Sich fit machen für die Landwirtschaft von morgen

04.11.2013

350 Junge Menschen in der Aula der Univerität Göttingen

Gefüllte Aula der Universität Göttingen

© DLG e.V.

(DLG). Die Welt von morgen wird eine andere sein. Und mit ihr wird sich auch die Landwirtschaft verändern. Für junge, angehende Landwirtinnen und Landwirte bedeutet dies: Wer demnächst in den Beruf startet, wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unter anderen Vorzeichen wirken und arbeiten als heute. Wie die Welt von morgen aussehen wird, vermag zwar niemand mit Gewissheit zu sagen. Es gibt jedoch Anzeichen, Signale und Trends, die angehende Entscheider deuten können sollten, um die betrieblichen Weichen richtig zu stellen. Einen Einblick in diese neue Welt gab die Tagung „Ein Blick in die Glaskugel – Landwirtschaft von morgen“, zu der die Junge DLG gemeinsam mit den Arbeitsgemeinschaften sowie der Fachschaft der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen 350 junge Menschen in der Aula am Waldweg am 29. Oktober begrüßen konnte.

 

Informationen über das Marktgeschehen Verhalten zentrale Bedeutung

„Die Risiken, die sich aus Wetter, Markt und Politik ergeben, werden die Betriebe von morgen viel stärker beschäftigen als bisher“, erläuterte Prof. Dr. P. Michael Schmitz von der Universität Gießen. Infolgedessen werde auch das Risikomanagement für Landwirte und deren Marktpartner immer wichtiger werden. Dabei komme der Information über das Marktgeschehen eine zentrale Bedeutung zu, um dieses Risiko überhaupt richtig einschätzen zu können. Die wachsenden Weltmärkte böten den Landwirten sehr gute Absatzmöglichkeiten, so Schmitz. Dies sei aber kein Selbstläufer, da gleichzeitig auch die Konkurrenten Marktanteile hinzu gewinnen würden. Eine Unsicherheitskomponente bleibe weiterhin, dass die gesellschaftlichen Widerstände gegen eine moderne Tier- und Pflanzenproduktion sehr groß seien. Hinzu komme der Faktor „EU-Agrarpolitik“. Diese sei zwar für die nächsten Jahre geregelt, sie stelle aber die Weichen nicht in Richtung der Stärkung und Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft, sondern setze ihren Schwerpunkt eher auf Klima-, Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz.

 

Vertikale Produktion wird die horizontale Produktion ergänzen

Dass die Landwirtschaft künftig nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in den Städten stattfindet und sich die horizontale Produktion um die vertikale erweitern wird, prognostizierte Prof. Dr. Joachim Sauerborn von der Universität Hohenheim. Die Weltbevölkerung wachse stetig, die nutzbare Ackerfläche sei begrenzt und die Urbanisierung verursache pro Jahr einen Verlust zwischen 1,6 und 3,3 Millionen Hektar Land. „Wir wohnen vertikal. Warum also nicht auch unsere Nahrungsmittel in mehrstöckigen Häusern anbauen?“, fragte Sauerborn. Diese „Skyfarming“ genannte Produktionsform erlaube eine Vervielfältigung des Ertrages bei einer gleichzeitigen Verminderung von Umwelteinflüssen. Die Produktion finde dort statt, wo auch der Verbrauch sei, der ökologische Fußabdruck verbessere sich. Zudem erlaubten solche geschlossenen Systeme eine Kreislaufwirtschaft und sichere Ernten, erläuterte Sauerborn.

 

Landwirte müssen noch professioneller werden

Einen Ausblick in die Zukunft wagte auch Michael Horsch von der HORSCH Maschinen GmbH. In seinem Vortrag „Landwirtschaft aus Leidenschaft – Innovationen und Perspektiven in der Landtechnik“ erläuterte er, dass aufgrund knapper und immer teurer werdender Fläche sowie steigender Nachfrage nach Nahrungsmitteln die Landwirte noch professioneller werden müssten. Das so genannte „E-Farming“ werde den zukünftigen Landwirt beherrschen. Anhand eines Beispielbetriebes in Tschechien erläuterte er, wie sich ein 3300 Hektar großer Betrieb umstrukturieren kann – vom Gemischtbetrieb mit 77 Beschäftigen und 58 Traktoren zum reinen Ackerbaubetrieb, auf denen zwölf Beschäftigte arbeiten und drei Raupen laufen. Nachdem aus Horschs Sicht die Klimaanlage, die bodenschonende 3-Meter-Raupenspur und die automatische Steuerung mit GPS sowie RTK zu den wichtigsten Innovationen der vergangenen 50 Jahre gehören, prognostizierte er dem Controlled Traffic Farming (CTF), also dem dauerhaften Befahren der Äcker auf festen Spuren und der Trennung von Produktions- und Befahrungsfläche, eine große Zukunft.

 

Produktionsprozesse optimieren und Arbeitsabläufe systematisieren

Wie man den eigenen Betrieb fit machen kann für die Zukunft, darüber berichtete Stefan Teepker, Landwirtschaftsmeister aus dem Emsland. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm er 2001 mit gerade einmal 21 Jahren den elterlichen Gemischtbetrieb mit 32 ha. In mehreren Schritten entwickelte Teepker den Hof zu einem Unternehmen mit heute 15 Einzelbetrieben und 240 Hektar Ackerland, 3600 Mastplätzen, 1000 Sauen, 435.000 Geflügelmastplätzen, Solarenergie und Biogas. In einem Betriebskonzept „Teepker 2030“ hat der junge Landwirt die geplanten, weiteren Wachstumsschritte bereits schriftlich festgehalten. Als wichtigste Aufgaben, die ihn bei der bisherigen Entwicklung beschäftigt haben, aber auch künftig beschäftigen werden, nannte Teepker die Optimierung der Produktionsprozesse sowie die Systematisierung von Arbeitsabläufen: „Häufig liegen die Lösungen in der Produktionsverknüpfung“, so Teepker. Auch die Mitarbeitermotivation bei gleichzeitiger Bindung von Fachkräften, zudem offen sein für Innovationen im Betrieb, die Erweiterung der Verarbeitungstiefe sowie das Eingehen von Kooperationen seien wichtige Zukunftsaufgaben. Die gesellschaftliche Akzeptanz seines Handelns, vor allem im Dorf, sieht Teepker als besondere Herausforderung, der man auf vielfältige Weise begegne. Er riet den jungen Leuten, von der Industrie zu lernen, beispielsweise bei der Gestaltung von Prozessen und der Öffentlichkeitsarbeit, sowie die eigenen Ideen kreativ umzusetzen.

 

Weitere Informationen sind erhältlich bei der DLG. Ansprechpartnerin ist

Leonie K. Hug,
Telefon 069/24788-308 oder
E-Mail: L.Hug@remove-this.dlg.org.

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