Das Abenteuer Australien beginnt

30.11.2017

© Florian Wolf

Bildergalerie: Das Abenteuer Australien beginnt


Nach einer längeren Zeit der Vorbereitung auf die Reise nach Down Under konnte es endlich losgehen. Voller Tatendrang ging es von meiner Heimat, der Insel Rügen, nach Australien. Die Vorfreude wurde an den letzten Tagen immer größer und ich konnte es kaum abwarten, australischen Boden zu betreten. Der Koffer war gepackt, das Visum erteilt, ein neuer Reisepass beantragt, die Impfungen hinter mich gebracht, der Flug gebucht und das Abenteuer Australien konnte beginnen.

 

Ein Traum wird wahr

Wie ich von einigen Bekannten, die auch schon in Australien waren, gehört habe, bekommt man dort eine ganz andere Sicht auf das Thema Ackerbau, mit deutlich größeren Strukturen und Maschinen. Mein Traum war es schon immer, einmal nach Australien zu Reisen. Dass ich nun von der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes die Möglichkeit erhalten habe, auf einer australischen Farm zu leben und zu arbeiten, ist eine riesige Chance für mich, nicht nur persönlich zu reifen und neue landwirtschaftliche Erfahrungen zu sammeln, sondern auch meine Englischkenntnisse zu verbessern. Eine Chance, die sich aus meiner Sicht in jedem Fall lohnt. Dass ich durch die Arbeit zusätzlich Geld verdiene, wovon ich später durch Australien reisen kann, ist ein toller Nebeneffekt. Ein weiterer Grund, weshalb ich mich für ein halbes Jahr in Australien entschieden habe. Hier beginnt die Ernte, wenn viele Bauern in Deutschland in die ruhigere Zeit des Jahres starten, Ende Oktober. Für mich optimal, weil ich genau zum Erntestart auf dem fünften Kontinent lande und sofort in die spannendste Zeit des Jahres einsteigen kann.

Ich komme von einem Landwirtschaftsbetrieb im westlichen Teil der Insel Rügen. Meine Eltern haben einen reinen Ackerbaubetrieb. Angebaut werden vorrangig Weizen, Raps, Gerste und Zuckerrüben. Vor zwei Jahren habe ich meine Ausbildung zum Landwirt mit Fachhochschulreife begonnen. Nach der theoretischen und praktischen Zwischenprüfung habe ich entschieden, meine Lehre für ein Jahr auszusetzen und als Trainee auf einer Farm in Australien zu arbeiten. Danach, Anfang August werde ich meine Ausbildung bei der Agrargesellschaft Gustow auf der Insel Rügen fortsetzen.

Der Abschied von meinen Freunden, aber vor allem von meiner Familie fiel mir nicht leicht. Doch die Vorfreude auf die vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen am anderen Ende der Welt, vor allem in Bezug auf die Landwirtschaft, waren definitiv größer als der Abschiedsschmerz. Nach einer ausgiebigen Abschiedsparty bei mir zu Hause mit Freunden, Familie und guten Bekannten ging es Ende Oktober von Hamburg erst mit dem Flieger nach Dubai und von dort aus weiter nach Perth.

 

Über 4 000 Hektar

Perth liegt im Südwesten von Australien, eine Stadt mit zwei Millionen Einwohnern und die größte Metropole in Westaustralien. Meine Gastfarm in Australien ist etwa eine Autostunde von Geraldton entfernt. Ein Ackerbaubetrieb mit 4 430 ha. Darunter 2 200 ha Weizen, 840 ha Raps und 350 ha Lupinen. Es gibt eine Hauptfarm mit 2 430 ha und 25 km weit entfernt eine Zweitfarm mit circa 2 000 ha. Die beiden Farmen gehören Carol und Rohan Ford. Die beiden haben zwei Kinder: Michael (22 Jahre) und Ellen (20 Jahre). Sie leben im zweiten Haus der Familie in Perth, wo sie arbeiten beziehungsweise studieren. Deshalb sind Carol und Rohan regelmäßig in Perth.

Nach meinem insgesamt 18-stündigen Flug wurde ich von Ellen vom Flughafen abgeholt. Nach einem kleinen Abendessen und – ganz wichtig – einer Dusche, ging es nach über 24 Stunden ohne wirklichen Schlaf endlich ins Bett. Doch nicht lange, denn am nächsten Morgen um 7 Uhr ging mein einstündiger Flug von Perth nach Geraldton, einem kleinen Flughafen an der Westküste von Australien. Vorher hatte ich noch kurz die Möglichkeit, Ellens Bruder Michael kennenzulernen. Die Vorfreude war mittlerweile sehr groß. Ich war gespannt auf die Farm, die Maschinen, die Flächen und natürlich auf meine Gasteltern!

Rohan holte mich nach der Ankunft in Geraldton mit seinem Pick-up vom Flughafen ab. Es war spannend sich mit ihm auf Englisch über die Landwirtschaft in Australien zu unterhalten. Während wir Arbeitskleidung für mich in einem Laden in Geraldton kauften, trafen wir einige Farmer hier aus der Umgebung, mit denen wir uns eine Weile unterhielten.

Die Fahrt zur 100 km entfernten Farm dauerte eine Stunde. Mir wurde nicht zu viel versprochen: Ich sah sehr große Flächen und es dauerte ziemlich lange bis uns auf der Straße ein anderes Auto entgegenkam. Rohan erzählte mir, dass der nächste Nachbar ein anderer Landwirt ist, der 10 km weit entfernt wohnt.

 

Überladewagen fahren

Angekommen auf der Farm beeindruckten mich die Schlepper (alle komplett mit Kettenlaufwerk) und die riesigen Überladewagen (110 t Ladevolumen). Mit ihnen wird das Getreide auf dem Feld zwischengelagert, bevor es von dort auf den Truck (Lkw) befördert wird. Der Truck bringt das Getreide zu einer Lagerhalle am Hafen von Geraldton. Von dort wird das Getreide verschifft, wenn die Preise gut sind. Ein kleinerer Überladewagen mit 18 t Fassungsvermögen wird genutzt, um die gedroschenen Feldfrüchte vom Mähdrescher zum Zwischenlager zu transportieren. Das sei während der Ernte dann meine Aufgabe, erzählte mir Rohan.

Carol begrüßte mich, zeigte mir das Haus und kümmert sich seit meiner Ankunft wirklich sehr gut um mich und fragt oft, wie es mir geht oder ob ich irgendetwas brauche.

Ich lebe hier auf der Farm zusammen mit meiner Gastfamilie in einem Haus und gehe nur zum Schlafen in das benachbarte Bunkhouse (auf dt. Schlafbaracke). Es besteht aus zwei Schlafzimmern und einen Raum mit Fernseher, Kühlschrank, Leseecke und Couch. Hier schlafen immer der oder die Trainees, je nachdem wie viele gerade gebraucht werden. Doch die meiste Zeit des Tages verbringe ich ohnehin auf dem Acker oder bei Carol und Rohan im Haus.

Aktuell bin ich der einzige Trainee hier. Normalerweise haben die beiden auch noch einen Angestellten. Doch aufgrund der langen Dürreperiode im Juli und August und der dadurch zu erwartenden schlechten Ernte verzichten sie auf weitere zusätzliche Hilfe.

Im Durchschnitt werden in dieser Region nordöstlich von Perth 2,5 t/ha Weizen geerntet. In guten Jahren wie im letzten Jahr sogar 3 t/ha. Beim Raps liegt der Ertrag bei 1,2 t/ha und bei den Lupinen bei 1,8t/ha. Bis vor ein paar Wochen dachte Rohan noch, er würde gar nichts ernten. Es gab jedoch noch ein paar Niederschläge und so konnten wir beim Raps 0,6–0,8 t/ha und bei den Lupinen etwa 1,0 t/ha ernten. Beim Weizen erwartet Rohan 1,5 t/ha. In Deutschland würde man bei solchen zu erwartenden Erträgen wahrscheinlich den Acker umbrechen und zum Beispiel im Frühjahr Mais legen. In Australien geht das jedoch nicht. Aufgrund des für deutsche Verhältnisse schlechten Bodens, der in Australien fast nur aus Sand besteht, ist es beispielsweise nicht möglich Zuckerrüben oder Mais anzubauen. Im Jahresdurchschnitt fallen in dieser Region nordöstlich von Perth nur 100 l/m2 Niederschlag. Gerade wenn – wie in diesem Jahr – noch weniger Regen als in normalen Jahren fällt, ist es für australische Bauern umso wichtiger, jeden Hektar Acker optimal zu nutzen. Das heißt, ihn so wenig wie möglich zu beanspruchen, damit der Acker nicht an Wert verliert und die Bodenstruktur erhalten bleibt. Sehr viele Farmer in Australien, so auch mein Chef Rohan, nutzen daher Landmaschinen mit Kettenlaufwerk, um den Boden nicht zu verdichten. Verdichtungen mindern den Ertrag. Auch die Direktsaat ist eine gängige Methode, welche von vielen Farmern genutzt wird. Dadurch bleibt die wenige Feuchtigkeit im Boden. Die Aussaat erfolgt in einem Arbeitsgang mit dem Raupenschlepper und der Sämaschine.

 

Keine Subventionen

Aus betrieblicher Sicht ist es schwierig, in Australien zu wirtschaften. Nicht nur aufgrund des für unsere Verhältnisse schlechten Bodens. In Australien gibt es keinerlei Subventionen durch die Regierung oder anderen Institutionen, wie es bei uns in Europa durch die EU der Fall ist. Zwar kostet Ackerland hier im Durchschnitt „nur“ circa 1 000 €/ha, aber auch mit deutlich geringerem Ertragspotenzial. Auch die Erreichbarkeit, zum Beispiel wenn Maschinen gewartet oder repariert werden müssen, ist ein Problem. In den meisten Fällen sind die Bauern auf sich allein gestellt. Die Lebenshaltungskosten sind in Australien deutlich höher als in Deutschland. So sind beispielsweise Lebensmittel oder auch Häuser oder Eigentumswohnungen, selbst in schlechtem Zustand sehr teuer. Aber auch Betriebsmittel wie Ersatzteile oder neue Landmaschinen kosten mehr als in Europa.

Jetzt, Mitte November, haben wir mittlerweile den Raps und auch die Lupinen abgeerntet. Bei Geschwindigkeiten von 10 bis 12 km/h und niedrigen Erträgen geht dies jedoch auch deutlich schneller. Deshalb reicht für die 3 390 ha Erntefläche auch ein Mähdrescher mit einem Neun-Meter-Schneidwerk.
Weiter gehts im Januar

In jeder Junges-Land-Ausgabe der Bauernzeitung am Anfang jeden Monats erscheint ein neuer Bericht von mir und meinen Erlebnissen in Australien. Im nächsten Artikel, Anfang Januar, will ich noch genauer auf die Ernte in Australien eingehen und dabei den Bezug zum Ackerbau in Deutschland herstellen.

Reiseeindrücke auf Social Media:
ruegenmeetsaustralia.tumblr.com
Facebook: Rügenmeetsaustralia
Instagram: ruegenmeetsaustralia

Themen: Australien

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr