Prototypen in Übersee

06.05.2013

In Indiana steht sehr viel Mais. Der Staat im mittleren Westen der

USA liegt im sogenannten Maisgürtel (Corn Belt). Ein Problem bei der

Maisernte ist, das der Korntank eines Mähdreschers mit einem zwölf- oder

16-reihigen Maisgebiss ruck, zuck voll ist, meistens bevor das Ende des

Feldes erreicht ist. Es wird gerne gleich am Vorgewende auf Lkw

überladen, oder ein Überladewagen nimmt den Mais vom Mähdrescher an und

lädt dann den Lkw am Feldrand. Die Logistik auf dem Feld vereinfachen

möchte Landwirt Ben Dillon mit Tribine, einem Mähdrescher mit riesigem

Korntank. Er fasst 27 t, das ist mehr als doppelt so viel, wie ein

normaler Klasse-8-Mähdrescher in seinem Korntank aufnehmen kann.  Gleichzeitig soll die Entladung mit nur zwei Minuten für den kompletten

Kornbunker sehr schnell gehen.  Möglich macht das eine Entladeschnecke

mit 56 cm Durchmesser, die am Ende des Korntanks sitzt und 13,5 t/min

fördert.


Dreschen im Hundegang


Der Tribine-Mähdrescher ist die vierte Generation des Prototyps. Mit

Fokus auf dem Umgang mit dem gereinigten Getreide begann der technisch

versierte Landwirt 1997 die Entwicklung dieser Maschine. Die Prototypen

wurden anschließend auf den eigenen Feldern eingesetzt. Angefangen hat

er mit einem Überladewagen, angehängt an einen Mähdrescher. Es gibt

insgesamt 28 Patente auf den Tribine-Drescher. Dillon hat bei einem

Gleaner-S77-Rotormähdrescher (AGCO) den Korntank durch den Motor mit 370

PS ersetzt und die Hinterachse entfernt. Der gereinigte Mais vom

Drescher wird über eine 30-cm-Schnecke in den hinteren Tank gefördert.

Dieser ist mit einem Knickgelenk mit dem Mähdrescher verbunden. Die

Knicklenkung von 30° ermöglicht zusammen mit den gelenkten Hinterrädern

einen sehr kurzen Wendekreis. Das Fahren im Hundegang ist auch möglich.

Gehäckseltes Stroh und Spreu werden zwischen den Maschinenteilen durch

hydraulische Gebläseeinrichtungen seitlich verteilt. Ebenfalls

hydraulisch durch drei Pumpen angetrieben werden der Allradantrieb, die

Allradlenkung und die große Entladeschnecke hinten. Mit 10,6 m ist die

Maschine nicht länger als normale Mähdrescher, aber die Breite von 4,4 m

ist für europäische Verhältnisse definitiv zu groß. Durch die

Verwendung von Aluminiumbauteilen soll der voll beladene Mähdrescher

etwa 45 t wiegen. Mit den 1,2 m breiten und 1,8 m hohen Reifen soll er

weniger Bodendruck verursachen als ein Standardmähdrescher und im

Vergleich zu einem 200-PS-Schlepper mit 27-t-Überladewagen noch viel

besser dastehen.

Dillons Philosophie ist, dass mit dem Tribine nur noch am Ende des

Feldes der Mähdrescher im Stand entladen wird. In einem guten

Maisbestand soll der Drescher mit einem zwölf­reihigen Maispflücker über

eine Meile (etwa 1,6 km) fahren können, ohne abzubunkern. In

Kombination mit der schnellen Entladung verzichtet Dillon damit auf

einen extra Überladewagen und will so Kraftstoff und eine zusätzliche

Arbeitskraft einsparen. Eine geringere Bodenverdichtungsgefahr soll ein

weiterer Vorteil der Kombinationsmaschine sein. Erstens fährt ein

Gespann weniger auf dem Acker, und zweitens soll die Vorder­achse, die

nach Untersuchungen der Ohio-State-Universität den größten Bodendruck

verursacht, beim Tribine durch den Wegfall des Korntanks über der Achse

eine geringere Achslast haben als ein Standardmähdrescher der gleichen

Leistung. Dass die Maschine grundsätzlich funktioniert, hat Dillon Mitte

Dezember auf seiner Farm gezeigt. Es sind jedoch weitere Verbesserungen

notwendig, besonders im Bereich der Strohverteilung. Weitere Tests

sollen im Sommer folgen. Außerdem sucht der Farmer einen Partner, der

die Maschine produziert.     

