Beerenstarke Ideen

12.06.2017

© Detlef Finger

Auf dem Erdbeerfeld: Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert probiert von den süßen Früchten, die auf einer Fläche der beiden Jungunternehmer Peter Meinhardt und Wilhelm Lutz Wolff (v. r.) herangewachsen sind.

Peter Meinhardt (31) und Wilhelm Lutz Wolff (30) konnten am Montagvormittag voriger Woche einen prominenten Gast begrüßen: Agrarministerin Claudia Dalbert stattete den beiden Jungunternehmern einen Besuch ab. Auf einer Erdbeerplantage der studierten Landwirte in Peißen im Saalekreis überzeugte sich die Grünenpolitikerin vom Start der Saison und der Qualität der roten wohlschmeckenden Früchte.

Eigenes Standbein

Anfang 2013 starteten die beiden Junglandwirte unter dem Motto: „Genial Regional!“ mit der von ihnen gegründeten RegioFarmers GmbH im Haupterwerb mit dem Ziel, Beerenfrüchte und andere agrare Erzeugnisse regional zu produzieren und kundennah zu vermarkten. Zuvor hatten sie seit 2006 neben Ausbildung und Studium erste Versuche unternommen, sich mit dem Angebot zur Selbstpflücke der Früchte ein eigenes wirtschaftliches Standbein zu schaffen. Grundlage waren zu jener Zeit Flächen der elterlichen Betriebe, des Gartenbaubetriebs Meinhardt in Niemberg und des Marktfruchtbaubetriebs Wolff in Hohenthurm, beides wie Peißen Ortsteile der Stadt Landsberg.

Heute bewirtschaften die Regio-Farmer, die sich diesen Namen und das zugehörige Logo haben schützen lassen, nach eigenen Angaben rund 13 ha Erdbeeren (Selbstpflücke- und Produktionsflächen), die etwa 80 bis 90 % der Produktion ausmachen, sowie jeweils einen halben Hektar Himund Blaubeeren. Derzeit experimentieren sie mit Stachelbeeren, um ihr Produktportfolio zu erweitern. Das beschränkt sich mittlerweile längst nicht mehr nur auf die ausschließlich direktvermarkteten feldfrischen Früchte, sondern wurde um weiterverarbeitete Produkte ergänzt. So werden z. B. Marmeladen und Dipps auf Events wie Betriebsveranstaltungen oder Streetfoodaktionen angeboten. Ziel solcher Geschäftsideen ist es, die Saison über die Erntezeit der Beeren hinaus bis in den Dezember hinein zu verlängern.

Die Erdbeerpflücke begann in diesem Jahr aufgrund des kühlen Aprils und von Nachtfrösten erst mit einiger Verspätung um den Himmelfahrtstag. In normalen Jahren erstrecke sich die Kernzeit der Ernte der in verschiedenen Sorten (ausschließlich Geschmackssorten!) mit unterschiedlichen Reifezeiten angebauten Früchte von Mitte Mai bis Mitte Juli, erklärte Peter Meinhardt, der die Geschäfte der gemeinsamen GmbH führt.

Neben der Selbstpflücke werden die reifen Erdbeeren von rund 40 Erntehelfern, die ausschließlich aus Rumämien kommen, eingebracht. Etwa 100 Verkäufer bringen die Früchte dann an eigenen Verkaufsständen der RegioFarmers in einem Umkreis von bis zu 50 km bis nach Halle, Bitterfeld und Leipzig an die Kunden. Die aus Glasfaser gebauten Verkaufsstände haben die beiden Jungunternehmer selbst entwickelt. Wie Meinhardt versichert, sind die erntefrischen Beeren innerhalb von maximal fünf Stunden beim Verbraucher, und die Verkaufsware ist dank eines ausgeklügelten Systems bis hin zu Sorte, Feld und Pflücker rückverfolgbar.

Die Flächen werden gepachtet, von den elterlichen oder benachbarten Betrieben. Das Feld in Peißen gehört beispielsweise der örtlichen Agrarproduktionsgenossenschaft. Entscheidend für die Auswahl dieser Fläche war das Vorhandensein von Wasser für die Bewässerung der Feldkulturen. Die Bewirtschaftung erfolgt konventionell, Prämisse ist aber der Integrierte Pflanzenschutz. Seit 2016 ist die GmbH QS-zertifiziert. Für die über die Pflücke hinausgehenden Feldarbeiten kommen eine Handvoll Stammkräfte aus dem „Familienpool“ zum Einsatz.

Großen Wert legen die beiden innovativen Betriebsleiter auf eine möglichst 100-prozentige Transparenz ihrer Produktion. Dazu nutzen sie auch soziale Medien wie Facebook u.a., wo sie sehr aktiv sind. Natürlich darf mithin auch ein Internetshop nicht fehlen, über den man Erzeugnisse der RegioFarmers bestellen kann. Kunden habe man inzwischen in ganz Deutschland, sagt Wilhelm Lutz Wolff.

Kein Ramschpreis

Wie beide übereinstimmend betonen, gibt es ihre Produkte nicht zum Ramschpreis. „Wir fahren ein hochpreisiges Segment. Schließlich haben wir einen immensen Aufwand für die Produktion, und regionale Qualität darf nicht billig sein“, betont Peter Meinhardt.

Zu den betrieblichen Zukunftsplänen der Jungunternehmer gehören ein moderates Wachstum und der Ausbau der Eventaktivitäten. In punkto Produktionsverfahren wollen sie ab 2018 neben dem Anbau unter Vlies, der eine Verfrühung um zwei Wochen bringt, auch Erdbeeren unter Tunnel anbauen. Damit können sie den Erntestart um bis zu vier Wochen vorziehen, was die Saison wiederum verlängert. Allerdings bedarf das auch eines erheblichen Mehraufwandes, weiß Peter Meinhardt.

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