Für heute und morgen

05.02.2015

© Werkbild

Ohne Querholm kommt die Kabine des Arion 400 aus und verbessert dadurch die Sicht des Fahrers.

... sind die prämierten Maschinen und Systeme entwickelt worden, die auf der Agrarmesse Sima zu sehen sein werden. Und auch wenn noch nicht alle sofort einsatzbereit sind, zeigen sie jedoch die Trends in der Agrartechnik auf.

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Zu jeder großen Agrarmesse präsentieren die Landtechnikhersteller interessante Innovationen. Schon im Vorfeld der Landwirtschaftsmesse Sima vom 22. bis 26. Februar in Paris wurden die prämierten landtechnischen Neuheiten vorgestellt. Es wurden zwei Goldmedaillen, drei Silbermedaillen und 18 „Lobende Erwähnungen“ vergeben. Die meisten davon werden nachfolgend kurz beschrieben.

Freie Sicht und exakte Saat sind goldwert

Die Panoramakabine des neuen Traktors Arion 400 von Claas bietet durch das Weglassen des oberen Querträgers eine freie 90°-Sicht auf den Frontlader. Vom Boden bis zum Dach bietet die große Windschutzscheibe mit 2,41 m2 optimale Sicht vom Fahrersitz aus. Hals- und Lendenwirbel belastende Bewegungen des Fahrers werden dadurch vermieden.

Bei der Einzelkornsämaschine Exactemerge von John Deere wurde das Fallrohr durch einen Bürstenelevator ersetzt. Das als Bürste ausgelegte umlaufende Band nimmt die Körner vorsichtig vom Vereinzeler auf und legt sie auch unter erschwerten Bodenverhältnissen mit Fahrgeschwindigkeit ohne Verspringen oder Verrollen auf der Sohle der Furche ab. Die am Dosierer festgelegten Abstände werden genau eingehalten, auch bei hohen Fahrgeschwindigkeiten bis zu 20 km/h. Der Elektroantrieb der Säaggregate ermöglicht ihre manuelle oder automatische Einzelabschaltung (Ränder, Ecken).

Außerdem ist es möglich, die Saatdichte manuell oder automatisch zu variieren (entsprechend einer voreingestellten Karte). Das System ermöglichtauch unterschiedliche Kornabstände von Reihe zu Reihe.

Ein an jedem Säaggregat angebrachter Körnerzähler erfasst die wesentlichen Parameter Abstand in der Reihe (Reihe für Reihe), momentane Saatdichte und Saatfläche, dargestellt auf der Konsole SeedStar. Die Saatparameter können in Echtzeit über Wireless Data Transfer übermittelt und auf dem Portal MyJohnDeere.com gespeichert werden. Der Anwender erhält so eine sehr präzise Karte der Aussaatqualität (Kartierung der Fehlstellen und Doppelbelegungen, Arbeitsgeschwindigkeit, Ablagedruck usw.).

Silber für Sicherheit und Komfort

Das System B-safe von Berthoud macht das Einspülen von flüssigen Pflanzenschutzmitteln in die Pflanzenschutzspritze sicherer. Der Vorgang erfolgt ohne Kontakt mit der Bedienperson und der Umgebung. Das System kann an neuen und gebrauchten Pflanzenschutzgeräten installiert werden. Es zeichnet sich durch eine einfache Inbetriebnahme aus und ist zu der Mehrzahl der auf dem Markt erhältlichen Spritzmittelkanister kompatibel. Das System erfordert eine manuelle Inbetriebnahme. Es besteht aus vier einzelnen Komponenten: Einstellgriff, Spülstrahler, Venturirohr und zwei Schnellkupplungen. B-safe kann an alle Geräte angeschlossen werden, die über eine Einspül-schleuse verfügen. Das System vermeidet folgende Gefahren:

• verschmutzter Deckel des Kanisters,
• umkippen des Kanisters,
• einatmen des Spritzmittels nach dem Öffnen,
• Spritzer des Mittels auf der Bedienperson und rund um den Fülltrichter,
• Spritzer beim Spülen des Kanisters.

Das AutoConnect-System von John Deere ermöglicht die vollautomatische Anhängung von Geräten an einen Traktor, ohne dass der Fahrer dazu seinen Sitz verlassen oder in Lenkung, Fahrpedal bzw. Fahrhebel und Bremse eingreifen muss. Beim Verbinden von Gerät und Traktor stellt AutoConnect über drei Softwaremodule (AutoBackup, AutoConnect und AutoSetup) die volle Funktionsfähigkeit von Anhängekupplung, Zapfwelle, hydraulischen Steuerventilen, der Elektrik und der ISOBUS-Anbindung her.

