Probieren und studieren

01.02.2018

© Florian Wolf

Die Stadt Perth gilt als eine Metropole des Segel- und Wassersports.

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Seit Ende Dezember erkunde ich den Kontinent touristisch, habe u. a. einen Tandemsprung mit einem Fallschirm gemacht und bin am Great Barrier Reef schnorcheln gewesen. Außerdem besuchte ich Hahndorf. Das ist ein Dorf in der Nähe von Adelaide im australischen Bundesstaat Südaustralien mit rund 1.800 Einwohnern: Eine Touristenattraktion, da es eine der ersten deutschen Siedlungen auf dem Kontinent ist. Die ersten Siedler ließen sich dort etwa 1838 nieder. Die deutschen Wurzeln sind auch heute noch sichtbar. Es gibt Bäckereien mit typisch deutschen Backwaren oder auch Fleischereien mit Wurstwaren, die im restlichen Australien nicht erhältlich sind. In der Nähe befinden sich wunderbare Weingüter (Wineyards) und auch eine Erdbeerfarm, die berühmt für ihre Marmeladen und Soßen ist.

Von der Traube bis zum Wein

Der Weinanbau spielt in Australien eine sehr große Rolle. Also war es für mich ein Muss, ins nahegelegene Barossa Valley zu fahren. Das stellt eines der bekanntesten Weinanbaugebiete der Welt dar, welches vor allem für den einzigartigen Shiraz steht. Das ist eine aromatische, trockene Rotweinsorte, die in Deutschland auch als Syrah bekannt ist. Doch nicht nur der australische Shiraz, sondern auch andere Weine werden im Barossa Valley angebaut. So ebenfalls der deutlich mildere Rotwein Merlot, fruchtiger im Geschmack und für den Laien nicht so streng und trocken wie der Shiraz. Weißweine erfreuen sich, insbesondere im australischen Hochsommer, ebenfalls großer Beliebtheit.

Ich hatte die Möglichkeit, eine Tagestour zu fünf verschiedenen Wineyards zu machen, inklusive Verkostungen von vier bis sechs Weinen pro Weingut. Doch wir Teilnehmer hatten dabei nicht nur die Gelegenheit, uns ein Bild von der Qualität der exzellenten Weine zu machen, sondern auch vom Weg der Traube zum fertigen Produkt.

Auf dem Weingut „Jacob’s Creek“ begannen wir unsere Tour. Deren Shiraz ist auch in Europa durchaus bekannt und wird sehr geschätzt. Mitten in den Weinbergen der Adelaide Hills erklärte uns der Inhaber des Weinguts auf seiner Plantage, wie die Trauben gepflückt werden und wie die weitere Veredelung abläuft. Anfangs sind die Trauben grün; durch längere Reifung werden sie später rot bzw. dunkelrot, je nach Sorte. Fruitpicking, also das Pflücken der Trauben durch Erntehelfer, erfolgt je nach Witterung und Reife zwischen Februar und April. Normalerweise erfolgt das zweimal jährlich pro Rebe, einmal in einer ersten Reifephase und später noch einmal im April, wenn die restlichen Trauben erntereif sind. Aufgrund des erst spät gefallenen Niederschlags wird in diesem Jahr eine Rekordernte erwartet, was bedeutet, dass alle Trauben in einem Zug von März bis April gepflückt werden können. Des Landwirts Leid, des Weinbauers Freud sozusagen, denn während reichlicher Sonnenschein für die Weinbauer von Vorteil ist, klagen die hiesigen Ackerbauern über den geringen Niederschlag.

Im Gegensatz dazu beschädigt zu starker Niederschlag die Weintrauben, sie lassen sich damit nicht mehr zur Weinproduktion verwenden. Ein tolles Jahr also für australische Weinbauer in dieser Region. Das gab es schon seit über zehn Jahren nicht mehr. Nach dem Pflücken der Trauben werden diese fermentiert und reifen in großen Eichenfässern. Unter Fermentation versteht man die Gärung der Trauben durch Zugabe von speziellen Reinzuchthefen. Das Endprodukt ist dann der entsprechende Wein. Die genauen Produktionsprozesse sind natürlich auf jedem Weingut streng geheim, so ist jeder Wein ein Unikat. In dieser Weinbauregion gibt es sehr viele Weingüter mit deutschen Wurzeln. Die Familie Kies, welche das zweite Weingut auf unserer Tour gehört, ist im 19. Jahrhundert von Brandenburg nach Australien ausgewandert und hat sich ein eigenes Weingut aufgebaut. Heute wird es in siebter Generation geführt und gilt als Geheimtipp unter australischen Weinkennern. Hier setzt man auf Qualität statt Quantität. Das relativ kleine Weingut erzielt deshalb im Vergleich zu den Nachbarn höhere Preise.

