Rauf bis in den Wipfel

06.06.2016

© Werkbild

Rauf bis in den Wipfel.

Er kniet sich hin, spannt den Gummi der Wurfschleuder und zielt. Dann fliegt ein kleiner Wurfsack hoch auf den Baum, ein daran befestigtes Seil saust hinterher. Christian Wegner hofft, dass es sich um einen stabilen Ast wickelt. „Das klappt nicht immer auf Anhieb“, sagt der Forstwirt. Sekunden später klatscht der Wurfsack auf den Boden. Kurz darauf ist das Seil sicher um einen Ast gewickelt. Wegners Kollegin, Susanne Wersig, prüft ihren Klettergurt, schwingt sich hoch und beginnt die kranken Äste des Baums abzusägen.

Forstwirte sind für den Schutz und die Pflege des Waldes zuständig, doch ist dieser nicht zwingend ihr Arbeitsort. Wegner hat viele Aufträge in der Stadt. „Die Berufsbezeichnung Forstwirt meint viele Berufe“, erklärt auch Marcus Kühling, Geschäftsführer beim Deutschen Forstverein in Göttingen. Denn angehende Forstwirte können verschiedene Ausbildungswege wählen. Neben Pflege und Schutz des Waldes kümmern sich Forstwirtinnen und Forstwirte auch um die Belange von Spaziergängern und Wanderern. Sie bauen beispielsweise auch Bänke, stellen Wegweiser auf und halten die Forstwege in einem guten Zustand.

Wer direkt im Wald tätig sein möchte, sollte sich für die duale Ausbildung entscheiden. „Das sind die klassischen Waldarbeiter“, sagt der Diplom-Forstwirt. Sie fällen und pflanzen Bäume, bauen Zäune, pflegen Wege oder bekämpfen Schädlinge. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Ausbildungsvergütung liegt bei Bezahlung nach Tarif im Osten im ersten Lehrjahr bei 592 Euro und steigt auf 699 Euro. Das geht aus Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Im Westen bewegt sie sich zwischen 755 und 854 Euro.

Wer Revierförster werden und Fach- und Führungsaufgaben übernehmen möchte, kann statt oder nach der Ausbildung Forstwirtschaft an der Fachhochschule studieren. Im gehobenen Dienst, also für Revierleiter im öffentlichen Wald, wird ein Studium an einer Fachhochschule mit einjähriger Anwärterzeit vorausgesetzt. Angehende Forstamtsleiter müssen ein Universitätsstudium und ein zweijähriges Referendariat absolvieren. „An den Hochschulen geht es ums Management“, sagt Prof. Daniela Kleinschmit. Sie ist Leiterin des Lehrstuhls für Forst- und Umweltpolitik an der Universität Freiburg. Die Berufschancen für Absolventen sind in den kommenden Jahren gut. „Forstwirte werden im gehobenen und höheren Staatsdienst ebenso gebraucht wie in der privaten Wald- und Holzwirtschaft oder im Umweltschutz“, erklärt Kühling. „Wer sich für diesen Job entscheidet, sollte körperlich fit und abgehärtet sein“, sagt Wegner. Seit Stunden sägen er und seine Kollegen in der Herbstkälte an Bäumen und Ästen, ziehen sich mit den Armen hinauf, wickeln ihre Füße nach jedem Zug ums Seil, während die Baumwipfel bedrohlich hin und her schwanken. „Jeder Baum ist anders“, sagt der Forstwirt. „Man kann nicht einfach hinaufklettern und kranke Äste absägen.“

Die Liebe zur Umwelt ist für den Job unabdingbar. Und von ein bisschen Morgenkälte lassen sich Wegner und seine Kollegen die Laune nicht verderben. „Ich mache den Job schon seit 27 Jahren und kann mir nichts Schöneres vorstellen“, sagt der Forstwirt.

Weitere Informationen im Internet:
http://t1p.de/g8x7, http://t1p.de/anhb, http://t1p.de/zcuw

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