 

Kabinenloser Geist ohne Getriebe


Spirit, auf deutsch Geist, heißt der führerlose Traktor von Terry

Anderson aus North Dakota, von dem er mit seiner Firma Autonome Tractor

Corporation (ATC) dieses Jahr 25 Stück produzieren will. Wie ein Geist

sieht der Schlepper mit 400 PS (300 kW) Leistung eigentlich nicht aus,

sondern eher wie ein Klotz mit Ketten. Nicht nur im Aussehen

unterscheidet er sich von einem normalen Traktor.  Unnötigen

Schnickschnack hat Anderson bei der über zehnjährigen Entwicklung seines

„Geistes“ einfach weggelassen, es gibt keine Kabine, kein Getriebe,

kein Differenzial und keine Achsen. Das soll zusammen mit dem

diesel-elektrischem Antrieb die Kosten niedrig halten, denn diese

Kombination soll einen bis zu 25 % niedrigeren Kraftstoffverbrauch

gegenüber reinem Dieselantrieb haben. Den Aufwand bei Reparaturen in

Grenzen halten soll ebenfalls ein modulartiger Aufbau. Zwei Motoren mit

jeweils 200 PS treiben zwei 150-kW-Generatoren an, die den Strom liefern

für die vier ölgekühlten Elektromotoren der Antriebsräder. Fällt ein

Motor oder Generator aus, bleibt der „Geist“ nicht liegen, sondern kann

mit dem zweiten Antriebsaggregat noch zur Werkstatt fahren. Durch den

einfachen Aufbau der Maschine sollen die Module (Motor, Generator etc.)

in höchstens zwei Stunden schnell getauscht sein. Das kann nach

Firmenangaben der Landwirt auch selbst machen. Weitere kundenfreundliche

Merkmale sollen eine Lebensdauer von 25.000 h und ein Serviceintervall

von 500 h sein. Sind die Zugkraftanforderungen nicht so hoch, kann

bewusst ein Motor ausgeschaltet werden, um Kraftstoff zu sparen. Fast

2.000 l Inhalt hat der Dieseltank, das soll für fast 36 h reichen.

Zusätzlich gibt es einen Ballasttank, der mit etwa 2 300 l Wasser

gefüllt werden kann. Das Gesamtgewicht von 13,6 t wird durch zwei 63 cm

breite Bandlaufwerke auf dem Boden abgestützt. Von den Maßen her könnte

der Spirit sogar auf europäischen Straßen unterwegs sein, er ist 2,06 m

breit, 3,9 m lang und 2,43 m hoch. Die Zugmaschine ist mit einer

einfachen Zugvorrichtung ausgerüstet, kann aber auch mit einer

Dreipunkthydraulik und bis zu zwölf Hydraulikanschlüssen ausgestattet

werden. 

Die Navigation im Gelände erfolgt nicht durch GPS-Signale, sondern durch

ein eigenes laserbasiertes APS-System, das bis auf weniger als drei

Zentimeter genau sein soll. Die GPS-Signale über Satelliten sind

Anderson zu unsicher. Das APS-System kommt aus dem Militärbereich und

arbeitet mit Laser- und Funkstationen am Feldrand. Es gibt zwei

Möglichkeiten, den Spirit auf dem Acker zu steuern:

Bis zu 16 Spirit-Zugmaschinen werden entweder von einer Basisstation,

die bis zu 40 km entfernt sein kann, ferngesteuert oder über eine mobile

Steuereinheit vom Feldrand geführt.

Im halbautomatischen Modus folgen einer oder mehrere fahrerlose

Traktoren seitlich versetzt wie bei einer elektronischen Deichsel einem

Standardschlepper mit Fahrer. Mit diesem Follow-Modus wird der Spirit

zum Beispiel mit einem Schlepper, Auto oder Pick-up auch vom Hof zum

Acker geführt. Einen exakten Preis hat Anderson für den Spirit noch

nicht, aber sein Ziel ist, unter 500 €/PS zu bleiben.  


Autonomer Überladewagen


Dass der Mähdrescherfahrer ein Schlepper-Überladewagen-Gespann zum

genauen Abbunkern steuern kann, darüber wurde schon berichtet. Das

amerikanische Unternehmen Kinze geht zusammen mit Jaybridge Robotics

noch einen Schritt weiter und präsentierte im September auf

verschiedenen Farmen in Illinois einen führerlosen Standardschlepper von

John Deere mit Überladewagen, ausgestattet mit GPS-Navigations- und

-Lenksystem, Radar, verschiedenen Kameras und Sensoren. Der Fahrer des

Mähdreschers steuert das Gespann mit einem normalen Tablet-Computer. Es

gibt vier verschiedene Modi:

Follow: Das fahrerlose Gespann folgt dem Mähdrescher in einem sicheren Abstand.

Unload: Wenn der Mähdreschertank voll ist und abgebunkert werden

kann, drückt der Fahrer den Button „Unload“. ­Daraufhin beschleunigt das

autonome Überladewagensystem, bis es optimal zum Überladen neben dem

Mähdrescher positioniert ist. Während der Parallelfahrt kann der

Überladewagen vom Mähdrescherfahrer gefüllt werden. Anschließend kann

der Mähdrescherfahrer entweder „Follow“ oder „Park“ anweisen.

Park: Nach dem Überladen fährt das Gespann an einen vorher

bestimmten Ort, am besten am Vorgewende. Dort kann das Getreide

anschließend auf einen Lkw überladen werden.

Idle: In diesem Modus hält das Überladewagengespann genau an dem

Ort, wo es sich gerade befindet, fährt herunter und wartet auf weitere

Befehle.

Das Befüllen des Lkws kann durch den Lkw-Fahrer erfolgen. Dazu klappt er

die Stufen zur Kabine des Schleppers herunter. Dadurch schaltet der

Traktor vom Automatikmodus in manuellen Betrieb. Um zurück in den

Automatikmodus zu gelangen, müssen nur die Stufen wieder hochgeklappt

werden.

 

 


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