Neuanfang in alter Heimat

12.11.2013

Uckermark

Blühende Felder im Sommer © Sabine Rübensaat

In der Uckermark, die besonders viele Junge verlassen, wirbt seit 2008 der Verein „Zuhause in Brandenburg e. V.“ mit gewachsenen Vorzügen der Region und leistet Hilfe für eine Rückkehr. Dazu Ariane Böttcher, Gründerin und Vorstandsmitglied.

 

Lebten 1990 in der Uckermark noch 170.000 Menschen, sind es aktuell nur 134.000. Prognosen gehen davon aus, dass 2030 die 100.000-Einwohner-Grenze unterschritten wird. Fast naheliegend, so einen Verein zu gründen?

■ Wir wollten zeigen, dass man etwas gegen die Abwanderung tun kann, ohne auf den großen politischen Entwurf zu warten. Langfristig kommt man ohne ihn freilich nicht aus. Wir erwarten von der Politik eine Kehrtwende weg von reinen Anpassungsstrategien – nach dem Motto: weniger Menschen, also wird die In­frastruktur runtergefahren. Wir brauchen nachhaltige Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich eines stabilen, attraktiven Arbeitsmarkts.

 

Wie arbeitet der Verein?

■ Wir werben für die Region. Hier hat sich in den letzten Jahren mehr getan, als es ihr deutschlandweites Image nahelegt. Die Uckermark ist Spitzenreiter bei der Arbeitslosenquote, gilt als Wüstenei. Der Verein ist mit einem Online-Portal „Leben in der Uckermark“ gestartet. Für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, zurückzukehren, haben wir Informationen über potenzielle Arbeitgeber, Stellenausschreibungen, zum Immobilienmarkt, zur Kinderbetreuung, zu Freizeitangeboten zusammengetragen. Wir informieren außerdem über kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Das ist für diejenigen, die noch nicht an einen Neustart denken, ein Draht in die alte Heimat. Unterstützt wird das Portal durch die Facebook-Seite „Zuhause in der Uckermark“.

 

Realisiert wird das Ganze über ein Netzwerk, das weitgehend von Ehrenämtlern getragen wird. Kommen Sie komplett ohne staatliche Zuschüsse aus?

■ Akteure aus Politik und Wirtschaft sind an unserer Seite. Ich nenne die Sparkasse Uckermark, die uns gesponsert hat, oder die Staatskanzlei des Landes Brandenburg. Wir betreiben auch einen Heimatladen in Templin mit Produkten aus der Region.

 

2010 hat der Verein eine Broschüre zusammengestellt, in der Rückkehrer zu Wort kommen. Sie sprechen unter anderem über Motive für ihr Weggehen. Kann man die ein Stück weit auf einen Nenner bringen?

■ Es sind vor allem die besseren Ausbildungs- und Berufsper-spektiven in anderen Bundesländern. Ausschlaggebend für die Rückkehr sind dagegen eher die weichen Standortfaktoren, wie stabile soziale Netzwerke, Heimatverbundenheit, landschaftliche Reize, einschließlich der geringen Besiedelungsdichte.

 

Gibt es den typischen Rückkehrer?

■ Er ist vorwiegend männlich, zwischen 30 und 40 Jahre alt, ihm liegt die Uckermark am Herzen, sowohl was die wirtschaftliche Potenz betrifft als auch die soziokulturelle Stärke der Region. Die sozialen Kompetenzen und die neue Lebenserfahrung, die er in der Zwischenzeit erworben hat, prägen den Rückkehrer. Er ist ausgesprochen pragmatisch, auffallend oft geht er in die Selbstständigkeit, sicher auch weil Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt rar sind. Tatsächlich gibt es noch viele Nischen, im kreativen Bereich, im Tourismus. Noch sind Immobilien, das Häuschen im Grünen, in der Uckermark erschwinglich. Die Rückkehr steht oft am Beginn eines neuen Lebensabschnitts, der aber mit mehr Aufwand organisiert werden muss als der Weggang.

 

Seit Ende vorigen Jahres hilft dabei die vom Verein etablierte Willkommens-Agentur.

■ Es geht in Weiterführung des Online-Portals vor allem um persönliche Beratung. Wohnraum ist ein stark nachgefragtes Thema, weil es eben doch nicht so einfach ist, aus der Ferne einen Überblick über die Immobiliensituation zu bekommen. Der Landkreis ist mit Kita-Plätzen vergleichsweise gut aufgestellt. Dagegen können wir mit der Vielfalt an Schulformen, die es anderenorts gibt, nicht mithalten. Hier vermitteln wir, klären das Dienstleistungsangebot. Wir helfen, das Für und Wider einer Rückkehr abzuwägen. Unsere Mitarbeiterin Stephanie Neumann ist selbst eine Rückkehrerin.

 

Jetzt ist ziemlich oft das Wort Heimat gefallen. Ein hierzulande negativ besetzter Begriff.

■ Heimatverbundenheit, regionales Bewusstsein und Verantwortung für den Nachbarn sehen wir als ein Gegengewicht in einer immer stärker globalisierten Welt an.

 

Die Willkommens-Agentur wird bis 2014 durch das Bundesmodellprogramm „LandZukunft“ finanziert. Und danach?

■ Dass in einer strukturschwachen Region manches zuerst getestet wird, bevor es in anderen Bundesländern etabliert wird, empfinden wir als Glücksfall. Das trifft auf die mobile Zahnarztpraxis, den Bürgerbus  oder eben auch die Willkommens-Agentur zu. Wir arbeiten an ihrer Dauerhaftigkeit. Früher oder später wird jede Region so eine Einrichtung haben, um Menschen wieder anzusiedeln. Dabei halten wir ein gewisses Maß an Wanderung durchaus für sinnvoll. Das weitet den Blick nicht nur bezüglich der beruflichen Entwicklung. Man lernt andere Menschen kennen, deren Mentalitäten, ihre Sicht auf die Dinge. Ein zusätzlicher Input, von der auch die Region, in die man zurückkehrt, profitiert.

 

Von einer, die sich umgesehen hat, um sich und ihren Weg zu finden, dabei ihren festen Vorsatz nie aufgab, in die Uckermark zurückzukehren, erzählen wir auf den im Heft auf Seite 56 und 57 oder im Internet unter: http://www.bauernzeitung.de/junges-land/landjugend-freizeit/von-einer-die-auszog/

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