„Gummistiefel und gute Laune sind wichtig“

06.06.2014

© Erik Pilgermann

Jung, doch keinesfalls unerfahren: Julia Schmidt, Siv Ahlers und Andreas Steul sind drei der Menschen hinter den DLG-Feldtagen.

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Eine Veranstaltung wie die DLG-Feldtage im Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum (IPZ) ist ein Besuchermagnet, national und international. Doch auch die Aussteller kommen aus allen Himmelsrichtungen nach Bernburg. Als Besucher denkt man an frisch gemähten Rasen, bunte Parzellen und flatternde Fahnen. Bis es soweit ist, fällt aber jede Menge Arbeit an. Aber wer erledigt sie? Wer sind die Menschen hinter den Kulissen? Siv Ahlers, Julia Schmidt und Andreas Steul sind drei, die alles für erfolgreiche DLG-Feldtage 2014 geben.

Wann hat eigentlich die Planung für die Feldtage begonnen? Gibt es da einen Stichtag oder ist es eher ein fließender Übergang zwischen vorhergehenden und den kommenden Feldtagen? Gibt es einen Geburtstag für ein Projekt wie die DLG-Feldtage?

Andreas Steul: Das ist ein fließender Prozess. Wir sind jetzt bereits mit der Konzeption der Feldtage 2016 beschäftigt. Wir haben ja alle zwei Jahre die Veranstaltung, ursprünglich wechselnd im Bundesgebiet. Als im Jahr 2010 das Internationale Pflanzenbauzentrum durch die DLG gegründet wurde, war klar, dass die DLG-Feldtage 2012 und 2014 an diesem Standort stattfinden. Die Versuchsfeldarbeiten beginnen ein Jahr vor der Veranstaltung. Anfang/Mitte August nach der Ernte der Vorfrucht messen wir die Versuchsparzellen aus und dann geht’s auch gleich los mit der Rapsaussaat. Anfang August erfolgt eine offizielle Feldübergabe, das heißt, die Versuchsflächen werden den Ausstellern übergeben. Anschließend starten die Herbstarbeiten, sprich Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenschutz und so weiter.

Kann man den Prozess in eine kalte und eine heiße Phase unterteilen? Wann fangen die schlaflosen Nächte an oder gibt’s die nicht?

Siv Ahlers: Uns hat es sehr geholfen, dass wir in diesem Jahr nicht so einen harten Winter hatten. Dadurch konnten wir die Arbeiten relativ zeitig ausführen und mussten nicht alles unter Druck in sehr kurzer Zeit erledigen. Aber die heiße Phase kriegen wir so langsam, obwohl es sich alles aufgrund der Witterung gut gestreckt hat in diesem Jahr.

Wenn die heiße Phase jetzt beginnt, endet sie dann am Eröffnungstag oder erst nach den Feldtagen? Wann können Sie zum ersten Mal durchatmen?

Steul: Das empfindet wohl jeder unterschiedlich. Siv Ahlers als Versuchsfeldleiterin erlebt die erste heiße Phase bereits während der Herbstaussaat der Versuchsparzellen. Dann wird es wieder etwas ruhiger über Winter und steigt im Frühjahr in Richtung der Feldtage stark an. Man könnte sagen, dass es jetzt richtig rund geht. Die pflanzenbaulichen Aufgaben treten immer mehr in den Hintergrund und die Sonderaufgaben fangen an. Dieses Jahr verlegen wir eine Wasserleitung, die Stromversorgung muss gewährleistet werden, Internetanbindung an den Ständen, Telefonkabel …

Ahlers: Tja, da bin ich ja mal gespannt, was mich noch alles so erwartet …
Steul: Das sind meine Erfahrungen aus der Vergangenheit. Wir müssen ja eine komplette Ausstellungsinfrastruktur auf dem Acker aufbauen – bis hin zur Anlage von Parkplätzen und der Verkehrsplanung. In der DLG-Zentrale in Frankfurt ist die heiße Phase eher, wenn wir mit den Ausstellern planen. Das machen aber nicht nur wir drei, sondern viele Kollegen, die an dem Projekt mitarbeiten. Von der Planung der Stände und Zelte über die Besucherkommunikation und Sicherheit bis hin zur Gastronomie und der Abstimmung mit den Behörden vor Ort.

Also bringen Sie alles mit zu den Feldtagen. Bezogen nur auf diese Veranstaltung, können Sie sagen, wie viele Menschen an dem Projekt mitwirken?

Steul: Wir arbeiten sehr viel mit Dienstleistern. Beispielsweise einem Sicherheitsdienst, der zum zehnten Mal die Feldtage betreut. Auch beim Strom haben wir feste Partner. Schließlich brummen da sechzehn Generatoren mit über dreitausen Kilowatt Leistung, wenn die Veranstaltung läuft. Allein das Stromnetz besteht aus etwa achtzehn Kilometern Kabel. Es ist wichtig, dass unsere Partner die Feldtage kennen. Wenn wir jedes Mal wieder von vorn anfangen müssten, wäre das eher schwierig. Im Kernteam des Projekts sind wir um die zwanzig Leute.

Das Veranstaltungsgelände besteht im Wesentlichen ja aus drei verschiedenen Komplexen. Da gibt es das Versuchsfeld, den Campus Gras/Zelt und die Maschinenvorführungen. Wissen Sie eigentlich, wie viele Parzellen auf dem Gelände angelegt wurden?

Ahlers:
Die Zahl lässt sich schwer ermitteln, je nach Zweck sind die Parzellen unterschiedlich groß. Bodenbearbeitungsversuche benötigen eher viel Platz, Pflanzendemos eher weniger. Grob überschlagen umfassen die DLG-Feldtage sicherlich mehr als zweitausend Kleinparzellen.

Julia Schmidt:
Eine andere interessante Zahl habe ich noch: Auf dem Veranstaltungsgelände stehen mehr als vierhundert Fahnenmasten. Das allein ist schon eine beachtliche Aufgabe für die Logistik und denjenigen, der die Masten aufstellt.

Wie entsteht das Veranstaltungsgelände eigentlich? Darf jeder Aussteller auf seiner Fläche machen, was er will? Wird Parzelle für Parzelle erstellt? Oder haben Sie ein Gesamtkonzept im Kopf? Gehören Landschaftsgestalter zum Team?

Steul: Im Versuchsfeld präsentieren sich 117 Aussteller. Ab der Feldübergabe im August geht die Verantwortung für  die einzelnen „Claims“ an den Aussteller. Die kleinste Fläche ist fünfhundert Quadratmeter groß. Der Aussteller muss sich darum kümmern, dass dort alles Nötige passiert. In etwa achtzig Prozent der Fälle beauftragen die Aussteller die DLG mit der Anlage und Pflege der Versuche.

Ahlers: Wir sind also Dienstleister für die Aussteller und machen von der Bodenbear­beitung über die Düngung bis zur Aussaat und dem Pflanzenschutz – komplett oder in Teilarbeiten. Je nachdem, wie die einzelnen Aussteller das haben möchten. Wir, das sind meine drei Versuchstechnikerkollegen und ich als Versuchsfeldleiterin im IPZ in Bernburg. Die Standpläne selber kommen von den ausstellenden Firmen, meist aus den Marketingabteilungen.

Wie gut sind diese Pläne in der Praxis umzusetzen?


Ahlers: Es gibt wenige Pläne, die technisch einfach nicht machbar sind. In der Theorie sieht es sehr toll aus, aber mit unserer Parzellendrillmaschine ist es eben nicht umsetzbar. Doch das lässt sich meist in der Diskussion bei dem Aussteller klären.

Steul: Da sind wir alle zusammen richtig kreativ und fast schon eine kleine Feldtagefamilie. Viele Verantwortliche in den Firmen sind mehr als zwanzig Jahre an den DLG-Feldtagen aktiv und haben daher reichlich Erfahrung. Die sind mit dem Herzen dabei und geben uns gelegentlich Tipps. Die Aussteller helfen sich auch gegenseitig viel. Und falls der Plan mal nicht aufgeht, wird halt an einem Ende etwas verkürzt und am anderen Ende verlängert. Es kann immer was Unvorhergesehenes passieren. In diesem Jahr hatten wir Probleme mit dem Getreidelaufkäfer, in anderen Jahren sind es die Mäuse oder Schnecken, die uns dazu zwingen, die Pläne anzupassen.

Wenn man in diese Runde blickt, stellt man fest, dass in der Organisation der DLG-Feldtage die Frauenquote deutlich erfüllt ist?

Schmidt: Ja, zwei zu eins ist nicht schlecht, oder? Aber darum geht es nicht. Es zählen Motivation und Qualifikation.

Was auffällt, ist das recht junge Alter aller Verantwortlichen bei einer so wichtigen Veranstaltung, wie den DLG-Feldtagen …

Steul: Das ist tatsächlich ein Novum. Wir hatten zwischen den vergangenen und aktuellen Feldtagen einen starken Generationswechsel im Projektteam. Mein Vorgänger in der Projektleitung, Dr. Werner Mutz, ist 2013 in Ruhestand gegangen. Er hat die ersten DLG-Feldtage 1988 quasi „erfunden“. Es war Werner Mutz’ Lebenswerk, die DLG-Feldtage zu dem zu machen, was sie heute sind. Und wir führen diese Entwicklung in seinem Sinne fort.

Die Arbeiten teilen sich in die Konzeption, Planung und Koordination in Frankfurt und Umsetzung hier vor Ort in Bernburg. Wie schwierig ist es, gerade in den „heißen Phasen“ des Projektes die gemeinsamen Arbeiten untereinander und zwischen Frankfurt und Bernburg abzustimmen?

Ahlers: Wenn es mal hektisch wird, dann eher hier in Bernburg.

Steul: Das kann ich nur bestätigen. Da spielt vor allem das Wetter eine große Rolle, da geht es uns wie den Landwirten.

Schmidt: Dadurch, dass Andreas Steul ja sehr oft in Bernburg und Frankfurt ist, sichert er eine gute Querverbindung. Er ist quasi die Brücke zwischen dem operativen Geschäft auf dem Versuchsfeld und dem „Feldtage-Backoffice“ in Frankfurt. Wahnsinnig wichtig ist einfach die Kommunikation untereinander! Die hält das Projekt zusammen. Aber das klappt sehr gut bei uns.

Was würden Sie den Besuchern für die DLG-Feldtage 2014 mit auf den Weg geben? Wie lautet Ihr Motto?

Steul: Ich finde es wichtig, dass wir nah an der praktischen Landwirtschaft bleiben. Wir bieten eine Freilandveranstaltung, die auf dem Acker stattfindet. Der Großteil der Besucher sind Ackerbauern, die ihre Flächen kennen und wissen, dass es mal regnen kann. Man muss eben mit even­tuellen Widrigkeiten umgehen können. Wir haben in diesem Jahr kräftig in die ­Infrastruktur des DLG-Pflanzenbauzentrums und der DLG-Feldtage investiert. Es wurden mehr als dreieinhalb Kilometer Wege ausgebaut, eine rund dreitausend Meter lange Wasserleitung verlegt und auf dem Gegelände arbeiten wir mit einem Baustraßensystem. Dabei wurden wir tatkräftig durch die Stadt Bernburg und das Land Sachsen-Anhalt unterstützt. Ganz ausschließen können wir das Wetterrisiko allerdings nicht. Das ist das besondere an den Feldtagen und macht deren einzig­artigen Charme aus.

Das Gespräch führte

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