Eindrücke und Erkenntnisse

06.03.2018

© Florian Wolf

Zum Wiegen müssen die Schafe einzeln auf die Waage. Die größeren werden dann verkauft.

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Ende Januar ging es für mich mit dem Flieger zurück nach Perth. Definitiv meine Lieblingsstadt in Australien. Sie ist sehr grün mit vielen Parks und die australische Westküste mit weißen Sandstränden und Wassertemperaturen von 25 Grad ist nur einen Katzensprung entfernt.

Ich habe mich erneut mit Prof. Kadambot Siddique von der University of Western Australia getroffen, denn mich reizt diese Hochschule sehr. Er freute sich über mein Interesse, vor allem auch an dem Versuchsbetrieb Ridgefield Farm. Deshalb bot er mir an, dort ein Praktikum zu absolvieren. Dieses Angebot nahm ich gern an, denn so konnte ich das erste Mal Erfahrungen bei der Arbeit mit Schafen sammeln. Ehrlich gesagt war ich auch froh, endlich wieder anpacken zu können, denn anderthalb Monate Reisen waren für mich genug. Ich nutzte die Mitfahrgelegenheit bei Graeme Martin (Professor für Tierhaltung), da es ohne eigenes Auto schwierig ist, zur Farm zu gelangen. Busse oder Züge fahren nur selten in diese Region. Die universitätseigene Ridgefield Farm in der Nähe von Pingelly liegt rund 180 km östlich von Perth. Zur Farm gehören 1.600 ha Fläche, darunter 160 ha Hafer, 120 ha Raps und 40 ha Weizen. Die restliche Fläche wird als Weideland für die 6.000 Schafe und Lämmer genutzt. Einmal jährlich im April werden die Tiere geschoren. Jedes Schaf erhält zweimal die Woche (immer montags und donnerstags) zusätzlich Konzentratfutter – 2,1 kg pro Kopf. Das entspricht einer Tagesration von 600 g pro Tier. Die Zusatzra­tion besteht zu zwei Dritteln aus ­Hafer. Das restliche Drittel aus ­Lupinen oder Pellets dient der Eiweißversorgung. Zudem gibt es die notwendigen Mineralstoffe. Das Futter wird mit einem Pick-up und einfach gehaltenen Fütterungsanhängern verteilt. Ansonsten grasen die Schafe auf den Weiden.

Mit Viehtransportern geht es hier zu einer Versuchseinrichtung für Tiermedizin © Florian WolfAuf der Versuchsfarm arbeiten der leitende Farmer Shane Dunn und seine Frau Abby sowie eine Angestellte namens Bianca Webb. Während meines zweiwöchigen Aufenthalts wohnte ich im Gästehaus. Neben Praktikanten werden dort auch Mitarbeiter oder Gäste der Universität untergebracht. Auch Bianca lebt unter der Woche dort. Am Wochenende fährt sie zu ihrer Familie nach Perth. Dunn lebt mit seiner Familie am anderen Ende der Farm. Er hält auf seinem Anwesen noch zehn Pferde, die für die Arbeit mit Rindern ausgebildet werden. Sein ältester Sohn Jacob arbeitet auf einer großen Rinderfarm im Norden von Australien. Bei den dort herrschenden Strukturen mit mehreren tausend Hektar Weideland erfolgt das Handling der Rinder immer noch am besten mit Pferden. Mit dem eigenen Truck (Lkw) bringen sie dann die ausgebildeten Pferde auf die circa 3.000 km entfernte Farm im Norden. Dunn und seine Frau sind erst seit sieben Monaten bei der Universität von Westaustralien angestellt. Zuvor leiteten sie eine Farm mit 6.000 Rindern in der Nähe von Broome im Nordwesten. Eine für australische Verhältnisse nicht sehr große Rinderfarm. Nun mussten sie sich umstellen von Rindern auf Schafe. Schafe sind in den Haltungsbedingungen deutlich anspruchsloser als die großen Wiederkäuer. Eine wichtige Hilfe bei der Arbeit mit Schafen sind Hütehunde und davon gibt es dort definitiv mehr als genug. Wenn man die Schafe beispielsweise von einer Koppel auf die andere treiben muss, ist es sehr hilfreich, die Herde mit den Hunden zu lenken und zusammenzuhalten.