Als Rotweinliebhaber habe ich diese Tour sehr genossen. Es war für mich ein Geschmackserlebnis, und ich orderte gleich einen Karton für meine Eltern auf Rügen. Wer sich einmal in dieser Region Australiens aufhält, dem empfehle ich, an einer solchen Verkostungstour teilzunehmen und dabei die Besonderheiten des australischen Weins kennenzulernen. Bisher kannte ich einige dieser Weine nur aus dem Supermarkt, jetzt kenne ich auch die Geschichte dazu.

Renommierte Universität

Eine Möglichkeit, nach Australien zu gehen und dort auf einer Farm zu arbeiten, so wie ich es mache, bietet unter anderem die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes. Alternativ kann man aber auch ein Semester oder das komplette Agrarwirtschaftsstudium an einer australischen Agrar-universität absolvieren. Ob Bachelor, Master oder sogar den Doktor, vieles ist möglich. Für mehr Informationen habe ich mich mit dem Direktor der landwirtschaftlichen Universität von Westaustralien in Perth, Prof. Kadambot Siddique getroffen.

Die University of Western Australia (www.uwa.edu.au) wurde zusammen mit der landwirtschaftlichen Fakultät im Jahr 1911 gegründet. Heute zählt sie weltweit zu den Top-Hochschulen im Agrarbereich. Für ganz Australien ist sie die beliebteste Adresse. Derzeit sind 250 Studenten für einen Bachelor-Abschluss und 80 für einen Master-Abschluss eingeschrieben, weitere 150 Studenten streben den Doktor-Titel an, berichtete Prof. Siddique. Das Studium kostet allerdings Gebühren. 30.000 AU$ (etwa 20.000 €) fallen für zwei Semester an. Studenten aus mehr als 80 Ländern besuchen sie dennoch, vor allem wegen der Qualität der Vorlesungen und dem Praxisbezug. Mit der Universität Göttingen besteht eine Partnerschaft. Für dort eingeschriebene Studenten sind Gastsemester in Perth günstiger. Die Hochschule hat sich bei der Vermittlung von Wissen vor allem auf die Feldfrüchte Weizen, Gerste, Raps und Lupinen spezialisiert, in der Tierproduktion auf Huhn, Schaf und Rind sowie auf die Produktion von verschiedenen Gemüse- und Obstarten. Sie verfügt zudem über eine eigene Versuchsfarm.

Auf der Ridgefield-Farm in der Nähe von Pingelly können die Studenten das theoretische Wissen direkt in der Praxis anwenden. Auf mehr als 1.600 ha werden verschiedene Feldfrüchte angebaut und nach der Ernte im Labor der Universität untersucht. Für Versuche im Tierbereich steht eine Schafherde zur Verfügung. Die Ridgefield-Farm ist Teil des universitätseigenen Projekts „Future Farm 2050“. Darin wird in verschiedenen wissenschaftlichen Studien versucht, Antworten darauf zu finden, wie die Landwirtschaft im Jahr 2050 aussehen kann beziehungsweise sollte. Besonders viel Wert wird dabei auf den Spagat zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft geachtet und vor allem darauf, wie dieser verringert werden kann. Denn eines ist für Prof. Siddique klar: Ohne konventionelle Landwirtschaft wird es in drei Jahrzehnten nicht möglich sein, eine beständig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Der Klimawandel wird zu häufigeren Wetterextremen führen, und der Anstieg des Meeresspiegels, durch das Abschmelzen der Gletscher an den Polen wird, genau wie immer heftiger ausfallende Dürreperioden, dann Millionen Menschen zur Flucht zwingen, besonders in Afrika. Auch die Fruchtbarkeit der Böden nimmt im weltweiten Durchschnitt ab. Die Universität von Westaustralien versucht diesen Problemen nachzugehen und Lösungen zu finden, wie die Versorgung der Weltbevölkerung dennoch gewährleistet werden kann.

In meinem nächsten Beitrag in der ersten Märzwoche erfahren Sie mehr von meiner neuen Farm im Norden des Kontinents, auf der ich die restliche Zeit in Australien verbringen werde. Dann steht die Aussaat an. Es wartet eine komplett neue Region Australiens auf mich, mit deutlich anderen klimatischen Bedingungen, der Aussaat von Wassermelonen, Kichererbsen und Mais und sogar deutscher Landtechnik. Bis dahin können Sie meine Aktivitäten gerne auf meinen Social-Media-Kanälen verfolgen.

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Themen: Australien

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