Hochbeinig gegen den Zünsler

24.08.2017

© Sabine Rübensaat

Daniel Schwermer demonstriert stolz die 2 m Bodenfreiheit der neuen Condor-Selbstfahrspritze von Agrifac.

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Ruhig steuert Fahrer Hartmut Paul den großen Selbstfahrer durch die Maisreihen. „Hier hilft auch keine RTK-Lenkung mit 3 cm Genauigkeit, ich muss die Zwischenräume zwischen den vom Landwirt gelegten Maisreihen sehen und mit den schmalen Pflegerädern ansteuern.“ Das ist für den erfahrenen Angestellten der Raiffeisen Handels- und Dienstleistungsgenossenschaft Oder/Spree eG mit Sitz in Beeskow kein Problem. Er hat heute den Auftrag, auf mehreren Schlägen der Agrargenossenschaft Friedland dem Maiszünsler zu Leibe zu rücken. „Der Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) hat für unsere Region eine Zünslerwarnung herausgegeben“, erklärt Daniel Schwermer. Der junge Mann ist Disponent für den Bereich Agrar in der Raiffeisen-Genossenschaft. „Deshalb haben wir von der Agrargenossenschaft den Auftrag zu dieser Maßnahme erhalten.“

 

Dienstleister in der Region

Die Raiffeisen-Genossenschaft betreibt im östlichen Teil von Brandenburg acht Baumärkte sowie am Hauptsitz in Beeskow eine Pkw- und Lkw-Werkstatt samt Waschanlage. Mit 80 Mitarbeitern ist sie ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

Als Lohnunternehmen mit acht Beschäftigten ist der Bereich Agrar der Genossenschaft darauf spezialisiert, Arbeiten wie Futterernte, Mähen, Schwaden, Häckseln, Düngen sowie integrierten Pflanzenschutz durchzuführen. Außerdem werden Pflanzenschutzmittel und Dünger gehandelt.

Für die landwirtschaftlichen Dienstleistungen hat die Raiffeisen-Genossenschaft Beeskow folgende Technik:

• eine selbstfahrende Spritze Condor Clearance Plus von Agrifac,
• zwei gezogene Pflanzenschutzspritzen von Berthoud,
• zwei Häcksler (John Deere und Claas),
• eine Mähwerkskombination von Krone mit 8,7 m Arbeitsbreite,
• einen Großflächenstreuer aus Güstrow,
• vier Traktoren (Claas und John Deere) und
• einen Lkw W50. Mit dem Lkw und den Traktoren erledigt die Raiffeisen-Genossenschaft Winterdienstaufgaben.

Den Auftraggeber in persona treffen wir auf einem Roggenschlag südlich von Beeskow. René Schulze ist Produktionsleiter der Agrargenossenschaft Friedland. Er begleitet den neuen Auszubildenden bei dessen erstem Einsatz mit dem Mähdrescher. Während unseres Gespräches schaut er immer wieder prüfend nach dem Drescher, der seine Runden zieht und auch ordentlich abtankt „Der viele Regen Ende Juni kam für das Getreide zu spät, hat ihm eher geschadet. Aber für den Mais kam er genau richtig. Er ist in den letzten drei Wochen prächtig gewachsen, leider haben wir nun Zünslerbefall, dem begegnet werden muss.“Auf den kargen Böden der Region mit durchschnittlich 22 Bodenpunkten und 550 mm Jahresniederschlag bewirtschaftet die Agrargenossenschaft Friedland rund 900 ha und 30 ha Grünland. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schläge für ostdeutsche Verhältnisse mit durchschnittlich 12 ha nicht besonders groß sind. Außerdem werden 700 Jungrinder aufgezogen. Etwa die Hälfte der 300 ha Mais lässt René Schulze jetzt mit dem Wirkstoff Delta-Methrin gegen den Maiszünsler spritzen.

 

 

Langjährige Geschäftsbeziehung

Die Agrargenossenschaft lässt alle Pflanzenschutzmaßnahmen, Häckselarbeiten sowie Kalkstreuen von der Dienstleistungsabteilung der Raiffeisen-Genossenschaft erledigen. „Das haben schon unsere Vorgänger so begonnen, und es gibt keinen Grund, dass wir es ändern“, so der junge Produktionsleiter. „Mit der hochbeinigen Condor-Spritze der Dienstleister haben wir nun auch die Möglichkeit, unseren Mais ohne Schaden zu behandeln, wenn er schon über 2 m hoch ist.“ Daniel Schwermer hat weitere Daten der modernen Spritze parat: „Die Bodenfreiheit der Condor ClearancePlus kann stufenlos von 130 cm bis zu 200 cm eingestellt werden. Das kompensiert Unebenheit und ermöglicht immer eine gleichmäßige Verteilung des Gewichts auf alle vier Räder, was auch von Vorteil für die Stabilität des Spritzgestänges ist. Außerdem kann die Spurweite stufenlos von 1,9 m auf 2,25 m, oder mit anderen Rädern von 2,65 m auf 3,0 m, verstellt werden. Der Tank fasst 5 000 l. Wichtig für uns als Dienstleister ist die Variabilität bei den Arbeitsbreiten. Wir können bei Kunden mit 18, 24 oder 30 m Fahrgassenabstand arbeiten“, sagt Daniel Schwermer zufrieden. „Bei der Inbetriebnahme und bei Problemen haben wir schnelle und gute Unterstützung vom regionalen Händler NewTec Ost und vom regionalen Agrifac-Verkaufsberater Holger Lehmann.“

 

Management digital per Tablet

Mit der Helm-Schlagkartei und dem dazu erhältlichen Pflanzenschutzassistent managt Daniel Schwermer die Aufträge der Kunden. Von seinem Rechner oder Tablet gehen sie an die Tablets der Fahrer in den Maschinen. Und nach der Arbeit hat er eine sichere digitale Dokumentation. „Leider können die Kunden diese Daten nur selten in ihre anderen Farmmanagementprogramme übernehmen. Es gibt auf diesem Gebiet ja keine Standardisierung. Ich selbst habe lange recherchiert, mit welchem Programm wir unsere analoge Auftragsverwaltung und Dokumentation ersetzen. Über drei Jahre habe ich mir verschiedene Managementprogramme angesehen, ehe wir uns für das von Helm entschieden haben.“

Neu hat Daniel Schwermer eine Farmbird Agrardrohne angeschafft. „Aus der Luft lassen sich Problemzonen, Schäden und Mängel besser oder früher erkennen.“ Die Schlagkontrolle mit den Luftbildern der Drohne unterstützt die Beratung der Kunden, und genau wie mit der hochbeinigen Spritze können so auch neue Kunden gewonnen werden. Nach 4 000 ha Einsatzfläche der Condor im letzten Jahr sollen es dieses Jahr bis zu 7 000 ha werden. Der Einsatz in hohen Beständen, also in der Rapsblüte und gegen den Maiszünsler, spielt dabei eine große Rolle.

Auch in der Kabine der Condor arbeitet Fahrer Hartmut Paul mit moderner Technik. Zwei große Touchscreen-Monitore sind das Zentrum des Bedienkonzepts. Behandelte Flächen sind deutlich erkennbar, einschließlich der Arbeit der GPS-gesteuerten automatischen Teilbreitenschaltung alle 2,5 m. Was im Mais nicht funktioniert, ist die Höhenanpassung des Gestänges. „Der gut entwickelte Mais hat oben keine dicht geschlossene und einheitlich hohe Bestandskante, sodass die Automatik ständig nachregelt. So mache ich das ab und an per Hand, und dann liegt das Gestänge auch ruhig“, erklärt der routinierte Fahrer. Bei normalen Bedingungen spritzt er am Tag rund 100 ha Mais mit 330 l/ha. Außerdem fährt Hartmut Paul Häcksler oder Traktor – beispielsweise mit einer der gezogenen Spritzen, ist beim Winterdienst eingesetzt oder arbeitet in der Werkstatt.

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