Mit Charme und Können

08.08.2013

Die Halle 25, für Kenner der Grünen Woche einfach die „Tierhalle“, war in den vergangenen Tagen wieder stark frequentiert. Was sicher nicht nur mit der speziellen Lage des Messegebäudes zu tun hat, das gewissermaßen als „Drehkreuz“ für die Besucherströme fungiert. Hier konnte man wie nirgendwo anders unterm Funkturm so tief eintauchen ins ländliche Leben, Rinder, Schafe, Pferde, Schweine aus allernächster Nähe sehen. Überdies standen regelmäßig Vorführungen im Großen Ring auf dem Programm, die jede Menge Informationen zu Haltungsbedingungen und Rassemerkmalen vermittelten. Wer es ganz genau wissen wollte, konnte die zahlreichen Stände der Zuchtverbände und

-organisationen ansteuern, um sich mit den Fachleuten zu unterhalten. Reichlich Gelegenheit dazu gab es auch am Stand der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH. Das Team hier, zumeist weiblich und bemerkenswert jung an Jahren, gab ebenso bereitwillig wie kompetent Auskunft – den am Austausch interessierten Berufskollegen, aber auch neugierigen Mädchen und Jungen.  

 

Milchkühe sind quasi Hochleistungssportler

 

Für Thekla Zachert, Zuchtinspektorin Milchrind, war die diesjährige Grüne Woche die mittlerweile achte, die sie aktiv begleitete. Ihr Fazit: „Das Interesse speziell an der Rinderhaltung hat gerade bei den jüngsten unserer Besucher zugenommen. Ich habe den Eindruck, dass zu Hause, aber auch in den Schulen mehr über das Thema Milchkuh gesprochen wird.“ Wobei Thekla schmunzelnd berichtet, dass ihr mehrmals die Frage gestellt wurde, warum die Milchrinder im Gegensatz zu den Fleischrindern so dünn seien. Sie habe daraufhin den Mädchen und Jungen klargemacht, dass die Milchkühe so eine Art „Hochleistungssportler“ seien. „Diese setzen die gesamte Energie, die sie übers Futter aufnehmen, in Milch um.“

Wie viele Liter geben diese Tiere täglich? Warum werden sie heute nicht mehr mit der Hand gemolken? Fragen, die daraufhin von den Minderjährigen kamen. Die Zuchtinspektorin verband die Antworten mit dem Hinweis darauf, dass die drei Milchkühe am RBB-Stand frühmorgens und zum späten Nachmittag gemolken werden. „Schaut zu und überzeugt Euch davon, wie angenehm das für die Kühe ist.“ Dies geschah zügig mithilfe einer mobilen Kannenmelkanlage, mit Hand wurde lediglich vorgemolken, um die Milch zu kontrollieren. Bei Bedarf konnten die jungen Standbesucher mithelfen, indem sie die Melkanlage an- und ausschalteten. Und stellten zu ihrer Überraschung fest, wie warm doch das frische Gemelk ist.


Eine Imagewerbung war es allemal

 

Eine Nachwuchswerbung also für die grünen Berufe? Thekla Zachert zögerte einen kurzen Augenblick. „Dafür sind die meisten der jungen Besucher noch zu jung gewesen. Aber eine Imagewerbung war es schon. Wir konnten zeigen, wie viel Mühe es macht, Lebensmittel zu erzeugen.“ Selbstverständlich erfolgten auch die anderen Arbeiten vor den Augen der neugierigen Besucher. Thekla und ihre Mitstreiterinnen sorgten dafür, dass die Tiere gefüttert und gereinigt sowie die Boxen regelmäßig ausgemistet und mit frischem Stroh versorgt wurden. Überdies gab es Informationen aus erster Hand darüber, dass es sich bei den drei Holsteinkühen namens Budapest, Bruni-C und Bansin um eine besonders leistungsstarke Nachzucht des Bullen Borsati handelt. Dieser gehört zu den renommierten RBB-Vatertieren, die nicht nur eine starke Milchleistung, sondern auch viele Fett- und Eiweiß-Kilo vererben.

Die Kühe wurden eigens für die Vorführungen auf der Grünen Woche ausgewählt, weil sie selbst  beim größten Trubel ruhig bleiben und sich gar streicheln lassen, berichtete Antonia Tersch. Demonstrativ legte sie der Milchkuh Budapest ein Halfter um und drehte mit ihr eine Ehrenrunde. Die junge Bürokauffrau, die 2011 ihre Ausbildung bei der RBB Rinderproduktion erfolgreich abgeschlossen hatte, ist seitdem im Marketingbereich des Zuchtunternehmens tätig. „Aber ich bin gern dabei, wenn es ans Vorführen der Tiere geht.“

Bereits im ersten Lehrjahr hatte sie die Gelegenheit auf der Grünen Woche genutzt. „Ich musste das einfach mal ausprobieren.“ Ist man da nicht aufgeregt, wenn einen  so viele Leute beobachten? Und was, wenn die Kuh nervös wird und gar auszubrechen versucht? Antonia lächelt. „Man muss sich voll und ganz auf das Tier konzentrieren. Am besten ist es, man spricht es vorher ruhig an.“ Außerdem habe sie von den älteren Kollegen erfahren, an welchen Stellen man scheuende Rinder berührt, um sie wieder zu besänftigen.


Bewerbungsgespräch war aufregender

 

Die Premiere mit der Färse vor drei Jahren sei gut verlaufen, versicherte Antonia. Und gab zu, dass sie beim Bewerbungsgespräch seinerzeit viel aufgeregter gewesen sei. „Das habe ich allerdings hinter mir.“

Dies gilt nun auch für die  diesjährige Grüne Woche. Es war eine gute Zeit mit vielen Begegnungen und interessanten Gesprächen, meinte Antonia. „Natürlich ist man hinterher immer ganz schön geschafft. Nach dem Abbau unseres Standes kann ich mir ein paar Tage frei nehmen. Aber danach freue ich mich schon wieder auf die nächste Ausstellung.“ Das wird die BraLa, Brandenburgs Landwirtschaftsausstellung, vom 9. bis 12. Mai in Paaren sein.


Eine Dreijährige als jüngstes Mitglied

 

Wie Thekla Zachert versichert, werden dort wie in den Vorjahren engagierte Jungzüchter an den Start gehen.  „Wir tragen unseren Landesausscheid aus, bei dem die Besten im Vorführwettbewerb sowie bei der fachgerechten Tierbeurteilung ermittelt werden.“ Sagt die Geschäftsführerin des eingetragenen Vereins, der mittlerweile rund 170 Mitglieder zählt. „Das jüngste Mitglied ist drei Jahre alt, die meisten unserer Mitstreiter sind im Alter bis zu fünfundzwanzig Jahren aktiv.“ In einem speziellen Trainingslager bereiten sich diese vorher auf den Ausscheid vor. Bis zu dem ist es nicht mehr lange hin, meint Thekla Zachert. „Kaum ist die Grüne Woche vorüber, steht schon die BraLa vor der Tür.“

 

Wolfgang Herklotz

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