Melonen säen als Abschluss

05.04.2018

© Florian Wolf

Hektarweise Melonen: Nach neun Tagen Zwangspause durch Regen geht die Aussaat weiter.

Bildergalerie: Melonen säen als Abschluss

 

Endlich bin ich angekommen auf meiner letzten Station in Australien. Es ist die Bothkamp Australia Farm von Christian Bloecker im Norden des fünften Kontinents. Christian hat einen Bachelor in Agrarwissenschaft und Volkswirtschaftslehre und ist einer der wenigen Betriebsleiter in Australien, die ein Studium im landwirtschaftlichen Bereich absolviert haben.

Treffen mit Lynette Wood, Australiens Bot­schafterin in Berlin, beim Empfang im Honorarkonsulat in Perth. © Florian WolfPraktikanten sind auf der Farm in den nahegelegenen Bunkhouses (Schlafbaracke) untergebracht. Neben der guten Unterkunft dort hat mir Christian zudem kostenlos ein Auto zur Verfügung gestellt. Die Farm liegt etwa 13 km entfernt von Kununurra, einer Stadt im 8.000-Einwohner-District East Kimberley. Zur Bothkamp Farm gehören 1.140 ha und angebaut werden Melonen, Kürbisse,  Chia, Bohnen, Kichererbsen, Koriander und Mais. Die Fahrzeugflotte besteht fast ausschließlich aus deutscher Landtechnik. Gefahren werden Fendt-Schlepper der 300er- bis 900er-Serie. Der größte Schlepper ist ein Fendt 927 Vario. Zur Düngung werden Streuer von Kverneland eingesetzt. Selbst bei den Betriebswagen wird auf deutsche Technik gesetzt und vor allem Volkswagen eingekauft.

Wir sind hier im Norden des Kontinents, in unmittelbarer Nähe zum Äquator, er ist nur etwa 1.500 km entfernt. Meine neue Farm liegt in einer der fruchtbarsten Regionen des Landes. 60 % des Bodens bestehen aus Tonbestandteilen. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem mit Pumpen und Gräben versorgt die Pflanzen in der Trockenzeit mit genügend Wasser.

 

Tropisch heiß und feucht

Um ehrlich zu sein, ist es mir anfangs etwas schwer gefallen, mich an die tropischen Bedingungen zu gewöhnen. Temperaturen um die 30 bis 40 °C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 % sind vor allem in der Regenzeit für den Körper anstrengend. Auch nachts kühlte es selten auf unter 25 °C  ab. Ich hatte Glück, denn Anfang März begann die Trockenzeit, somit sank die Luftfeuchtigkeit in meiner restlichen Zeit in Australien. Nach etwa einer Woche hatte ich mich an das Klima gewöhnt, und auf der Farm gab es zu dieser Zeit viel zu tun. Alle Maschinen mussten gewartet und für die Aussaat vorbereitet werden. Abschmieren, Reifendruck kontrollieren, Ölstände prüfen und Schlepper von innen und außen säubern waren dabei nur einige der Aufgaben. Meine Vorfreude auf die Arbeit auf dem Feld konnte nach einer Woche der Vorbereitungen in der Werkstatt kaum größer sein und so ging es endlich auf den Acker. Die Aussaat von Honigmelonen und Kürbissen stand an und erfolgt mit einem etwas älteren Einzelkornsägerät. Die Saatkerne werden auf sogenannten Beeten (ähnlich wie bei Kartoffeln) in einer Tiefe von 5 cm abgelegt. Die Bedingungen in den ersten Wochen waren schwierig, da der Boden nach den Niederschlägen der letzten Monate (800 mm seit Anfang Dezember) noch sehr nass war und auch immer wieder starke Regenschauer übers Land zogen. Im Laufe des Monats wurde das Wetter aber zunehmend beständiger und die Aussaat konnte in vollen Zügen starten.


Die anderen Feldfrüchte – Kichererbsen, Bohnen, Koriander, Chia und Mais – werden mit einer modernen Sämaschine der Marke John Deere ausgesät. Die Maschine mit neun Reihen hat eine Arbeitsbreite von 6 m.

