Weltreise mit Unterbrechung

04.01.2018

© Florian Wolf

Nur auf permanenten Fahrgassendarf gefahren werden.

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In diesem Jahr gestaltete sich die Ernte äußerst schwierig für die australischen Farmer. Nicht nur die Erosion durch zu viel Niederschlag nach der Aussaat im Juli und August, sondern vor allem die Dürre in den letzten Monaten führte zu einer äußerst schlechten Ernte. Insgesamt lag der Ertrag dieses Jahr 40 % unter dem Durchschnittsertrag. Da die australischen Farmer, wie wir in Deutschland auch, vom Weltmarkt abhängig sind und der Weltmarktpreis für Getreide zurzeit denkbar schlecht ist, ist dies gleich doppelt bitter, denn staatliche Subventionen wie bei uns gibt es in Australien nicht.

Der Produktionsfaktor Boden wird so schonend wie möglich behandelt. Durch immer größer werdende Maschinen und Achslasten erhöht sich der Bodendruck. Je mehr Ackerfläche verdichtet ist, desto weniger Wasser kann in den Boden eindringen und gespeichert werden. Verdichtete Böden haben ein höheres Erosionsrisiko und die Gefahr von Ertragsverlusten durch Trockenperioden ist auch höher. Viele Farmer setzen deshalb auf Controlled Traffic Farming (CTF). Bei diesem System werden über Jahre permanent die gleichen Fahrgassen für alle Arbeitsgänge im Acker- und Pflanzenbau genutzt. Bodenverdichtungen können so nur in den wenigen Spuren auftreten, der Wachstumsraum wird geschont.

Was man außerdem in Australien sehr oft sieht, sind Raupenschlepper. Sie dienen mit ihrer großen Aufstandsfläche ebenfalls dem Bodenschutz. Meine Aufgabe während der Ernte war es, das Getreide mit einem 8370 RT von John Deere, ein Raupenschlepper, und einem 18-t-Überladewagen vom Mähdrescher zu übernehmen und an einem deutlich größeren Überladewagen mit 110 t Fassungsvermögen am Feldrand zu befördern. Er dient als Zwischenlager und wird nur leer von Feld zu Feld gefahren. Vom Zwischenlager gelangt das Erntegut dann per Truck (Lkw) zum Hafen nach Geraldton. Ein Truck bzw. Roadtrain (Straßenzug) kann bis zu 65 t Getreide transportieren.

 

Ernten für den Weltmarkt

In Geraldton wird das Getreide von einer staatlichen Einrichtung zur Überwachung landwirtschaftlicher Produkte überprüft, bevor es auf den Weltmarkt gelangen darf. Die Anforderungen an Qualität und Feuchte, vor allem beim Weizen, unterscheiden sich gegenüber Deutschland. Maximal 12,5 % Feuchte sind bei Gerste und Weizen zulässig. Bei höheren Werten gibt es Abzüge. Außerdem werden Rohprotein, Fallzahl und Hektolitergewicht erfasst. Die Anforderungen bei Rohprotein sind nicht ganz so hoch. Schlechte „Fuhren“ werden schon mal mit besseren aufgemischt.

Dort am Hafen hat sich meine Gastfarm einen Teil einer großen Lagerhalle gemietet, wo sie Raps, Lupinen und Weizen solange einlagern können, bis sie einen aus ihrer Sicht guten Preis dafür erzielen und es verkaufen. Danach wird es verschifft bzw. exportiert.

Ein Teil der Ernte kommt in die betriebseigenen Silos. © Florian WolfTeile der Ernte und das Saatgut für die nächste Saison lagern die Farmer in eigenen Silos ein. Aktuell hat Rohan, mein Gastfarmer, noch Saatlupinen beim Händler zugekauft. Die eigene Ernte war zu stark verunreinigt mit Blauen Lupinen. Eine klassische Fruchtfolge auf der Nookanderri-Farm gestaltet sich wie folgt: Raps, Weizen, Lupine und im Anschluss ein Jahr Brache. Die Felder werden in der Regel alle vier Jahre „brach“ gelegt, um eine effiziente Unkrautbehandlung vor allem mit Glyphosat durchführen zu können. Ein sauberer Acker ist die Grundvoraussetzung für die in Australien sehr beliebte Direktsaat, auf die auch Rohan schwört, denn die Gefahr von Wind- und Wassererosion ist groß. Zusätzlich wird jedes Jahr nach der Ernte im Januar bis Februar das Auflaufgetreide mit Glyphosat bekämpft.

