Über Grenzen hinweg

01.07.2016

© Sabine Rübensaat

Wollen mit der Landwirtschaft weiter kommen: die Azubis Martin Engel und Anthea Altenau sowie ihr Ausbilder und Lehrer Thomas Götz.

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Seit mehr als 20 Jahren sind sie im Einsatz: Lehrer, Sozialpädagogen und Ausbilder der Bildungseinrichtung Buckow e. V. Die überbetriebliche Einrichtung, mit dem Schwerpunkt der beruflichen Bildung und Rehabilitation, hat ihren Sitz am Rande der Schorfheide im Landkreis Barnim. Neben einigen Handwerksberufen werden hier Helfer im Gartenbau, Hauswirtschaftshelfer, Fachpraktiker für die Küche und auch Landwirtschaftshelfer ausgebildet. Doch was macht diese Ausbildungseinrichtung so besonders?

Besonders sind ihre Azubis und ihre Form der Ausbildung. Denn das Ziel der Bildungseinrichtung ist es, benachteiligte Menschen so weit anzuleiten, dass ihnen berufliche Teilhabe gesichert ist. Damit eröffnet sich auch die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Integration. Die sogenannte Benachteiligung der jungen Leute besteht oft in Lernschwächen (Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, hyperkinetisches Syndrom). Aber auch, teils einhergehende, psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten (ADHS, Belastungs-, Anpassungsoder affektive Störungen) können dafür der Grund sein. Viele der jungen Menschen kommen daher bereits mit einem Förderschulabschluss nach Buckow. „Wir sind hier oft in einer Doppelfunktion unterwegs“, erklärt uns Karola Stephan, die fast seit Anbeginn mit dabei ist. „Das ist für die jungen Leute manchmal nicht ganz einfach zu unterscheiden – einmal bist du der strenge Lehrer, gleichzeitig sollst du aber auch eine Vertrauensperson darstellen.“ Doch die Ausbilder arbeiten hier nicht nur als Lehrer und Sozialpädagogen, sie müssen zusätzlich die Eltern und Praxisbetriebe im Auge behalten. Denn der Einfluss insbesondere aus dem Elternhaus ist groß und nicht immer von Vorteil. Gleichzeitig versuchen die Buckower die Azubis so früh und oft wie möglich mit der Praxis in Berührung zu bringen. Das soll ihr Interesse am Berufsleben wecken und helfen es zu halten. Dafür arbeiten sie neben den hofeigenen Ausbildungsplätzen (10 ha Ackerland und gut 1 ha Gemüsebau, Schaf-, Pferde und Legehennenhaltung) mit Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Da nicht alle relevanten Tierarten und Landmaschinen in Buckow vorhanden sind, gibt es direkte Kooperationspartner wie die benachbarte Agar GmbH Lichterfelde-Golzow. Dort werden die Lehrlinge unter anderem im Melken oder im Umgang mit Mutterkühen unterwiesen.

Von der Gründung 1992 bis zum heutigen Tag ist die Gartenbauingenieurin Heike Langner im Verein aktiv. Die Bereichsleiterin der beruflichen Bildung weiß, wie schwer es ist, solch eine Einrichtung dauerhaft zu etablieren. Derzeit bekommen sie von der Arbeitsagentur nur etwa zehn Jugendliche pro Ausbildungsjahr für den Bereich der Landwirtschaft zugeteilt. Gab es Ende der 90er Jahre insgesamt bis zu 450 Azubis in Buckow, sind es zurzeit nur 47. In den 90ern wurden hier bis zu zwölf Helferberufe ausgebildet. Gerade in den vergangenen Jahren schlägt jedoch der demografische Wandel und die Konkurrenz aus der Wirtschaft (verbunden mit weniger Zuweisungen) zu. Damit wurde nach und nach die Ausbildung in einigen der möglichen Berufsfelder mangels Teilnehmern ausgesetzt (Holzbearbeiter, Helfer im Gastgewerbe). Trotzdem sollen die Wünsche und Wahlrechte der Jugendlichen Berücksichtigung finden. Im berufsvorbereitenden Jahr können sie verschiedene Lehrberufe kennenlernen, bevor sie sich endgültig entscheiden müssen. Der ISO-zertifizierte Verein hat seit 2002 auch die Berufsschule am Standort integriert. Theorie und Praxis lassen sich so noch besser verbinden. Die derzeit insgesamt 13 angehenden Landwirtschaftshelfer leben in einem nahe gelegenen Wohnheim in Eberswalde, zu dem ein guter Nahverkehrsanschluss besteht. Weitere 23 Auszubildende kommen alle drei Wochen für fünf Tage aus ganz Brandenburg für den Berufsschulunterricht in die Schorfheide. Ihre praktische Ausbildung bewältigen diese direkt auf einem Landwirtschaftsbetrieb.

Der Verein in Buckow unterhält zudem auch zwei Flüchtlingsheime, eines davon mit unbegleiteten Minderjährigen. Insgesamt 60 Mitarbeiter kümmern sich jeden Tag um die Betreuung und Versorgung, den sozialen Frieden und die Bildung all dieser hilfebedürftigen Menschen. Dem gebührt außerordentlicher Respekt.

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