Verantwortung übernehmen - Teil 1

06.06.2014

© Frank Hartmann

Bilck ins Publikum der Jungen DLG-Tagung.

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„Unternehmer von 0 auf 100“ lautet des griffige Motto der Jahrestagung 2014 der Jungen DLG. Das Nachwuchsnetzwerk der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) kam Ende Mai in Jena zusammen. Den Mittelpunkt bildete eine spannende Vortrags- und Diskussionstagung. Bevor hier junge Betriebsleiter über ihren Weg und ihre Er­fahrungen in diversen Fachforen Auskunft gaben (siehe unten), standen grundsätzliche Überlegungen zum Generations­wechsel und zur Betriebsnachfolge im Fokus.

Den vorherrschenden Betriebsstrukturen geschuldet, wendete Dr. Jan-Christoph Friedrichs, Unternehmensberater beim Betriebswirtschaftlichen Büro in Göttingen, seinen „Blick nach Westen“ und hier auf das landwirtschaftliche Erbrecht. Und das hat es in sich. Denn es verfolgt das Ziel, den Betrieb in seiner Gesamtheit an den Nachfolger weiterzugeben, den Übergebenden finanziell abzusichern und mit den weichenden Erben eine abschließende Regelung zu finden. Deshalb, so Friedsrichs, stehe die rechtzeitige Einbindung aller Personen (Abgeber und Ehepartner, Hofnachfolger und dessen Ehepartner, weichende Erben sowie gegebenenfalls Eltern/Großeltern) am Anfang eines jeden Übergabeprozesses. Zur Vorbereitung gehöre weiterhin die Bemessung der Altenteilsverpflichtungen: Baraltenteil, Wohnrecht, Pflege sowie Sicherung des Altenteils.

Zu klären sei, welches Erbrecht überhaupt gilt. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gilt die nordwestdeutsche Höfeordnung (HöfeO). Liegt ein Betrieb im Sinne der HöfeO vor (z. B. Hofvermerk im Grundbuch), erhalten die weichenden Erben Abfindungsansprüche, die sich am Einheitswert des Unternehmens orientieren. Die Abfindung errechnet sich aus dem 1,5-fachen Einheitswert, abzüglich etwaiger Verbindlichkeiten, jedoch nur bis zu 30 % des Hofwertes. Die Abfindung wird unter den weichenden Erben nach der gesetzlichen Erbquote des BGB aufgeteilt.

Gilt nicht die HöfeO, greifen entweder das Landguterbrecht des BGB, die Anerbengesetze der Länder oder das Grundstücksverkehrsgesetz. Beim Landguterbrecht errechnet sich die Abfindung der weichenden Erben aus dem Ertragswert des Betriebes. Dieser ergibt sich aus dem nachhaltig zu erzielenden Reinertrag multipliziert mit einem landesrechtlich festgelegten Multiplikator (zwischen 17 und 25).

Wie unterschiedlich demnach ein Hofnachfolger starten kann, machte der Unternehmensberater am Beispiel der Übergabe eines 150-Hektar-Betriebes deutlich. Handelt es sich um einen Betrieb im Sinne der HöfeO, ergibt sich für die drei abzufindenden Geschwister ein Pflichtteilsanspruch von zusammen knapp 12.000 €. In diesem Fall spreche man auch vom „Lachgroschen“. Ganz anders verhält es sich, wenn der Ertragswert die Grundlage für die Abfindung bildet. Hier kann der Pflichtteil im identischen Betrieb je nach Region zwischen 130 000.€ und 250.000 € liegen.

Den „Blick nach Osten“ warf in Jena Dieter Künstling, Unternehmensberater und Geschäftsführer der IAK Agrar Consulting GmbH in Leipzig. Er stellte die Herausforderungen von Betriebsnachfolgen in Juristischen Personen in den Mittelpunkt. Künstling rückte die Vorstellung gerade, dass die Nachfolgefrage bereits geklärt sei, sobald ein junger Vorstandschef oder Geschäftsführer gefunden worden ist. Richtig sei, dass die Betriebsleiter in Ostdeutschland zu über 60 % älter als 50 Jahre sind. Generationswechsel bedeute eben nicht nur die Übergabe des Tagesgeschäftes sondern vor allem auch die Übergabe des Eigentums. Und hier liege im Osten ein Problemfeld: Die Betriebe hätten in den letzten 20 Jahren „ungeahnte Vermögenswerte“ geschaffen und vielfach keinen Plan, diese an die Nachfolger zu übergeben. Es fehle an Eigenkapital und damit Finanzierungsmöglichkeiten zur Übernahme des Eigentums bzw. von Eigentumsteilen. Somit erwartet Künstling, dass der Verkauf von Betrieben an Investoren übliche Praxis in Ostdeutschland wird.

Selbst dort, wo der Eigentümerwechsel geplant wird, gibt es Fallstricke. Etwa bei der Frage, was der Betrieb eigentlich Wert ist. Aus seiner Praxis ­nannte Künstling das Beispiel eines 800-Hektar-Ackerbaubetriebes. Die Preisvorstellung des Verkäufers lag bei 2,5 Mio. €. Bei der Verkehrswertermittlung abzüglich von Verbindlichkeiten kam man auf gut 4,2 Mio. €. Der Marktwert des Betriebes lag zu dieser Zeit bei 7,2 Mio. €: So jedenfalls lautete das Höchstgebot der Ausschreibung. Das zeige, dass der „wahre Wert“ vieler Betriebe ihren Eigentümern nicht klar ist.
Vor diesem Hintergrund mahnte Künstling „kreative Finanzierungsmöglichkeiten“ für nachrückende Gesellschafter an, damit ausscheidende Gesellschafter angemessen abgefunden werden können. Kritik übte Künstling an Versuchen, Gesellschafter mit dem Nominalwert ihrere Anteile abspeisen zu wollen. Er wies auf Gerichtsurteile hin, die deratige, in der Nachwendezeit geschlossene Verträge, als sittenwidrig eingestuft haben. Künstling riet den Unternehmen, Rücklagen zu bilden bzw. entsprechende Fonds aufzulegen, aus denen scheidende Gesellschafter abgefunden werden können.

Wie man an das Geld für die Übernahme, für Wachstumsschritte oder sogar die Neugründung eines Unternehmens kommt, thematisierte Anne Carolin Knust von der Norddeutschen Landesbank. Die Kreditvergabe sei nicht allein abhängig von den möglichen Sicherheiten. Denn „wir finanzieren keine Sicherheiten, sondern Unternehmen“, so die Agrarkundenbetreuerin. Damit verwies Knust auf die zunehmende Bedeutung der Unternehmerpersönlichkeit und auf die Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Denn schließlich flössen auch die „weichen Faktoren“ mit ins Kundenrating ein.

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