Während meiner Zeit auf der Farm hatte ich auch die Möglichkeit, bei einer Pflanzenschutzmaßnahme dabei zu sein, in diesem Fall mit Glyphosat. Das Mittel wurde mit einer Aufwandmenge von 1,5 l/ha angewendet. Glyphosat wird hauptsächlich für die flächendeckende Vernichtung der Unkräuter und des Auflaufgetreides etwa einen Monat vor der Aussaat eingesetzt. Die allgemeinen Bestimmungen im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sind in Australien deutlich laxer als in Deutschland. Das gilt sowohl für die Aufbewahrung als auch für das Ausbringen. Selbst in den Supermärkten sind sie für jede Person frei erhältlich. So etwas Ähnliches wie ein Pflanzenschutzsachkundenachweis ist hier nicht erforderlich. Jeder kann mit den verschiedensten Wirkstoffen hantieren, ungeachtet möglicher Folgen für die Umwelt. Für mich war diese Vorstellung sehr gewöhnungsbedürftig, da ich noch die hitzigen Diskussionen aus den deutschen Medien vor Augen hatte. Viele Verbraucher sind ja bei uns dafür, Glyphosat zu verbieten. Vielleicht aber auch gerade, weil sie so schlecht darüber informiert sind, wie streng sein Einsatz in Deutschland schon geregelt ist. Deshalb ist es meiner Meinung nach sinnvoll, weiter aufzuklären und das vor allem auch in den sozialen Netzwerken. Vielleicht sollten viele Menschen aber auch nur einmal über die Grenzen hinausblicken, den Horizont erweitern, um zu erkennen wie sicher und hochwertig unsere Lebensmittel in Deutschland produziert werden.

Das Parlament besteht wie in Großbritannien aus Ober- und Unterhaus. © Florian WolfNach meinem Praktikum blieben mir noch einige Tage in Perth und ich freute mich sehr über die Einladung von Ian Blayney in das westaustralische Parlament. Er ist dort Abgeordneter und agrarpolitischer Sprecher. Wir hatten uns zu Beginn meiner Zeit in Australien in Geraldton kennengelernt. Das ist die nächstgrößere Stadt bei meiner ersten Farm, und für die ist er auch Mitglied im Parlament. Der Besuch des Parlaments war eine große Ehre. Zudem freue ich mich schon sehr auf Ians Gegenbesuch im Juli. Dann wird er mich und meine Familie auf Rügen besuchen, gemeinsam mit seiner Frau. Einen Tag zuvor hatte ich noch die Gelegenheit, Torsten Kettelsen, den Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland für Westaustralien, zu treffen.

Nach diesen spannenden Tagen in Perth habe ich mich auf den Weg zu meiner nächsten Farm gemacht, die im Norden von Australien liegt. Es ging erst mit dem Flieger nach Darwin und von dort weiter mit dem Bus nach Kununurra. Christian Bloecker von der Bothkamp Australia Farm holte mich von der Bushaltstelle ab. Seine Eltern Gabi und Wilhelm sind 1982 aus Schleswig-Holstein ausgewandert und haben sich eine mittlerweile 1.100 ha große Farm aufgebaut, auf der Melonen, Bohnen, Kürbisse, Chia und Mais angebaut werden. Ich freue mich sehr auf die Aussaat. Ackerbaulich ist diese Region sehr spannend. Fruchtbarer Boden in Verbindung mit viel Niederschlag und zusätzlicher Bewässerung lassen auf ein hohes Ertragspotenzial schließen. Sie dürfen gespannt sein auf meinen neuen Artikel in der ersten Ausgabe im April, wo es speziell um die Aussaat geht, vor allem mit deutscher Landtechnik.

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