Von New York nach Neumark

08.08.2013

Die Cornell Universität New York zählt zu den besten Aus­bildungsstätten der USA für die Milchviehhaltung. Was war das Ziel Ihrer Reise?

Hauptzweck derartiger Reisen ist es, den Studenten eine Möglichkeit zu geben, mehr über die Landwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie sowie die Agrarpolitik und insbesondere die Milchproduktion in einem Land zu vermitteln, das einen weltweiten Einfluss auf die Branche  hat.

Von welchen Milchviehbetrieben waren Sie und die Studenten am meisten beeindruckt?

Die interessantesten Betriebe waren für uns die in Neumark und Sadisdorf. Der Umbau in den ostdeutschen Betrieben ist beeindruckend. Viele Ideen, die in neue Projekte einfließen, sowie die Ausführung des Bauprozesses sind Dinge, die wir übernehmen sollten. Auf Kuhkomfort legt man in den USA zwar schon längere Zeit Wert, aber jetzt kommt noch mehr Druck von den Verbrauchern, was den Tierschutz betrifft. Es wird auch mehr über Liegeboxendesign und Kuhverkehr nachgedacht.

Was macht man in den USA anders als in Deutschland?

Im Staat New York ähnelt vieles in der Milchviehhaltung der in Deutschland – Herdengröße, Art des Stalles, Grundfutterbereitung. Unsere besseren Betriebsleiter orientieren sich vielleicht etwas stärker auf die Milchleistung. Es gibt einige große Herden, in denen die Kühe je Tier und Tag auf 41 kg Milch kommen. Wir haben nicht die gleichen Rahmenbedingungen für „grüne Energie“, das ist ein Problem. Unsere Bauern erhalten einen Großhandelspreis für die erzeugte Elektroenergie und müssen die Einspeisungsleitungen selbst bauen. Das heißt, wenn sie eine Biogasanlage bauen, dient die Energie meist zur Eigennutzung. Auch wir in den USA sollten die Vorteile dieser neuen Technologie stärker nutzen. Das ist einer der Gründe, warum wir mit den Studenten hier sind.

Was können amerikanische Milchviehhalter noch von den deutschen lernen?

Die deutsche Milchwirtschaft ist führend in Forschung, technologischer Entwicklung und Umsetzung. Zum Beispiel sind die automatischen Kälbertränkautomaten neue Ideen und Konzepte, die wir gerade kennenlernen und beginnen zu nutzen.

Wie sehen Sie die weltweite Entwicklung der Milchproduktion?

Die Milchproduktion wird weltweit steigen, nur weiß noch niemand wo und wie. Der begrenzende Faktoren werden der Preis und die Verfügbarkeit von Land zur Futterproduk­tion, zur Nährstoffausbringung und die Wasserverfügbarkeit sein. China und Indien haben großes Potenzial für Wachstum, aber Hemmschuhe werden die Wasserverfügbarkeit und nutzbares Land sein. Es gibt noch andere Länder, die Möglichkeiten zum Wachstum in der Milchproduktion hätten, einige sind aber politisch nicht stabil, oder sie verfügen nicht über die nötige Infrastruktur.

In dem Maße, in dem Land und Wasser durch das Bevölkerungswachstum begrenzt werden, muss die globale Milchproduktion sich auf moderne Technologien verlassen können, die die Effizienz verbessern. In Zukunft wird die Gentechnik Pflanzen schaffen, die mit weniger Bodenfeuchte auskommen. Bestimmt werden auch Technologien entwickelt, die die Milchproduktion effizienter machen, denn wir werden nur eine begrenzte Anzahl Kühe auf der Welt halten können.

Wo liegen nach Ihrer Meinung die Leistungsgrenzen der Kühe?

Es gibt viele Kühe, die im Jahr schon auf 23 000 kg Milch und mehr kommen. Der Schlüssel ist,  herauszufinden, was die Kuh dazu in die Lage versetzt, dass sie so viel leistet. Durch Menge und Güte des Kolostrums für das Kalb in den ersten Lebensstunden beeinflussen wir z.B. die Futtereffizienz des her­anwachsenden Tieres bis zur Geschlechtsreife. Zudem wissen wir, dass das Nährstoffniveau in der Milch oder des Milchaustauschers die Leistungsfähigkeit des Tieres in der folgenden Laktation beeinflusst. Es ist ein lebenslanger Effekt, der in 2,5 Laktationen bis zu 4 000 kg Milch ausmachen kann. Das heißt, das Leistungspotenzial der Kuh haben wir längst nicht voll entschlüsselt, weil wir noch nicht genau wissen, welche Signale wir ihr senden müssen.

Wie wird der Kuhstall der Zukunft aussehen?

Die Gebäude werden weiterentwickelt, der Fokus wird weiterhin auf Kuhkomfort, Milchqualität und Arbeitseffizienz liegen. Es werden immer größere Herden unter den Dächern stehen. Mit steigenden Energiekosten wird es immer wichtiger, die natürliche Belüftung der Gebäude zu verbessern. In den USA sind ja in den letzten Jahren geschlossene Ställe mit Zwangsbelüftung ohne natürlichen Lichteinfall im großen Stil populär geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob das die Zukunft sein wird. Der Einsatz von Ventilatoren kostet viel Geld.

Was machen Ihre Studenten nach dem Studium?

Etwa 70 % werden auf ihren elterlichen Betrieb zurückkehren. Die anderen finden eine Anstellung auf einem großen Milchviehbetrieb. Weitere Karrieren unserer Studenten sind Agrarfinanzierungen, Marketing, Futtermittelberatung, Lehrausbildung, Ernährungsbranche, Handel oder Journalismus.

Das ausführliche Interview lest ihr in BauernZeitung Heft 18, S. 36, 37

 

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