Digitale Medien: Gekommen, um zu bleiben

10.02.2014

© Annika Schäfer

Social Media Netzwerke

Wie aktiv ist die Agrarbranche? In Bezug auf die „neuen Medien“ stellte diese Frage Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur Eröffnung des DBV-Perspektivforums. Dieses fand anlässlich der Internationalen Grünen Woche statt.  Schwarz hatte vor ziemlich genau einem Jahr eine Webcam in seinem Abferkelstall installiert, die alle zwanzig Sekunden ein Bild veröffentlicht. Auf Facebook eingestellt, hatten die Bilder innerhalb weniger Tage Tausende Kommentare provoziert. Ein  sogenannter Shitstorm entstand.

Laut Duden ist das ein Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht. Mit solch heftigen Reaktionen hatte keiner gerechnet. Damit umzugehen, muss gelernt werden. Abschalten und aufhören wäre hier die falsche Entscheidung gewesen. In einer solchen Krisensituation ist es besonders wichtig, auf die Kommentatoren einzugehen und ihnen konstruktiv zu antworten.  Im Falle Schwarz wurde beispielsweise immer wieder erklärt:  Die Sauen sind in dem Ferkelschutzkorb für die Dauer des Säugens fixiert, damit die Ferkel nicht erdrückt werden, wenn sich die Sau legt. Neben Fragen trafen bei Schwarz allerdings auch immer wieder offensichtliche Provokationen ein. Mithilfe seiner Unternehmensberatung und eines langen Atems hat Werner Schwarz die Situation dennoch bewältigt. Die Kamera macht bis heute Fotos und stellt diese online. Ihm ist anzumerken, dass er darauf sehr stolz ist. 

Fester Bestandteil des realen Lebens

Wie sehr diese digitalen Medien in unserem Handeln und Denken verankert sind, verdeutlichte Prof. Maren Hartmann mit einem Foto. Auf diesem war ein Obdachloser mit Laptop zu sehen, der, eingehüllt in seinen Schlafsack im Schutz einer Mauer, im Internet surft. Es scheint, als sei der Zugang zu den digitalen Medien ein Grundbedürfnis in unserer Gesellschaft geworden, so die Professorin der Universität der Künste, Berlin. 

Eine perfekt umgesetzte Werbekampagne mittels Facebook, Twitter und YouTube präsentierte Michael Friedrich von Claas: Das Trecker-Taxi. Ein Claas Axion 900 wurde von Jean Pierre Kraemer und seinem Team von den PS-Profis zum stärksten Taxi der Welt umgebaut. In fünf kurzen Videos wurde die Umwandlung festgehalten. Fast von ganz alleine verbreiteten sich diese YouTube-Filmchen (http://bit.ly/1lg2cAo). Ausgangspunkt aber war ein Foto, dass Jean Pierre Kraemer mit den Worten gepostet hatte: „Männerspielzeuge unter sich … Ich glaub, da geht noch was … Mehr davon in der nächsten Woche – hier: JP Performance GmbH.“ Auf dem Foto sind sein getunter Nissan und der Claas-Trecker nebeneinander an einer Ampel zu sehen. Für den Erfolg einer solchen Kampagne braucht es neben einer minutiösen Vorbereitung und Planung auch eine gehörige Portion Glück, verriet ein weiterer Claas-Mitarbeiter. Das solch ein Projekt viel Geld und Arbeitskraft kostet wurde aber auch an diesem Beispiel deutlich.

Bewusster Einsatz erforderlich

Für ein „Ein-Frau-Marketing-Team“ ist sowas leider nicht umsetzbar, hielt eine Frau aus dem Publikum dagegen und fragte, wie sinnvoll es überhaupt sei, Social-Media-Aktivitäten zu betreiben. Oder ob es besser wäre darauf ganz zu verzichten. Die Antwort: Ein klares Jein. „Social-Media-Aktivitäten in einem Unternehmen oder Verband sind keine Arbeiten für Nebenbei, sondern stellen eine eigene Vollzeitstelle dar. Keinesfalls können diese Medien auch die klassische Werbung ersetzen“, informierte Frank Schroeter  von der Unternehmensberatung Engel & Friedrich.

Im Publikum befand sich Marcus Holtkötter, der als Vorzeigebeispiel für Social-Media-Einsatz in der Agrarbranche gilt. Der Landwirt und Blogger aus dem Münsterland twittert seit einiger Zeit als @BauerHolti. Auch wenn er während der Arbeit einen Tweet schreibe, ginge das ganz klar von seiner Freizeit ab, so Holtkötter.

Es ginge aber eben auch darum, sich als Landwirt einzubringen. Sich der Gesellschaft zu öffnen, die immer kritischer wird und von der ein immer stärkerer Gegenwind kommt, forderte in diesem Zusammenhang Vizepräsident Schwarz. Als ein gutes Werkzeug zur Öffentlichkeitsarbeit sollten die Social-Media-Aktivitäten angesehen werden.  Wem diese digitalen Medien liegen, der solle sie auch zur objektiven Aufklärung nutzen. Das heißt aber nicht, dass nun jeder „Facebook“, „Twitter“ oder „YouTube“ lernen muss. Viel eher gehe es darum zu verstehen, wie diese Art der Kommunikation funktioniert und wie sie positiv genutzt werden kann.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr