Ein Quantensprung nach vorn

08.08.2016

© Sabine Rübensaat

Eric Jahn kümmert sich zusammen mit zwei Kollegen um eine Biogasanlage mit zwei Blockheizkraftwerken und um eine Bio- methananlage.

Herr Jahn, vorgestern haben Sie mit Ihrer Tochter ihren fünften Geburtstag gefeiert. Wie war’s?
■ Anstrengend. Wir müssen mal sehen, ob wir das nächstes Jahr anders machen. 13 Kinder zur Geburtstagsfeier sind einfach zu viel.

Wie lässt sich Ihre Arbeit auf den Biogasanlagen in Nauen mit dem Familienleben vereinbaren?
■ Das geht ganz gut. Wir sind drei Anlagenfahrer und haben auch 24-Stunden-Bereitschaften. Da wir aber alle im Umkreis von fünf bis sechs Kilometern wohnen, können wir uns das einrichten. Wir betreuen zu dritt zwei Biogasanlagen auf einem Hof. Die erste besteht seit 2006 und hat zwei Blockheizkraftwerke. Die elektrische Leistung beträgt ein Megawatt. Die zweite speist seit 2011 Biomethan ins Erdgasnetz ein, und zwar 700 Normkubikmeter pro Stunde mit einem Reinheitsgrad von 97 bis 98 Prozent. Die 700 Normkubikmeter entsprechen einer elektrischen Leistung von zirka 2,6 Megawatt.

Welche Arbeiten erledigen Sie auf den Anlagen?
■ Eigentlich alles, und zwar von der Mikrobiologie bis zur Mechanik, vom Fegen bis zum Radladerfahren. Alle drei Anlagenfahrer erledigen sämtliche Arbeiten. Einer von uns ist Betriebsleiter, das ist Artur Stachowski, der kümmert sich um die administrativen Dinge. Das mach ich aber auch, wenn er im Urlaub ist. Ich kümmere mich außerdem speziell um die Gasaufbereitung und um die Holztrocknung. Mit der BHKW-Abwärme trocknen wir Holzhackschnitzel und im Spätsommer und Herbst auch Biohanf. Natürlich füttere ich die Fermenter und warte die Anlagen. Die einfache Motorwartung gehört in unser Programm, Ölwechsel, Batteriekontrolle. Die große Wartung, die Elektronik – das macht ein Serviceunternehmen. Der älteste Motor ist schon 85 000 Betriebsstunden gelaufen, der jüngere knapp 60 000. Sie wurden beide generalüberholt.

Nebenan gibt es eine Photovoltaik-Freiflächenanlage. Kümmern Sie sich auch darum?
■ Ja, einmal pro Woche sehe ich nach, ob alles in Ordnung ist, aber grundsätzlich ist dafür ein Elektrounternehmen zuständig. Meine beiden Kollegen und ich lesen die Zählerstände ab und geben sie an die Geschäftsführung weiter.

Sie sind gelernter Koch. Ist es auf den Biogasanlagen schöner als in der Küche beim Schnitzelbraten?
■ Dazu muss ich sagen, dass ich nie Schnitzel gebraten habe. Ich hatte eine Kategorie höher angefangen, und zwar mit einer Ausbildung in München in der gehobenen Gastronomie. Aber mit Freundin, später Frau, und Kind wurde es in der Gastronomie schwierig. Die langen Arbeitszeiten: Abends, nachts, an den Wochenenden, also immer, wenn die anderen frei haben, muss man als Koch arbeiten. Also, wenn man sein Kind aufwachsen sehen will, geht das nicht.

Wie sind Ihre Arbeitszeiten jetzt eingeteilt?
■ Wir haben die Regelarbeitszeit 7 bis 16 Uhr. So kann ich meine Tochter zum Kindergarten bringen. Dazu kommen die Bereitschaften. Alle drei Wochen bin ich dran mit der 24-Stunden-Bereitschaft, und zwar eine Woche lang.

Und bei Störungen in der Nacht fahren Sie los?
■ Genau. Zum Teil können wir die Fehler vom Computer zu Hause aus beseitigen, oder wir müssen zur Anlage fahren.

Mit diesen Bereitschaften kommen Sie nun zurecht?■ Ja, natürlich. Für mich war das ein Quantensprung nach vorne. Sie haben jetzt also eine gut geregelte Arbeitszeit? ■ Ja, sagen wir mal recht geregelt. Manchmal laufen die Anlagen vier Wochen durch, und man denkt, das Telefon ist kaputt, und dann muss man auf einmal dreibis viermal nachts raus, weil irgendwas spinnt. Die Anlagen sind schon recht groß, ich sage immer, wenn eine normale Anlage eine Störung hat, haben wir sieben. Aber wir haben alles ganz gut im Griff.Da Sie Koch gelernt haben, war ja eine Biogasanlage für Sie völlig neu.■ Ja, aber das war für alle neu. So lange gibt es die Biogasproduktion noch nicht, und einen Ausbildungsberuf gibt es auch nicht. Ich bin vom Dorf und habe schon mal eine Maispflanze gesehen. Ich habe die Stellenausschreibung gelesen, mich vorbereitet, so gut es ging, bin hingegangen, habe mich vorgestellt, und nun arbeite ich hier schon dreieinhalb Jahre. Was macht Ihnen auf den Anlagen am meisten Spaß?■ Das kann ich gar nicht genau sagen. Die Vielfalt an Aufgaben. In einer Biogasanlage steckt so viel Technik drin, es muss so viel organisiert werden, damit das Ding überhaupt läuft. Jeder Arbeitstag unterscheidet sich vom anderen. Immer wieder kommt etwas Neues dazu. Man muss immer wieder auf neue Situationen reagieren. Und was macht keinen Spaß?■ Keinen Spaß? Also, ich habe fünf Jahre als Koch gearbeitet, da schockt mich so schnell nichts. Hier läuft es bedeutend ruhiger. Man kann besser planen und organisieren. Ich bin jetzt Hobbykoch und stehe nur noch für meine Familie und Freunde in der Küche. Das Gespräch führte

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