Es wird immer digitaler

06.04.2017

© Sabine Rübensaat

Es wird immer digitaler.

Kein Arbeitstag vergeht für Lukas Schmidt ohne frische Luft und die Arbeit mit einer Herde Kühe. Der 20-Jährige hat seit seiner Kindheit einen Bezug zu Tieren. „Meine Eltern halten Kühe und Pferde“, erklärt er. Einen Schreibtischjob konnte er sich nie vorstellen. In seiner Freizeit reitet er leidenschaftlich gerne Dressur. Da ihn Kühe interessieren, ist er nun angehender Tierwirt in der Fachrichtung Rinderhaltung.

Mit Schemel und Milchkanne ist heute kaum ein Tierwirt anzutreffen. Gemolken wird in vielen Betrieben halbautomatisch an Melkständen. In anderen Ställen muss gar nicht mehr selbst Hand angelegt werden. Schmidt arbeitet bei der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg. Seine Ausbildung findet in Kooperation mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreutz im Westen von Brandenburg statt. Hier übernehmen vollautomatische Roboter das Melken. Ein Transponder, eine Art Funkgerät, an der Kuh speichert die Einstellungen, damit der Roboter passgenau am Euter sitzt. Die Maschinen werden von Tierwirten überwacht und gewartet. Andere Aufgaben sind weniger digitalisiert: „Auch das Ausmisten der Liegeboxen gehört zum festen Alltag im Kuhstall“, sagt Schmidt. Die RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg beschäftigt sich auch mit der Zucht. Auch deshalb hat Schmidt sich für die Ausbildung in Groß Kreutz entschieden. Dafür kommt der 20-Jährige jede Woche aus seiner Heimat im 50 km entfernten Karow (Sachsen-Anhalt).

 

Umfangreich ausgebildet

 

Tierwirte arbeiten überall dort, wo Nutztiere gehalten werden. Schon vor der Ausbildung muss man sich für eine der fünf Fachrichtungen – Schäferei, Imkerei, Rinder-, Schweine- oder Geflügelhaltung – entscheiden. 1976 wurden die Fachrichtungen zu dem Beruf des Tierwirts zusammengefasst. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber mit Abitur auf eineinhalb Jahre reduziert werden.

Während der Ausbildung lernen Jugendliche, wie sie die jeweilige Tierart artgerecht halten. Dazu zählen etwa die Fütterung und Unterbringung, aber auch die Tierhygiene und Züchtung. Es geht aber auch um die rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes. „Während der Ausbildung lernt man, wie man Tiere in Notsituationen tötet, um Schmerzen zu verhindern“, sagt Martin Lambers. Er ist Referent für Berufsbildung und Bildungspolitik beim Deutschen Bauernverband. Eine Notsituation entsteht etwa bei starken Verletzungen oder unheilbaren Krankheiten.

 

Modern ausgestattet

 

Die Digitalisierung macht auch vor dem Kuh- oder Schweinestall nicht Halt: „Der Beruf wird immer weiter technisiert“, erklärt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Mit moderner Technik werden etwa Bewegungsprofile von Kühen auf der Weide erstellt, es werden Liegezeiten und die Häufigkeit des Wiederkäuens erfasst. Abweichungen von der Norm können auf Probleme hinweisen. „Durch die Datenerfassung und -verarbeitung sollen Krankheiten früh erkannt werden“, erklärt Bretschneider. Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte verantwortungsbewusst sein. Die Tiere werden rund um die Uhr beobachtet und versorgt. Geburten richten sich nicht nach festen Arbeitszeiten. Der Beruf erfordert deshalb ein hohes Maß an Flexibilität. Besondere formale Voraussetzungen für den Beruf gibt es laut Lambers nicht. Jedoch sollten Auszubildende nicht unter Allergien leiden. „Es ist körperlich harte Arbeit, die man verrichtet“, ergänzt Schmidt. Man müsse damit leben, dass man sich immer mal wieder Muskelkater oder kleine Blessuren, wie blaue Flecken, zuziehen kann. Auch die Arbeit im Freien müsse man mögen.

 

Gute Aussichten

 

Die Ausbildungsvergütung liegt laut dem Deutschen Bauernverband im ersten Ausbildungsjahr je nach Ort, Fachrichtung und Größe des Betriebs zwischen 550 und 700 €. Ab dem dritten Jahr sind es zwischen 650 und 800 €. „Das Gehalt nach der Lehre liegt meistens bei knapp unter 2 000 bis 2 500 €“, sagt Lambers. Es kann im Einzelfall auch deutlich weniger sein. Die Branche leide unter der sinkenden Zahl von Schulabgängern.

Nach der Ausbildung haben Tierwirte gute Aussichten: Viele Absolventen werden übernommen, sagt Bretschneider. Die meisten Ausbildungsverhältnisse gebe es in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. 2015 gab es laut dem BIBB 930 Auszubildende. „Ich will die Zeit hier im Betrieb nicht missen“, sagt Lukas Schmidt über seine Ausbildung. Der 20-Jährige will noch Veterinärmedizin studieren. Die Ausbildung vermittle dafür sehr gute Grundlagen. Die Lehre hat ihm aber auch persönlich viel gebracht: „Ich habe eine Menge Lebenserfahrung gesammelt. Es ist auch schön, wenn man sein erstes eigenes Geld verdient“.

 

Alles verflucht und doch weitergemacht?

Fast jeder zweite deutsche Student hat schon einmal über einen Abbruch seines Studiums nachgedacht. Das hat eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Toluna unter 500 Studenten verschiedener Fachrichtungen ergeben. Als Grund nannten gut 41 % der zweifelnden Studenten, dass das Studium nicht ihren Erwartungen entspreche. Knapp 40 % sagten, es sei schwierig, die Leistungsanforderungen zu erfüllen. Auch fehlende praktische Bezüge (29 %), eine zu hohe Arbeitsbelastung (26 %) sowie Schwierigkeiten das Studium zu finanzieren (27 %) spielten bei den Gedanken eine Rolle. Allerdings waren sich nur knapp 4 % aller Befragten sicher, ihr Studium nicht abzuschließen. Auftraggeber der Umfrage war der Personaldienstleister Univativ.

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