Schorlemer Stiftung vermittelt Auslandspraktika

08.08.2013

Herr Metzdorf, wie sieht das Programm für die Auslandspraktika der Schorlemer Stiftung aus? Was hat es zu bieten?

■ Wir haben zurzeit etwa 25 Partnerländer, in die wir Praktikanten vermitteln können. Dabei bieten wir Weiterbildungsaufenthalte in Europa und Übersee an. Die Bandbreite der Gastbetriebe im Ausland ist groß und erstreckt sich von Gemischtbetrieben mit Milchvieh- oder Schafhaltung, Rindermast oder Schweineproduktion, über reinen Ackerbau bis hin zu Lohnunternehmen. Wir gehen aber auch sehr gerne auf besondere Wünsche unserer Teilnehmer ein. Dabei legen wir Wert darauf, Praktika von hoher fachlicher Qualität und eine gute Betreuung zu bieten sowie die Möglichkeit, sich auch interkulturell weiterzuentwickeln. Unser Angebot richtet sich an junge Berufstätige und Studierende aus den „grünen Berufen“ und der ländlichen Hauswirtschaft. Pro Jahr vermitteln wir etwa 130 bis 150 Auslandspraktika. Die meisten der Bewerber möchten nach Übersee, der Favorit sind die USA, dann folgen Neuseeland und Australien sowie Kanada. In Europa ist Irland das gefragteste Land.

 

Derzeit werden auch Sonderprogramme für Auslandspraktika angeboten. Um was für Programme handelt es sich dabei?

■ Bei den Sonderprogrammen bieten wir unter anderem Praktika in Russland und Japan an. Sonderprogramme heißt, diese Programme erhalten eine besondere Förderung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium und eine besondere intensive Betreuung und Vorbereitung durch uns. Diese beiden Länder, Russland und Japan, stellen besondere Anforderungen an die Teilnehmer. Das Russlandprogramm beinhaltet einen dreimonatigen Aufenthalt im Sommer kommenden Jahres, im Gebiet Wolgograd. Und das Japanprogramm dauert natürlich länger, insgesamt sechs bis zwölf Monate. Voraussetzung für beide Programme ist eine fremdsprachliche Vorbereitung. Für das Programm in Russland sind noch Bewerbungen möglich. Interessierte sollten sich aber möglichst bald an uns wenden.

 

Welche Voraussetzungen müssen  die Teilnehmer an den Praktikantenprogrammen des DBV erfüllen?

■ Bewerben können sich junge Berufstätige aus den „grünen Berufen“ oder Studierende an agrarwissenschaftlichen Hochschulen, die eine mindestens sechsmonatige Praxiserfahrung nachweisen können. Für den Ersteinstieg in die Praxis sind unsere Programme nicht gedacht und nicht ausgelegt. Voraussetzung für die Teilnahme an unseren Auslandspraktika ist, dass die Teilnehmer mindestens achtzehn Jahre als sind.

 

Wie läuft das Auslandspraktikum organisatorisch ab? Welche Aufgaben übernimmt die Schorlemer Stiftung und worum muss sich der Praktikant selbst kümmern?

■ Wir nehmen den Praktikanten eine ganze Menge ab und begleiten sie von der Auswahl des geeigneten Programms bis zur Abreise. Bei größeren Teilnehmerzahlen bieten wir für einzelne Zielländer auch Orientierungsseminare vor der Abreise an. Dar­über hinaus kümmern wir uns um Visum, Arbeitserlaubnis und die Versicherung. In den einzelnen Ländern sind die jeweiligen Partnerorganisationen des DBV für die Praktikanten zuständig. Hier gibt es immer einen Ansprechpartner, der auch in einer Krisensituation weiterhilft. Wichtig ist, dass Interessierte sich spätestens vier Monate vor Beginn des geplanten Auslandsaufenthaltes direkt an uns wenden, um sich persönlich beraten zu lassen. Wir geben gerne Orientierungshilfe und gehen auf spezielle Vermittlungswünsche ein. Sollte ein Bewerber ein Stellenangebot ablehnen, so werden von uns Alternativangebote gemacht.

Wir haben vor allem drei Aufgaben: Individuell zu beraten, gut vorzubereiten und zu Qualität sichern. Aufgabe der Praktikanten ist es, selbst Regie zu führen, alle nötigen Unterlagen sorgfältig vorzubereiten und das Projekt Auslandsaufenthalt im persönlichen Umfeld gut abzustimmen. Wichtig ist, diesen Schritt aus eigener Überzeugung zu gehen und nicht auf Drängen der Eltern oder Ausbilder.

 

Welche Kosten kommen auf die Teilnehmer zu?

■ Die Teilnehmer müssen grundsätzlich Servicegebühren für die beteiligten Organisationen sowie länderspezifische Gebühren für Visum, Registrierung und ähnliches bezahlen. Für ein Praktikum in Übersee betragen die Gebühren rund 1.200 € und für Europa rund 600 €. Es gibt aber einen Zuschuss des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Die Förderung besteht aus einer kostenfreien Kranken- und Unfallversicherung für den Auslandsaufenthalt sowie einem gewissen Geldbetrag. Im Schnitt werden damit die Gebühren etwa zur Hälfte gemindert. Kost und Logis ist auf den Praktikumsbetrieben für die Praktikanten frei. Außerdem erhalten sie eine monatliche Vergütung von etwa 700 € in Übersee und von etwa 350 € in Europa.


Und was bringt ein Auslandspraktikum den Teilnehmern? Würden Sie es jedem empfehlen?

■ Ja, ich kann es jungen Fachleuten nur empfehlen. Denn ein Auslandspraktikum bringt alle diejenigen persönlich weiter, die voll überzeugt davon sind, diesen Schritt zu wagen, und für die der Zeitpunkt in die aktuelle Lebenssituation passt! Im Ausland muss ich mich sehr stark mit meinen Möglichkeiten und Grenzen auseinandersetzen. Gleichzeitig habe ich aber auch die Freiheit, mich auszuprobieren ohne die „Kontrolle“ und die Erwartungen meines gewohnten Umfelds. Diese Selbständigkeit trägt wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Die Erfahrung der anderen Kultur bringt mir andere Denkweisen, Wertvorstellungen und vielleicht auch ein anderes Selbstverständnis meines Berufsstands näher. Nicht zuletzt kann ich hervorragende Sprachkenntnisse erwerben. Im Gegensatz zu einem Schüleraustausch wirkt der Beruf wie eine Brücke. Von Beginn an sind meine ausländischen Gastgeber auch meine Kollegen. Natürlich erwirbt man durch ein Auslandspraktikum viel neues Fachwissen. Häufig haben die neuen Erfahrungen und die hinzugewonnene Flexibilität eine große Auswirkung auf spätere unternehmerische Entscheidungen oder den weiteren Bildungsweg der Absolventen. Nicht verkennen sollte man, dass Auslandserfahrung neue berufliche Perspektiven eröffnet. Ich denke, ein Auslandspraktikum lohnt sich bei guter Vorbereitung und Begleitung daher immer.

   

Das Gespräch führte Erik PilgermannBauernZeitung

 

Hier gibt’s Infos:

Ausführliche Informationen der Schorlemer Stiftung rund um die Auslandspraktika gibt es im Internet unter www.dbv-agrarpraktikum.de. Interessierte können sich auch direkt an Stefan Metzdorf von der Schorlemer Stiftung des DBV wenden, Internationaler Praktikantenaustausch, In der Wehrhecke 1, 53125 Bonn,

Tel. (02 28) 9 26 57 23 oder s.metzdorf@bauernverband.net

 

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