Das System besteht traktorseitig aus einem teleskopischen Hebehaken mit einer Kugel und einer Platte mit den verschiedenen Steckbuchsen. An der Rückseite der Kabine befinden sich zwei Kameras. Eine schräg gestellte Platte mit schwarz-weißen Karos dient der Kamera als Ziel. Ist der Traktor weniger als zehn Meter vom Gerät entfernt, startet der Fahrer den Kupplungsvorgang vom Green-Star Display aus. Sobald der Arm angekuppelt und angehoben ist, zieht sich der Teleskoparm zurück, dadurch werden die Zapfwelle und die verschiedenen Stecker angeschlossen und verriegelt.

Zwei in Reihe geschaltete Presskammern der Nonstop-Festkammer-Presswickelkombination Vicon FastBale von Kverneland ermöglichen die gleichzeitige Nutzung bestimmter Presswalzen. Die erste Presskammer arbeitet als Vorkammer, diese formt und verdichtet zwei Drittel des Rundballens. Wenn der eingestellte Pressdruck in der Vorkammer erreicht ist, wird der Erntegutfluss in die Hauptpresskammer umgeleitet, ohne dass der Pressvorgang unterbrochen werden muss. Anschließend wird die Vorkammer geöffnet, und der vorgeformte und vorverdichtete Ballen wird in die Hauptkammer übergeben, um dort den Pressvorgang bis zu einem maximalen Durchmesser von 1,25 m zu beenden. Sobald der Pressvorgang in der Hauptkammer abgeschlossen ist, wird der Erntegutstrom ohne Unterbrechung wieder in die Vorkammer geleitet. Während in der Vorkammer der nächste Ballen gepresst wird, startet die Netzbindung in der Hauptkammer. Nachdem der Ballen mit Netz umwickelt ist, öffnet die Heckklappe, und der Ballen wird auf den Wickeltisch übergeben. Der komplette Vorgang verläuft kontinuierlich ohne Stillstandszeiten.

Nach der Ballenaufnahme wird der Wickelrahmen angehoben und der vertikal arbeitende Doppelsatellitenwickler startet mit dem Wickelvorgang. Mit der Vicon FastBale werden nach Ansicht der Jury die Produktivität und der Komfort gesteigert. Der Energieverbrauch und der Verschleiß sind geringer. Die Maschine biete eine breit gefächerte Einsatzmöglichkeit, denn sie kann für alle Produkte, ob feucht oder trocken, eingesetzt werden, sowohl im kombinierten Press-Wickelmodus als auch im einfachen Pressmodus.

Lobende Erwähnungen

Nachfolgend wird eine Auswahl an Neuheiten mit lobender Erwähnung vorgestellt. Die Auszeichnung entspricht etwa einer Bronzemedaille bei der Agritechnica.

Das Interface Homme Machine VTH von Agrotronix ist ein Head-up-Display für die Windschutzscheibe des Traktors. Ein integrierter Rechner mit Pico-Projektor zeigt die vom Fahrer abgefragten Informationen auf der Windschutzscheibe des Traktors an. Diese Informationen werden über das CAN-Netzwerk übermittelt. Außerdem können Bild-in-Bild-Videos eingeblendet werden, die von ein oder zwei an der Maschine oder am Traktor angebrachten Kameras kommen. Das System erhöht den Komfort, da der Fahrer nach vorne sieht und gleichzeitig alle für ihn wichtigen Informationen im Blick hat.

Beim Hackroboter Anatis von Carre handelt es sich laut Jury um eine kombinierte Lösung für die Pflege der Anbaukulturen, welche die Bodenbearbeitung und die Verarbeitung von Indikatoren für eine nachhaltige Landwirtschaft in sich vereint. Der prozessgekoppelte Agrarroboter pflegt selbsttätig die Anbauflächen. Er führt eine mechanische Unkrautbekämpfung durch und ermöglicht dadurch ein besseres Eindringen von Wasser in den Boden. Gleichzeitig analysiert der Hackroboter den Boden sowie die Entwicklung der Pflanzen und bietet durch einen Parzellenbericht Entscheidungshilfe. Das Vorhandensein von Unkräutern, die Bestandesdichte, Wachstumsstadium, Helligkeit, Luftfeuchtigkeit und Wassergehalt des Bodens werden erfasst. Das Ziel ist der Aufbau eines kooperativen Prozesses zwischen Mensch und Maschine zur Verarbeitung der Daten und zur leichteren Entscheidungsfindung. Der Roboter orientiert sich mittels GPS-System, Kamera und Laser. Der Antrieb erfolgt durch einen Elektromotor.

Der 3D-Detektor O3M von IFM Electronic kann vorne oder hinten am Fahrzeug angebracht werden. Er bestimmt die relative Position, Größe, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit von etwa 20 Objekten in seinem Bildfeldwinkel (70° x 25°). Das „Laufzeit-Prinzip“ mit der patentierten PMD-Technologie (Photonic Mixer Device) bietet eine hohe Erfassungsreichweite von über 35 m. Durch die LED-Zusatzbeleuchtung kann der Detektor bei Tag und bei Nacht und sogar bei hoher Sonneneinstrahlung und mit reflektierenden Materialien verwendet werden. Ein Vertrauensindikator auf jedem Pixel garantiert die Zuverlässigkeit der übermittelten Daten. Zudem bietet der Detektor Selbstdiagnosefunktionen (Verschmutzungsgrad, Temperatur, Überwachung des Beleuchtungssystems usw.), die an den Kontrolleur übermittelt werden. Der 3D-Detektor ist mit einem Temperaturbereich von -40 bis +85 °C und einer hohen Widerstandsfähigkeit gegen Stöße und Vibrationen (IP69K) für extreme Umgebungsbedingungen geeignet.

Battery Boost von John Deere ist ein Batteriewechselkonzept für Traktoren. Lithium-Ionen-Wechselbatterien werden anstelle eines Frontgewichts an einen teilelektrischen Traktor (z. B. John Deere 6RE) angekoppelt und können dem Traktor sowie dem Arbeitsgerät über 100 kW Extraleistung elektrisch zur Verfügung stellen. Durch Kupplung an den Traktor verwandelt er diesen in einen Hybridtraktor mit Wechselakkus. Die elektrische Verbindung erfolgt über die standardisierte Traktor-Geräte-Schnittstelle der Agricultural Industry Electronics Foundation (AEF). Der Leistungsfluss zwischen Batterie, Traktor und Arbeitsgerät wird über eine Grafikoberfläche in der Kabine sichtbar gemacht und kann manuell oder automatisch gesteuert werden.

Nach Angaben von John Deere liegen die Hauptvorteile des Systems in Kraftstoffeinsparungen bei gleichzeitiger Leistungserhöhung, der Einfachheit des Ankoppelns und darin, dass auf dem Betrieb nachhaltig erzeugte Energie genutzt werden kann. In Zeiten, in denen das Trägerfahrzeug nicht in Betrieb ist, kann die Batterie durch eine neuartige bi-direktionale Ladeund Entlademöglichkeit am Netz betrieben werden und so zur Pufferung der Energieerzeugungsanlagen auf dem Bauernhof (also zur Stabilisierung seines Netzes) eingesetzt werden.

Das NFTrax-Rad von Lindsay für Kreis- und Linearberegnungsmaschinen vereint die Vorteile eines pannensicheren Metallrads und eines Reifens, der sich an Bodenunebenheiten anpasst. Durch weniger Wartung, Nebenzeiten und Beregnungsunterbrechungen ermöglicht dieses Rad Zeit- und Kosteneinsparungen. Es besteht aus einer Felge, einer speziell auf Beregnungsanlagen abgestimmte Lauffläche und einem System zur Befestigung dieser Komponenten. Die Lauffläche mit Stahlkabelkern und UV-beständigem, vulkanisiertem Kautschuk sowie die Befestigung an der Felgenaußenseite bieten die Vorteile eines „Reifens ohne Luft“. Die Lauffläche maximiert durch ihren speziellen Aufbau und die gezielte Biegung die Zugkapazität und minimiert das Schleuderrisiko und die Schädigung des Untergrunds (Spurrinnen) durch wiederholtes Befahren. Zudem verringert das Fehlen einer Seitenwand wie bei Reifen, dass Erde in die Radspuren geschoben wird.