In Australien bzw. Down Under, wie viele sagen, herrscht ein mediterranes Klima, ähnlich wie auf Mallorca oder in Südspanien. Im Sommer steigt das Thermometer auf bis zu 40 °C und im Winter liegen die Temperaturen bei 15 bis 20 °C. Das Klima eignet sich auch optimal für den Anbau von Hartweizen, aus dem z. B. Nudeln gemacht werden. Einige australische Farmer bauen ihn deshalb auch an. Allerdings schwören die meisten wie in Deutschland auf Brot- bzw. Weichweizen.

 

Hilfsbereitschaft ist groß

Auf dem Land, wo das nächste Dorf oft 100 km entfernt liegt und der nächste Nachbar 15 km entfernt wohnt, herrscht eine sehr große Hilfsbereitschaft. Während der Ernte ist z. B. die Gefahr von Buschbränden in Westaustralien sehr hoch. Durch die starken Winde, die täglich ab den Mittagsstunden einsetzen, kann ein kleiner Stoppelbrand innerhalb von wenigen Minuten schnell zu einem Großbrand werden. Feuerwehren gibt es nur in größeren Gemeinden und Städten. Deshalb hat fast jeder Landwirt in Australien einen Pick-up mit einem Löschwassertank. Das sind zwar in der Regel nur 1.000 l Löschwasser pro Pick-up, doch wenn es bei einem Landwirt auf dem Feld brennt, werden über Funk alle Farmer in einem Umkreis von 50 km benachrichtigt. Daraufhin stellen alle ihren Mähdrescher ab und eilen schnellstmöglich mit ihren Pick-ups zum Brandherd. Oft können einige auf dem Weg dorthin schon wieder umdrehen, weil das Feuer entweder gelöscht ist, oder genug Helfer vor Ort sind. Es herrscht ein großer Zusammenhalt unter den Farmern in diesem riesigen Land, sie unterstützen sich tatkräftig, wo es nur möglich ist.

Jeden Sonntag treffen sich die Einwohner der Region Binnu auf dem hiesigen Tennisplatz, egal ob sie Tennis spielen können oder nicht. Es wird Bier getrunken, erzählt, einige spielen Tennis. Mit dem Barbecue lassen sie den Abend dann ausklingen. Dieser Zusammenhalt hat mich sehr beeindruckt und ich war auch froh, mal wieder Tennis spielen zu können. Für die Australier ist der Tennissport übrigens das, was für die Deutschen Fußball ist. Landesweit gibt es unzählige, allgemein zugängliche Tennisplätze, und fast überall kann man sich Tennisschläger ausleihen.

Am 7. Dezember haben wir den letzten Weizen geerntet. Damit war die Ernte beendet und mein Job auf der Farm auch fast erledigt. Die nächsten Tage habe ich noch die Maschinen und Traktoren vom Dreck der letzten Wochen befreit.

 

Zum Kurzbesuch nach Hause

Schnell einige Weihnachtsbäume auf Rügen verkauft zwischen der Ernte und Aussaat in Australien. © Florian WolfIm Internet habe ich dann ein günstiges Flugangebot nach Hamburg gefunden. Ich zögerte nicht lange und entschied mich, über Weihnachten nach Hause zu fliegen. Nach ein paar Tagen bei Freunden in Perth ging es also für 14 Tage ins kalte Deutschland.

Ich war froh, meine Freunde und natürlich meine Familie wiederzusehen. Sie freuten sich ebenfalls, mich Weihnachten auf der Insel Rügen zu haben. Doch auch hier wartete Arbeit auf mich. Da meine Eltern eine Tannenbaumplantage besitzen und Mitte Dezember natürlich der Weihnachtsbaumverkauf ansteht, hieß es für mich: mit anpacken!

Am 28. Dezember ging es dann schon wieder nach Australien, um wie geplant, den Kontinent und seine Landwirtschaft weiter kennenzulernen. Mehr dazu im nächsten Teil in der Ausgabe 5/2018 der Bauernzeitung und natürlich auf meinen Social-Media-Kanälen.

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Themen: Australien

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