissenschaftliche Arbeiten und die Teilnahme an Akademien/Workshops/Seminaren. Weiterhin fördert sie im sportlichen und musischen Bereich sowie bei der berufliche Aus- und Weiterbildung (Meisterschule).
info@remove-this.heinz-wuestenberg-stiftung.de oder www.heinz-wuestenberg-stiftung.de

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr