Schäferdynastie Pundt

14.11.2013

Drei Gernationen Schäfer

Drei Generationen: Die Schäfermeister Paul und Jörg Pundt, dazwischen Schäfer Michael Pundt.

Wenn an diesem Wochenende die Schafzüchter Mecklenburg-Vorpommerns und benachbarter Bundesländer auf der Agrarschau MeLa in Mühlengeez bei Güstrow ihre besten Zuchttiere küren und den Zuschauern im Großen Ring präsentieren,  wird bei der Vergabe der Zuchtpreise wieder mit Jörg und Michael Pundt aus der Agrargemeinschaft Lübstorf eG bei Schwerin zu rechnen sein. Seit der ersten MeLa ist Schäfermeister Jörg Pundt mit seinen besten Schwarzköpfigen Fleischschafen Stammgast in Mühlengeez. Die „Schwarzköpfe“ sind in diesem Jahr „Tier der MeLa“!

 

Ein deutschlandweit bekannter Züchter

In seinem Haus in Kirch Stück bei Schwerin zeugen viele Pokale und Urkunden von den Erfolgen des Züchters. Ihren bisher größten Coup landeten Vater und Sohn Pundt im vorigen Jahr indes bei der bundesweiten Elite in Kölsa (Sachsen), als ein 136 kg schwerer Bock aus ihrem Bestand „Bester Schwarzkopfbock“ Deutschlands  wurde. Es war der erste bundesweite Titelgewinn „über alle Altersklassen“  eines ostdeutschen Schwarzkopfzüchters.
Sowohl der Züchtername Pundt als auch die Schwarzkopfherde, die Jörg und Michael in der Agrargemeinschaft Lübs­torf eG bei Schwerin betreuen, sind in Züchterkreisen seit Langem bekannt. Jörg Pundt ist Schäfer in fünfter Generation. Vor ihm betreute sein Vater Paul Pundt die Herde von 1952 bis 1990.  Der mittlerweile 87-jährige Schäfermeister war 1998 mit dem Tierzuchtpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet worden. Die Tiere gehörten bis 1990 zum VEG Klein Trebbow und zum damaligen einzigen Zuchtzentrum für Fleischschafe der DDR.  Im Zuge der Wende und der Privatisierung der ehemaligen volkseigenen Güter wurde ein Teil der Herde mit 500 Muttern an die Agrargemeinschaft Lübs­torf eG verkauft. „Pundts und ich haben uns damals zusammengesetzt und ein Konzept gemacht, wie wir die Schafhaltung integrieren können“, erinnert sich Vorstandsvorsitzender Hans Rotermann.

 

Die Lämmermast ist das wichtigstes Standbein

In der Vegetationsperiode weiden die Tiere auf Grünlandflächen von Kirch Stück und Alt Meteln bis an die Stadtgrenzen von Schwerin. Der Herde mit mittlerweile 900 Mutterschafen und Nachzucht stehen 40 bis 50 ha Weideflächen exklusiv
sowie 200 ha zur teilweisen Nutzung zur Verfügung. Die Flächen im Aubachtal werden im Rahmen des Landschaftspflegeprogramms „Naturschutzgerechte Grünlandnutzung“ bewirtschaftet. Kurz vor Beginn der Lammzeit Ende November, Anfang Dezember werden die Tiere in Alt Meteln aufgestallt.
„Unser wichtigstes wirtschaftliches Standbein ist die Lämmermast. Um Lämmer vor Ostern anbieten zu können, wenn die Nachfrage am größten ist, lammen unsere Schafe vor allem im Dezember ab“, erläutert Jörg Pundt. Dabei kommt die Herde im Mittel auf 1,5 Lämmer pro Mutterschaf. „Dieses Ergebnis ist nötig, damit die Haltung wirtschaftlich ist.“

 

