Verantwortung übernehmen - Teil 2

06.06.2014

© Frank Hartmann

Junge Betriebsleiter erzählen auf der Junge DLG-Tagung ihre Erfahrungen.

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Machen statt warten

Nach seiner landwirtschaftlichen Lehre, der Fachschulsausbildung zum Agrartechniker und einem Praxisjahr in Süd­afrika stieg Markus Appold 2003 in den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb ein. Ende 2003 machte er sich mit dem Energiehof Appold im bayrischen Herrieden selbstständig. Während der Vater des heute 32-Jährigen sich fortan um die Landwirtschaft kümmerte, konzentrierte sich Markus Appold auf Energieerzeugung und grünes Recycling. Vergärung/Energieerzeugung, Kompostierung und Holzaufbereitung wurden 2004 sein Geschäft; Kompost, Erdengemische, Rindenmulch, Hackschnitzel und Natursteine die Produkte. Die Vergärung organischer Reststoffe startete Appold mit einer 526-kW-Biogasanlage. In zehn Jahren wuchs die Leistung durch Neubau und Erweiterung auf knapp 2 MW Leistung an. Aus zwei Mitarbeitern wurden 30. Mit Partnern aus dem Gemüsebau und der regionalen Entsorgungswirtschaft übernahm er Ende 2013 ein kommunales Biokraftwerk mit 9 MW elektrischer und 22 MW thermischer Leistung. Als entscheidenden Punkt im Fortkommen nennt er die Zertifizierung seines Unternehmens vor sechs Jahren. Diesen Prozess habe er nicht als Last sondern als Chance zur Effizienzsteigerung begriffen. „Das hat sehr dabei geholfen, dem Betrieb Struktur zu geben.“ Auch das straffe Controlling betont Appold mehr als einmal. Geplant habe er diese Entwicklung freilich nicht, aber immer die Chancen ergriffen, die sich ihm geboten haben. „Lieber 80 Prozent sofort, als 100 Prozent nie umsetzen“ laute sein Motto.

Ein Mentor als Stütze

Nach seinem Landwirtschaftsstudium in Halle wollte Jörg Kamprad einen agrarwissenschaftlichen Weg einschlagen und promovieren. Es kam anders, als die Agrar eG Querfurt ihn 1998 ansprach. Der 2 400 ha große Betrieb wollte die Nachfolge der Unternehmensführung regeln. 1999 wurde er zum Vorstandschef gewählt. Finanziell stand der Betrieb nicht schlecht da; die Buchführung war tadellos. Zu der Zeit lastete u. a. noch die offene Altschuldenfrage auf dem Betrieb. Kamprad stand vor der Aufgabe, einem Betrieb mit zu vielen Standbeinen, die an mehreren Orten verstreut waren, eine zukunftsfähige Struktur zu verpassen. Das hieß Betriebszweige einzustellen, mit Traditionen zu brechen, andere auszubauen und neue zu entwickeln. Das barg an vielen Stellen emotionalen Sprengstoff. Dass ihm das dennoch gelingen konnte, verdankte er einem persönlichen Mentor im Betrieb und der strengen Hauptbuchhalterin. Keine Überheblichkeit und hohes Fachwissen böten Voraussetzungen für eine große Akzeptanz. Mit einem hohen zeitlichen Einsatz und der zurückhaltenden eigenen Entlohnung könne der Vorstandschef Vorbild in Zeiten großer Umbrüche sein. Nicht zu vergessen die Mitglieder der Genossenschaft, die eine Verzinsung deutlich über Sparkassenniveau honorieren würden.

Wechsel ist kein Hexenwerk

Für Agraringenieur Mathias Kley stand lange nicht fest, ob er jemals in die Fußstapfen seines Vaters treten würde. Dieser hatte 1992 mit Mortimer von Rümker die Saatzucht Gotha-Friedrichswerth Kley-v. Rümker GbR durch Übernahme allen Inventars und aller Arbeitnehmer eines ehemals Volkseigenen Gutes (VEG) gegründet. So durchlief Mathias Kley erst zwei Stationen als landwirtschaftlicher Berater bis hin zum Geschäftsführer, bevor 2011 der Gedanke reifte, den Einstieg zu wagen. Viele Gespräche in der Familie und auch mit dem Mitgesellschafter wurden geführt, ohne den Zeitpunkt genau zu terminieren. Rückblickend war das auch gut, denn die folgenden Auseinandersetzungen mit dem Steuerberater ließen erahnen, dass der Weg kein leichter würde. Um die Anteile eines Gesellschafters zu übertragen, bedarf es der Zustimmung der Gesellschafter und es muss ein neuer Gesellschaftsvertrag abgeschlossen werden. Der 34-Jährige empfiehlt, alle Beteiligten frühzeitig einzubinden. Ist die BVVG, etwa durch Landkauf nach EALG, involviert, habe sie ein Zustimmungsrecht und will vorab informiert werden. Die Zustimmung bzw. Einwilligung der Gläubiger sei ebenfalls wichtig. Rückblickend meint Kley, dass so ein Wechsel kein Hexenwerk darstellt, allerdings eine intensive Beschäftigung mit der Thematik verlangt. „Jeder muss ein bisschen nachgeben können“, gibt er mit auf den Weg.

In der Fremde geklotzt

Als Timo Wessels Eltern 1997 ihren 80-Hektar-Hof in Niedersachsen verkauften, war er 16. Die Familie hatte sich entschlossen, die Agrar eG i.L. Damsdorf bei Kloster Lehnin in Brandenburg zu übernehmen. Sie seien „keine reichen Wessis“ gewesen, als sie den Betrieb in die Wessels GbR umwandelten und loslegten. „Wir sind in der Region gut aufgenommen worden, getreu dem Motto: Wie man in den Wald hineinruft ...“. Große Unterstützung erhielt man von der früheren Vorsitzenden der Agrar eG. Glück hatte die Familie, weil sie neue Leute einstellen konnte. Vor ihrer Ankunft waren noch 30 entlassen worden. Respekt erwarb man sich, weil die Familie mitarbeitete. Um die Landtechnik besser auszulasten, gründete man ein Lohnunternehmen. Der Milchviehstall wurde saniert, die Beregnung auf 400 ha wieder flott gemacht, ein Wartestall für den Rinderexport errichtet, was man als Dienstleistung für den Rinderzuchtverband übernahm. Mit Fremd­kapital und einem Eigenanteil von 40 % erzeugte 2008 die erste Biogasanlage (2 x 537 kW) Strom.

Aus diesem Geschäft heraus ent­wickelte sich das Standbein des Be­treuens und des Baus von Biogasanlagen. Über 100 Mitarbeiter zählt die Unnehmensgruppe heute, davon 48 in der Landwirtschaft. Dass die Landwirtschaft das Kerngeschäft ist, belegt nicht zuletzt eine Kuhleistung von 17,9 kg Milch/Lebenstag.

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