 

Verbotene und umstrittene Mittel

Auch im Pflanzenschutz setzt die Familie Bloecker auf deutsche Landtechnik, eine UX 5200 Super der Firma Amazone, gezogen von einem Fendt 714 Vario. Neben der Aussaat hatte ich die Möglichkeit, bei einer Pflanzenschutzmaß- nahme dabei zu sein. Zum einem mit dem Mittel Basta (Wirkstoff Glufosinat) und ein anderes Totalherbizid mit dem Wirkstoff Paraquat Dichlorid. Das Mittel Basta ist in Deutschland bereits seit 2015 nicht mehr zugelassen (Lagerbestände durften bis zum 30. Juni 2017 ausgebracht werden). Zudem wird in Australien Glyphosat in der Regenzeit auch mit dem Flugzeug ausgebracht, da die Flächen nicht befahrbar sind.


Ein Großteil der hier eingesetzten Herbizide und Insektizide ist in Europa und in Deutschland, wo in Bezug auf Zulassungsverfahren noch strengere Vorschriften gelten, seit Jahren verboten, weil sie entweder als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft worden sind oder Neuzulassungen nicht mehr neu beantragt wurden. In Down Under beschäftigt man sich dagegen nicht wirklich mit möglichen negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt. So gibt es auch kein einheitliches Recyclingsystem. Im Supermarkt bekommt man kostenlos eine unbegrenzte Anzahl an Plastiktüten zu jedem Einkauf dazu, das war‘s. Trotz dieser laxeren Einstellungen eines Großteils der australischen Bevölkerung gibt es deutlich weniger Umweltschützer. Wahrscheinlich liegt das daran, dass Australien um ein Vielfaches größer ist als Deutschland und deutlich weniger Einwohner hat. Echte und scheinbare Umweltvergehen werden in Deutschland viel schneller wahrgenommen und angezeigt, in den sozialen Medien mitgeteilt oder in Tageszeitungen veröffentlicht. Die Wege sind viel kürzer.


Vielleicht sollten wir uns aber auch einfach angewöhnen, wie die Australier entspannter und gelassener zu sein. Das spart Energie und man ist womöglich glücklicher.

 

Honigmelonen für die Stadt

Luftaufnahme von Flächen der Bothkamp Australia Farm. © Florian WolfFür eine kontinuierliche Ernte werden etwa zehn Hektar Melonen und Kürbisse im Abstand von zehn Tagen gesät. Ansonsten kommen später die „Pflücker“ bei der Ernte nicht hinterher und die Feldfrüchte würden verderben. Das anstrengende Pflücken der schweren Melonen wird jedoch nicht zu meinen Aufgaben gehören. Das regelt eine andere Abteilung auf der Farm mit einem eigenen Manager. Gern werden Backpacker (Rucksacktouristen) zum Pflücken eingesetzt. Bereits 60 Tage nach der Aussaat sind die Honigmelonen groß genug zum Ernten. Sie werden verpackt und per Road Trains (Straßenzüge) in die weit entfernten großen Städte Perth, Melbourne und Brisbane geliefert. Bei diesen Strecken bekommt man ein ganz anderes Verhältnis in Bezug auf Erreichbarkeit und Infrastruktur.


Meine Praktikumszeit ging Ende März zu Ende. Damit ist dies hier mein letzter Bericht vom fünften Kontinent in der Bauernzeitung. Es war eine schöne und aufregende Zeit, in der ich Erfahrungen in verschiedenen Bereichen  der australischen Landwirtschaft sammeln durfte. Ein Auslandspraktikum ist jedem zu empfehlen, der seinen Horizont erweitern möchte. Ich habe sehr interessante Menschen getroffen. Das ist einer der Gründe, weshalb ich dem fernen Land nur befristet den Rücken kehren werde. Schon Ende April bin ich wieder unten und für Ende Oktober habe ich eine Fachreise nach Westaustralien organisiert.

Reiseeindrücke auf Social Media:
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Instagram: ruegenmeetsaustralia

Themen: Australien

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