TSS – Transversal-Stability-System von Merlo ist ein Prüfsystem für die seitliche und rückseitige Stabilität von Teleskopladern. Dazu erfasst das System 100 Mal pro Sekunde alle wichtigen Stabilitätsparameter der Maschine wie die Belastung jedes Rads, die Position des Teleskoparms, die Teleskopierung sowie Neigung des Fahrwerks und erkennt das am Teleskoparm befestigte Zubehör. Die elektronische Steuerung analysiert kontinuierlich die Daten aller Bordsensoren und informiert den Fahrer auf einem Kabinendisplay über die Maschinenstabilität in allen Richtungen. Es werden Vorgänge blockiert, die die Stabilität der Maschine beeinträchtigen könnten.

InsightME wurde speziell zum Betrieb mit mobilen Geräten entwickelt. Die App kann Informationen, die direkt von der Maschine übermittelt werden, darstellen, ohne dass eine physische Verbindung zum CAN-Netzwerk besteht. Bei der Anwendung InsightME von Müller Elektronik handelt es sich um ein Diagnosekonzept, das auf einer Nachrichtenverbindung per CAN-/WLAN-Schnittstelle basiert. Sie ermöglicht den Anschluss eines Tablets oder Smartphones an das Netz CAN/ ISO 11783 der Maschine, wodurch der Techniker mit den elektronischen Modulen kommunizieren kann. Durch eine 3G-/4G-Verbindung können die mobilen Geräte auch als Zugang zu einem Remotedienst dienen. Das erleichtert das Auffinden technischer Störungen.

Das VMP-System von Pérard sammelt die Spreu beim Dreschen. Sie bleibt in der Regel nach der Ernte auf dem Feld liegen und wird nicht verwertet. Es sind jedoch zahlreiche Unkrautsamen enthalten, die nach der Ernte keimen und wachsen. Mit dem Sammeln der Spreu wird dieses Unkrautproblem gelöst. Zudem kann das Material auf verschiedene Art verwertet werden und ein Zusatzeinkommen ermöglichen. Das VMP-System wird durch Verriegelung an der hinteren Anhängerkupplung und an der linken Vorderachse des Mähdreschers befestigt. Es kann schnell und einfach an verschiedene Mähdrescher neueren Datums angepasst werden. Das VMP-System saugt die Spreu an und verdichtet sie zu zylindrische Ballen, die mit Polyethylenfolie vor Feuchtigkeit geschützt werden. Die Spreu kann als Futter, als Einstreu, für Dämmplatten und als nachwachsender Rohstoffim Energiebereich verwendet werden.

Das Führungssystem Agrogeovisio von Razol steuert einen Hackrahmen durch Onlinebildverarbeitung in allen Anbausituationen. Die Hackmaschine wird durch einen verschiebbaren Dreipunktrahmen in der Reihe geführt. Diese Führung kann je nach Pflanzenbestand anhand von Kamerabildern oder zentimetergenauen GPS-Daten ohne Nutzung von teuren GPS-RTK-Systemen erfolgen. Ein Datenerfassungssystem speichert permanent Position und Größe jeder Pflanze in einer datierten Datenbank. Dadurch kann die Pflanzengesundheit kontrolliert werden und die Felder werden während des Hackvorgangs oder anderer Arbeiten mit dem Dreipunktsystem automatisch kartografiert und in Bereiche unterteilt.

Die Düngerstreuer X40 und X50 Econov von Sulky Burel nutzen in Verbindung mit dem Monitor Green Star 2630 von John Deere die Funktionen Task Control und TC-GEO. Über das ISOBUS-Protokoll sendet die Steuereinheit der Düngerstreuer der Task Control der ISOBUS-Konsole eine ISOXML-Datei mit einem Düngerfächer, der aus zwölf Abschnitten besteht. Jeweils sechs sind der rechten sowie linken Seite bzw. Dosiervorrichtung zugeordnet. Die Task Control ordnet jeder Seite eine Zieldosierung gemäß Applikationskarte anhand von zwei virtuellen GPS-Positionen zu. Dadurch können links und rechts zwei unterschiedliche Düngermengen entsprechend des Bedarfs ausgebracht werden.

FAZIT: 23 prämierte Neuheiten werden auf der Agrarmesse Sima vom 22. bis 26. Februar in Paris zu sehen sein. Einige davon sind praxisreif, bei anderen wird wohl noch eine Weile bis zum ersten Feldeinsatz vergehen, oder sie verschwinden wieder im „Innovationshimmel“. Ein Trend zu mehr Exaktheit, Komfort und Sicherheit ist erkennbar.

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