Das Maß an körperlicher Arbeit hat sich stark verringert

Die Wochen vor Weihnachten sind für die beiden Schäfer absolute Arbeitsspitze.  „Wenn in wenigen Wochen 800 Schafe lammen, alle frischgeborenen Lämmer in Einzelboxen zu versorgen sind und ihre Ankunft dokumentiert werden muss, heißt es vor allem, ruhig bleiben und die Übersicht behalten“, sagt Jörg Pundt. Für den Schäfermeister ist es nicht ungewöhnlich, nach der Bescherung Heiligabend noch einmal in den Stall zurückzukehren. Dabei sieht er es als Fortschritt, dass sich das Maß an körperlich schwerer Arbeit seit Anfang der 1990er Jahre spürbar verringert hat. „Früher hat mein Vater Futter für 1.000 Tiere in Kiepen und mit der Schubkarre in den Stall gebracht. Heute befördert ein Radlager wenigstens die Grassilage in die Raufen. Das Kraftfutter, eine Tonne pro Tag, tragen wir aber immer noch in Eimern zu den Tieren“, sagt Jörg Pundt, der die 900 Mutterschafe das Jahr über mit Sohn Michael praktisch allein bewirtschaftet. Unterstützung bekommen die beiden in den Arbeitsspitzen, so  zur Schur Ende August, Anfang September und während der Lammzeit. Nach 110 Tagen intensiver Mast haben die Lämmer Mitte März mit 43 kg ihr Vermarktungsgewicht erreicht.  

 

Die Weidesaison beginnt schon Anfang März

Schon Ende Februar, Anfang März beginnt für die Mutterschafe die Weidesaison. Die Tiere fressen auf Flächen, auf denen später Mais gedrillt werden soll, jetzt aber noch Futterroggen als Zwischenfrucht steht. „Ab dem 20. April wechselt die Herde auf das extensive Grünland“, so Jörg Pundt. Gehütet wird  so gut wie gar nicht mehr. „Die Arbeitskraft ist dafür einfach zu teuer“, so der 52-jährige Schäfermeister, der die Kosten der intensiven Lämmermast im Blick behalten muss.

Im Juli beginnt für die Mutterschafe die Decksaison. Die etwa neun Monate alten Jungschafe des Jahrgangs kommen im September das erste Mal zum Bock.  Für die Reproduktion der Herde und die Zuchttierproduktion bilden die Ergebnisse der Eigenleistungsprüfung die Grundlage. „Von den über 400 Lammböcken bleiben jedes Jahr 50 bis 55 im Betrieb, davon werden 30 gekört und verkauft“, berichtet der Schäfermeister. Aus etwa 450 Zibblämmern werden bis zu 200 für die Zucht ausgewählt, wovon nach weiterer Selektion etwa 170 für die Reproduktion der Herde eingesetzt werden.

 

Einen Zuchtfortschritt gibt es nicht zum Nulltarif

Die 13 Zuchtböcke werden jährlich durch ein bis zwei auf der Elite gekaufte Jährlingsböcke und durch eigene Reproduktion ergänzt. „In diesem Jahr haben wir einen Bock aus der bekannten bayerischen Schwarzkopfzucht von Robert Straßl für 1.900 Euro zugekauft. Qualität hat ihren Preis“, sagt Jörg Pundt, wohl wissend dass es Zuchtfortschritt nicht zum Nulltarif gibt.

Andererseits zahlen sich der Zukauf bester Vatertiere, die strikte Selektion bei Mutterschafen, die konsequente Nutzung von Eigenleistungs- und Nachkommensprüfung sowie Pundts große Sorgfalt bei der Gesundheitsvorsorge für seine Herde aus. „Zuchttiere aus der Agrargemeinschaft Lübstorf sind bundesweit gefragt.  Jörg Pundt hat bisher jedes Jahr alle gekörten Jährlingsböcke zu guten Preisen verkaufen können, ebenso die weiblichen Tiere, mit denen Schafhalter ihre Herden ergänzen“, ist von Dr. Sven Grumbach, Zuchtleiter beim Landesschaf- und Ziegenzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern, zu erfahren.

Jörg Pundt ist froh darüber, dass die Schafhaltung in Lübs­torf „schwarze Zahlen“ schreibt, anerkannt ist und er weitgehend selbstständig arbeiten kann. Mindestens ebenso freut sich sein Sohn Michael darüber, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten kann: „Etwas Schöneres, als Schäfer zu sein, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt der 25-Jährige, der ebenso wie seine Schwester Maria beim Jungzüchterwettbewerb auf der MeLa schon früh erfolgreich war.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr