Einiges zu beachten

10.07.2017

© Sabine Rübensaat

Kinder unter 13 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden.

Die schönsten Wochen des Jahres nutzen viele Schüler und Studenten, um mit einem Job das Taschengeld aufzubessern und um Erfahrungen zu sammeln.

Die saisonale Beschäftigung von Jugendlichen kann für landwirtschaftliche Betriebe Vorteile bieten. Neben den zusätzlich helfenden Händen können sie Sozialabgaben sparen und vielleicht gleichzeitig noch schlaue und praktisch veranlagte Auszubildende oder Mitarbeiter für die Zukunft finden.

Nachfolgend ein Überblick (ohne Gewähr) zu den wichtigsten Gesetzen und Regelungen. Genaue Informationen gibt es bei den zuständigen Ämtern und Sozialversicherungen sowie bei der Minijobzentrale (www.minijob-zentrale.de).

Alter setzt Grenzen

Bei Jugendlichen unter 18 Jahren muss das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) beachtet werden. Jugendlicher im Sinne des JArb-SchG ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Grundsätzlich ist die Beschäftigung von Schülern, die noch nicht 15 Jahre alt und daher noch Kinder im Sinne des JArbSchG sind, verboten. Dieses Verbot gilt auch für Jugendliche, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen. Es gibt aber Ausnahmen, die eine Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Ferien- und Aushilfsjobs ermöglichen.

Kinder, die das 13. Lebensjahr vollendet haben, und Jugendliche, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen, dürfen mit Einwilligung der Eltern bis zu zwei Stunden, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben bis zu drei Stunden täglich leichten Arbeiten nachgehen, jedoch nicht vor dem Schulunterricht und nicht zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens. Als leichte Arbeiten gelten z. B. das Austragen von Zeitungen, Tätigkeiten im Haushalt wie Einkaufen, Kinderbetreuung, Nachhilfeunterricht, Versorgen der Haustiere, in landwirtschaftlichen Betrieben Ernte und Feldbestellung, Selbstvermarktung von Erzeugnissen und Tierversorgung. Nicht erlaubt sind Tätigkeiten in Betrieben der gewerblichen Wirtschaft.

Schüler ab 15 Jahren dürfen unter bestimmten Bedingungen mit Erlaubnis der Eltern in den Schulferien für höchstens vier Wochen pro Jahr (20 Arbeitstage) beschäftigt werden. Für ältere Jugendliche, die ihre Vollzeitschulpflicht bereits erfüllt haben, gibt es keine Begrenzung der Dauer des Ferienjobs. Für volljährige Schüler und Studenten gelten die normalen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes.

Nicht alles ist erlaubt

Gefährliche und schwere Arbeiten sind laut JArbSchG verboten. Dazu zählen das Bewegen schwerer Lasten, unfallgefährdete Tätigkeiten, Arbeit in Hitze, Kälte, Nässe oder Staub sowie der Umgang mit gesundheitsschädlichen und infektiösen Stoffen. Zum Beispiel dürfen Minderjährige nicht schweißen, Fahrzeuge führen, schneidende und fräsende Maschinen bedienen oder schwere Lasten heben und tragen. Außerdem darf nicht im Akkord gearbeitet werden.

Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren dürfen acht Stunden täglich und maximal 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden. In der Erntezeit dürfen es ausnahmsweise neun Stunden täglich sein, jedoch höchstens 85 Stunden pro Doppelwoche bei Jugendlichen über 16 Jahren.

Kinder unter 15 Jahren dürfen nur zwischen 8 und 18 Uhr arbeiten, Schüler über 15 Jahren dürfen zwischen 6 und 20 Uhr eingesetzt werden. In der Landwirtschaft dürfen Jugendliche über 16 Jahren zwischen 5 und 21 Uhr arbeiten. Normalerweise dürfen Jugendliche nicht an Wochenenden und Feiertagen arbeiten. In der Gastronomie und der Landwirtschaft sind Ausnahmen möglich. Arbeiten Jugendliche an einem Tag am Wochenende oder an einem Feiertag, haben sie Anspruch auf einen anderen freien Tag in der folgenden Woche. Mindestens zwei Wochenenden im Monat müssen aber beschäftigungsfrei bleiben. Jugendlichen müssen zur Erholung zwischen den Arbeitseinsätzen mindestens zwölf Stunden Ruhezeit gewährt werden. Sie müssen eine halbe Stunde Pause erhalten bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb bis zu sechs Stunden am Tag. Bei täglich mehr als sechs Stunden Arbeitszeit müssen die Pausenzeiten mindestens 60 min betragen. Für volljährige Ferienjobber gilt seit Januar der Mindestlohn von 8,84 €/h. Für Minderjährige gilt die Mindestlohnregelung nicht.

Beiträge zur Sozialversicherung

Schüler, die Lohn erhalten, sind grundsätzlich genauso wie andere Arbeitnehmer sozialversicherungs- und steuerpflichtig. Wer jedoch nicht mehr als 70 Tage pro Jahr oder drei Monate am Stück (Fünftagewoche) arbeitet, muss keinen Beitrag zur Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Die Regeln der kurzfristigen Beschäftigung gelten genauso für volljährige Schüler und Studenten. 

Bei kurzfristiger Beschäftigung hat der Arbeitgeber die Pflicht, den Schüler bei der Minijobzentrale an- und abzumelden. Er muss die Einkünfte des Schülers entweder mit der Lohnsteuerkarte oder pauschal mit 25 % Lohnsteuer (ohne Vorlage der Lohnsteuerkarte) versteuern. Letzteres ist nur möglich, wenn der Schüler nicht mehr als 18 Arbeitstage zusammenhängend beschäftigt ist und sein Arbeitslohn 12 € pro Stunde und 62 € pro Tag nicht überschreitet. In der Regel ist die Versteuerung nach der Lohnsteuerkarte günstiger, da bei den Lohnsteuerklassen I, II, III und IV keine Lohnsteuer anfällt. Es erfolgt nur eine Eintragung auf der Lohnsteuerkarte, aber kein Steuerabzug.

Schließt sich dieser kurzfristigen Beschäftigung jedoch eine Berufsausbildung an, besteht von Anfang an eine Versicherungspflicht. Das ist nicht der Fall, wenn auf den Ferienjob ein Studium folgt. Dann gelten die Regeln der kurzfristigen Beschäftigung.

Wer mit Lebensmitteln arbeitet, braucht eine Bescheinigung vom Gesundheitsamt über die Belehrung nach Infektionsschutzgesetz. FOTOS: SABINE RÜBENSAATDie Schüler, die auf über 70 Tage pro Jahr kommen, werden in aller Regel als „Minijobber“ (geringfügig Beschäftigte im Niedriglohnbereich) zu behandeln sein. Dann darf das Entgelt 450 € pro Monat nicht übersteigen. Bei diesen sogenannten 450-€-Jobs zahlt der Arbeitgeber für den Schüler eine Abgabenpauschale (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Steuern usw.) an die Minijobzentrale. Diese zentrale Stelle leitet die Teilbeträge an die Renten- und Krankenversicherungsträger sowie den Fiskus und die Kirchen weiter.

Studenten sind während des laufenden Studiums von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit, wenn die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden pro Woche nicht überschreitet. Von der Rentenversicherungspflicht sind sie nur dann befreit, wenn die Arbeit als kurzfristige Beschäftigung oder als Minijob einzustufen ist. Da Jugendliche meist nur ein geringes Einkommen beziehen, bleiben sie entweder steuerfrei, oder sie erhalten die abgeführte Steuer mit dem Lohnsteuerjahresausgleich zurück, wenn ihr Gesamteinkommen unter dem Einkommensteuerfreibetrag von 8 820 € pro Jahr liegt.

Absicherung bei Unfällen

Kommt es bei der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit zu einem Unfall, zahlt bei Schülern unter 18 Jahren die Krankenversicherung der Eltern. Diese tritt später an die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft heran und holt sich das Geld zurück. Alle anderen Arbeitsverhältnisse sind über die gesetzliche Unfallversicherung bzw. den Unfallversicherungsträger des Arbeitgebers abgesichert. In der Landwirtschaft ist das die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Werden Schüler oder Studenten während des Ferienjobs krank, haben sie auch ein Recht auf Entgeltfortzahlung. Dazu muss das Beschäftigungsverhältnis mindestens vier Wochen ununterbrochenen bestanden haben. Ähnlich verhält es sich beim Urlaub. Sobald ein voller Monat gearbeitet wurde, entsteht ein Urlaubsanspruch auf ein Zwölftel des gesetzlichen Mindesturlaubs von 24 Werktagen. Es ist aber auch zulässig, den vorhandenen Urlaubsanspruch nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses abzugelten.

Notwendige Hinweise und Unterlagen

Der Arbeitgeber muss vor Beginn der Beschäftigung, wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch, auf die vorhandenen Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz hinweisen. Die Jugendlichen sollten danach eine Erklärung unterschreiben, dass die Unterweisung stattgefunden hat und verstanden wurde. Der Arbeitgeber muss die erforderliche Sicherheitsausrüstung zur Verfügung stellen, und der Mitarbeiter muss sie benutzen.

Um Unstimmigkeiten von vornherein zu vermeiden, sollten die wichtigsten Rahmenbedingungen (Art und Ort der Arbeitsleistung, Umfang und Lage der Arbeitszeit, Vergütung usw.) auch bei einem Ferienjob vor Aufnahme der Arbeit schriftlich festgehalten werden.

Damit der Arbeitgeber pflichtgemäß seine Meldungen an die Sozialversicherung und an das Finanzamt vornehmen kann, benötigt er die Rentenversicherungsnummer (soweit vorhanden), die Steueridentifikationsnummer sowie eine aktuelle Schul- oder Studienbescheinigung.

Arbeitet der Schüler mit Lebensmitteln, zum Beispiel in der Direktvermarktung, benötigt er vor Beginn der Arbeitsaufnahme noch eine Bescheinigung über die Belehrung nach § 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz vom Gesundheitsamt. Die Belehrung darf nicht länger als drei Monate vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgt sein.

Für Schäden, die der Schüler oder Student im Rahmen des Ferienjobs im Betrieb verursacht, haftet meistens der Betriebsleiter oder die Aufsichtsperson. Je nach Grad des Verschuldens (grobe Fahrlässigkeit, Vorsatz) kann jedoch auch der Ferienjobber anteilig bis voll für den Schaden haften. Da in der Landwirtschaft Schäden schnell teuer werden können, empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf der themenbezogenen Homepage www.agrarjobboerse.de, vor Beginn der Beschäftigung Vorkehrungen zu treffen bzw. das Thema mit den Eltern minderjähriger Schüler zu besprechen. Am besten melden die Eltern den bezahlten Ferienjob ihres Kindes schriftlich der eigenen Haftpflichtversicherung.

FAZIT: Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren dürfen – mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern – bis zu zwei Stunden täglich arbeiten. Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahre dürfen bis zu acht Stunden täglich bzw. 40 Stunden in der Woche arbeiten. Zur Erntezeit dürfen Jugendliche über 16 Jahre neun Stunden täglich und bis zu 85 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Verboten sind für alle Minderjährigen gefährliche Arbeiten sowie Akkord- und Nachtarbeiten. Schüler und Studenten, die in den Ferien arbeiten, gelten als kurzfristig Beschäftigte. Der Job bleibt frei von Abgaben für die Sozialversicherung, solange er nicht länger als drei Monate am Stück dauert oder mehr als 70 Arbeitstage im Jahr umfasst. Mehrere kurzfristige Beschäftigungen innerhalb eines Kalenderjahres werden zusammengerechnet. Während der Arbeit stehen alle Schüler und Studenten unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherungen.

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