Netzwerke, Praktika & Co.

08.08.2013

Wen haben Sie zum Karriere- oder Berufsweg beraten?

Junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren, die am Anfang ihrer Ausbildung oder ihres Berufsweges stehen. Die meisten waren 22 bis 25 Jahre alt.


Wer führte die Beratung durch?

Die Beratung führten wir in einem Team von fünf bis sechs DLG-Fachleuten, die sich mit Personal beschäftigen, durch. Sie fand an allen Tagen der EuroTier und der Agritechnica für alle DLG-Mitglieder kostenlos statt. 


Was hat die Jugendlichen bewegt, die Beratung in Anspruch zu nehmen?

Sie wollen sich orientieren, bevor sie sich für einen Ausbildungsweg oder Beruf entscheiden, ob sie eher im Agribusiness oder in der Landwirtschaft, überregional oder regional arbeiten wollen. Außerdem möchten sie nähere Informationen über die unterschiedlichen Berufsbilder bekommen und Konkretes über mögliche Einsatzfelder erfahren.


Was waren die häufigsten Fragen oder Probleme?

Bei den Studenten, die vor dem Bachelorabschluss stehen, ging es darum herauszufinden, ob sie mit dem Master weitermachen oder direkt in den Job oder in die Praxis gehen. Zudem wollten einige wissen, ob sie sich für die Tierhaltung, den Pflanzenbau, die Ökonomie oder die Umweltsicherung entscheiden sollten.

Die Auszubildenden fragten sich: Gehe ich in die Praxis oder qualifiziere ich mich weiter, etwa durch ein Studium? Wie lässt sich das mit dem eigenen Betrieb verbinden? Welche Ausbildungsbausteine benötige ich noch?


Wie konnten Sie ihnen helfen?

Im Gespräch setzten wir uns intensiv mit dem Lebensweg des jungen Menschen auseinander. Wir schauten uns seine Wünsche und seine aktuelle Ausbildungssituation an. Zudem arbeiteten wir seine Neigungen heraus. Wenn ihm auffiel, dass etwas Bestimmtes fehlte, etwa ein Ausbildungsbaustein, oder man eine Alternative gefunden hatte, machte es manchmal förmlich klick. Geholfen hat sicher auch, den Horizont zu erweitern und weitere mögliche Arbeitsfelder aufzuzeigen. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass man sich selbst einschätzen und Prioritäten entwickeln muss. Wichtig ist auch der gute Umgang mit der eigenen Vita. Man sollte sich immer fragen: Was kann ich besonders gut, passt das zu meiner Ausstrahlung, gibt es weitere Möglichkeiten?

 

Welche Tipps geben Sie jungen Menschen im Rahmen der Karriere- und Berufswegberatung?

Für besonders wichtig halte ich, dass sie ein persönliches Netzwerk aufbauen. Außerdem müssen sie gute Praktika machen und in zwei bis drei Firmen mindestens zwei bis drei oder unter Umständen mehr Monate qualifiziert arbeiten. Die Tätigkeiten und Erfahrungen sollten sich ergänzen, wobei sie so weit wie möglich in einem bestimmten Rahmen eigene Verantwortung übernehmen. Auch hier gilt es, Prioritäten zu entwickeln. Das ist die Voraussetzung, um nachher eine Entscheidung über den Berufsweg treffen zu können.

 

Wie wurde der Bewerbungsunterlagencheck vorbereitet?

Wir haben uns Bewerbungsunterlagen zu einem fiktiven Stellenangebot zuschicken lassen. Die haben wir vor der Messe durchgearbeitet.

 

Was ist Ihnen bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen aufgefallen?

Die Anschreiben waren manchmal sehr floskelhaft und nach Schema F geschrieben. Der Lebenslauf war nicht gut strukturiert. Wir empfehlen den chronologischen Aufbau von jung (Anfang) nach alt. Das ist die amerikanische Art, die sich mehr und mehr durchsetzt. Außerdem gab es Mängel in der Sprache, und die Daten in der Vita stimmten nicht mit denen im Zeugnis überein.

 

Welche Tipps geben Sie für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen?

Das Anschreiben muss Personalverantwortliche und Betriebsleiter auf den Bewerber neugierig machen und ihnen zeigen: „Ja, der könnte der Richtige sein!“ Dazu gehört einerseits, dass die Seite in einer ansprechenden Form gestaltet ist. Vor allem muss man dort aber lesen können: Die ausgeschrieben Stelle interessiert mich aus folgenden Gründen … Die Begründung erfolgt dann präzise und knapp direkt auf die Stelle bezogen. Floskeln sind zu ­vermeiden. So simpel es klingt – der Lebenslauf sollte wie das Anschreiben unterschrieben und mit Datum und Ort versehen sein. Ein kleiner Tipp: Das Anschreiben muss man nicht in die Bewerbungsmappe einheften.

Einige Mängel taten sich unter anderem bei den Arbeitszeugnissen auf. Sie müssen aussagekräftig sein! Man sollte sich nicht mit ein paar Sätzen abspeisen lassen. Die Tätigkeit im Unternehmen muss vom Betrieb genau beschrieben werden, ebenso die Qualität der Arbeit.

Wenn eine Onlinebewerbung abgegeben wird, ist es auf jeden Fall besser, alle Unterlagen in nur einer PDF-Datei statt in mehreren einzelnen unterzubringen. In manchen Betrieben sind ausschließlich schriftliche Bewerbungen gefragt, dann sind am besten die handelsüblichen nüchternen Bewerbungsmappen zu verwenden.


Das Gespräch führte Annekatrin Pischelt

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