Vernetzung in der Landtechnik – Teil 2

20.05.2014

© Klaus Meyer

Mit agroXML und ISOBUS ist man bei der Kommunikation auf dem richtigen Weg.

Im ersten Teil von „Vernetzung der Landtechnik ging es um Zukunftsszenarien und die Vorteile, welche die Vernetzung mit sich bringt. In Teil 2 geht es um die Schwierigkeiten und Herausforderungen die zu meistern sind.  

Rechtssicherheit als Hemmschuh

Ein Problem bei der Einführung weiterer kontextsensitiver Systeme ist laut Birle, dass die meisten Lösungen der Hersteller auf dem Prinzip geschlossener Systeme basieren. Gemischte Fahrzeugflotten sind hiermit oft nicht kompatibel. Daran habe die Agrartechnikindustrie noch zu arbeiten. Der Datenaustausch berge aber auch Risiken und Unsicherheitsfaktoren hinsichtlich Datensicherheit, Übertragungsstabilität und der Datenformate, erläuterte Birle. Ein erster Schritt sei der ISOBUS-Standard, weitere seien nötig. Die größte Herausforderung sei dabei die Rechtssicherheit.

Neue Konzepte für Intuitive Bedienung

Das Thema „Intuitive Bedienung und neue Bedienkonzepte landwirtschaftlicher Maschinen“ erläuterte Rainer Vogt, Produktmanager für Spurführung bei Agco-Fendt, an den aktuellen Vario-Terminals 7 und 10.4-B des Unternehmens. Deren Bedienung erfolgt auf drei Wegen über den Bildschirm mittels Touch-Technik, der Navigationstasten und dem Einstellrad, welches eine feinfühlige Einstellung auch während der Fahrt ermöglicht. Heutige Terminals bieten folgende Funktionen:

•    Schleppereinstellung, Statusinformationen,
•    Vorgewendemanagement,
•    Geräte und Konfigurationen speichern,
•    ISOBUS-Gerätesteuerung,
•    Dokumentation (CC, GlobalGAP, Analyse),
•    Spurführungssystem,
•    Kamerabild,
•    Kartendarstellung.

Diese Funktionen konnte man bisher über mehrere Terminals in der Kabine nutzen. Der Trend geht jedoch zu einem Terminal mit geteiltem Bildschirm. Das hat Vorteile:

•    optimale Erreichbarkeit,
•    gute Ergonomie,
•    Kosteneinsparung für Zusatzterminals,
•    einheitliche Bedienlogik,
•    gute Rundumsicht,
•    kein Kabelsalat in der Kabine,
•    keine Umbauten erforderlich.

 

Weiterentwicklung der Mensch-Maschine-Schnittstelle

Zusammenfassend stellte Vogt fest, dass ein Terminal soviel wie möglich können muss. Der optimale Platz in der Kabine sei die Armlehne, gut erreichbar und ohne Relativbewegung zum Fahrer. Eine intuitive Bedienung bekomme man durch die Touch-Technologie hin. Sie ermögliche ein „Sehen und Verstehen“. Damit der Kunde an Weiterentwicklungen teilhaben kann, müsse die Hardware so ausgelegt sein, dass künftige Softwareaktualisierungen genutzt werden können. Die Entwicklung von Terminals gehe weiter, wobei Agco einen klaren offenen Ansatz verfolge. Seiner Meinung nach wird die Sprachsteuerung auch in der Landtechnik kommen, und Tablet-PCs werden ebenfalls Einzug halten. Bei letzteren sei jedoch der schnelle Generationswechsel von unter einem Jahr ein Problem.

Die Entwicklung geht hin zu autonomen Robotern

Für Prof. Joachim Herzberg vom DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) und dem Institut für Informatik der Uni Osnabrück „liegt das Marktpotenzial der Technologie der autonomen Robotik in der Landtechnik aktuell primär in der Automatisierung einzelner Funktionen von heutigen Landmaschinen und erst sekundär in der Entwicklung autonomer Feldroboter“.

Trotzdem werden sich autonome Systeme im Sinne einer Evolution bis hin zum autonomen Roboter entwickeln. Schon heute sind vielfältige autonome Komponenten in der Landtechnik verbaut, die zu einer Entlastung der Nutzer führen, wie die oberen Beispiele zeigen, und besonders im Stall sind autonome Komponenten, aber auch ganze Systeme schon weit verbreitet: Melkroboter, Spaltenreiniger oder Fütterungsautomaten. Ähnlich verhält es sich in der Automobilbranche. Im Mittelklassebereich und darüber hat die Technologie der autonomen Robotik über Fahrerassistenzsysteme und Einparkhilfen bereits breiten Einzug gehalten.

Juristische und Versicherungsrechtliche Hemmschwellen

Der Grund für die verhaltene Entwicklung autonomer Systeme auf dem Acker und der Straße liegt nach Angaben von Herzberg nicht in der technischen Entwicklung. Technik, Software und Wissen sind vorhanden. Es liegt daran, das die juristischen und versicherungsrechtlichen Fragen bisher nicht geklärt sind.

Während es im ersten Teil der Veranstaltung um die Kommunikation von Mensch zu Maschine und von Maschine zu Maschine ging, wurden im zweiten Teil die Vernetzung und der Datenaustausch in der Landwirtschaft, zum Teil in der ganzen Lebensmittelkette betrachtet. Nach Meinung der Referenten Jan Horstmann von Krone und Prof. Wolfgang Bode von der Universität Osnabrück geht kein Weg daran vorbei, da die Maschinen für sich alleine technisch ausgereift sind und in Zukunft Effizienzverbesserungen in der Landwirtschaft in der Optimierung der Produktionsabläufe, der Prozessketten in der landwirtschaftlichen Logistik, der Datenanalyse und dem Datenmanagement liegen.

Insellösungen verhindern Austausch

Die Insellösungen der einzelnen Landtechnikhersteller und Softwareunternehmen mit unterschiedlichen Formaten, Stammdaten, Schnittstellen und Vorgehensweisen erschweren oder verhindern sogar den internen und externen Datenaustausch sowie die Nutzung mehrerer Werkzeuge. Bestimmte Daten (Schlagkartei, Tierdaten, Orte, Zeiten, Verbrauchs- und Applikationsmengen) müssen daher mehrfach eingegeben werden oder können ganz einfach nicht genutzt werden. Nicht nur Horstmann sieht die Lösung darin, dass die Hersteller von Landtechnik und Zusatzausstattungen gemeinschaftlich an einheitlichen Schnittstellen, Datenformaten und an einer Datendrehscheibe arbeiten. Dahinter stecke die Grundidee aus dem iGreen-Projekt, dass dienstebasierte Onlineplattformen dabei die Schnittstelle zum Büro der Landwirte, Lohnunternehmer und Maschinenringe darstellen. Erste Datendrehscheiben wurden zur Agritechnica vorgestellt, wo mehrere Landtechnikhersteller und Softwarefirmen die Daten, die auf dem Acker oder im Stall der Landwirte durch die Nutzung von Maschinen anfallen, in der Cloud auf einem externen Server speichern, analysieren und für weitere Zwecke für Berechtigte zur Verfügung stellen.

•    Teil 1: Zukunftsvisionen und Vorteile
•    Teil 3: Ausmaß und Chancen der Vernetzung
•    Teil 4: Beispiele aus der Praxis

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