„Ich will Landwirt werden“

07.10.2014

© Sabine Rübensaat

Als Ausbilder gibt Vorstandsvorsitzender Wilfried Lenschow gerne vor Ort sein Wissen an Lehrlinge und interessierte Jungfacharbeiter weiter.

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In der Agrargenossenschaft Bartelshagen I eG nahmen Anfang August drei Jugendliche die Ausbildung zum Landwirt auf. Norbert Heidendorf, Maik Steffen und Luis Stöwsand haben sich nach ihrer Schulzeit bei dem weithin bekannten Lehrbetrieb südlich von Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern) beworben. In den obligatorischen Aufnahmegesprächen bekundeten sie ihren Willen, nach der Ausbildung zum Landwirt diesen Beruf auch ausüben zu wollen. Nach drei Monaten – solange währt die Probezeit – entscheiden die Vertragspartner über die Fortsetzung der Ausbildung. In den vergangenen Jahren ist keiner ausgeschert.


In den ersten Wochen erhielten die Neulinge einen Einblick in die Agrargenossenschaft, die ein hohes Produktionsniveau erreicht hat und in der Region die Vorteile des integrierten Pflanzenschutzes demonstriert. Sie baut in geordneten Fruchtfolgen vor allem Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Mais, Vermehrungsgräser und Zuckerrüben an. Die Anfänger lernten zudem ihre Ausbilder, die beiden Vorstandsvorsitzenden der Agrargenossenschaft Wilfried Lenschow und Hartmut Subklew sowie die Betriebsagrarwirtin Claudia Dähmlow, kennen. Anfang September führte ihr Weg sie zur Berufsschule Jördenstorf, eine Außenstelle der Beruflichen Schule Güstrow. Pro Lehrjahr werden sie dort in mehreren Etappen unterrichtet – insgesamt 13 Wochen lang und 36 Stunden in der Woche.

 

Im zweiten Lehrjahr

Jonas Köppl kennt das ganze Prozedere schon. Er ist in Bartelshagen aufgewachsen, hat frühzeitig Interesse und Gefallen an der Landwirtschaft gefunden und sich nach dem Besuch der Realschule in der hiesigen Agrargenossenschaft erfolgreich um einen Ausbildungsplatz beworben. „Ich wollte und will nach wie vor Landwirt werden“, sagt der 18-Jährige. Mittlerweile absolviert er das zweite Lehrjahr, hat den Führerschein für Pkw erworben und kann bei Transportarbeiten, beim Stoppelsturz und der Bodenbearbeitung sein Können als Traktorfahrer erweitern und festigen. Im gefällt, dass nicht nur die Lehrausbilder alle acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen praxisnah und geduldig erklären, sondern auch die erfahrenen Facharbeiter gerne Rat geben und Fragen beantworten. „Ich kann mir einen besseren Ausbildungsbetrieb nicht vorstellen“, meint Köppl. Er möchte nach der Lehre hier gerne seinen Beruf ausüben.


Paul Gräfnitz aus Tressentin hat in diesem Jahr bereits seine Ausbildung zum Landwirt erfolgreich abgeschlossen und in der Agrargenossenschaft Bartelshagen I eine feste Anstellung gefunden. Damit hat er vorerst sein Ziel erreicht. „Ich löse hier vielfältige und verantwortungsvolle Aufgaben und verdiene bei guten Leistungen auch gutes Geld“, betont der Jungfacharbeiter. Er weiß, dass man sich weiterbilden und dadurch immer auf dem neuesten Wissensstand halten muss. Seine Überlegungen gehen dahin, in Zukunft eventuell mal einen Meisterkurs zu belegen oder eine Fachschule zu besuchen.

Björn Wischnewski hat 2012 die dreijährige Ausbildung zum Landwirt in der Agrargenossenschaft erfolgreich abgeschlossen. Er geht seither im Lehrbetrieb seiner Arbeit nach, pendelt täglich zwischen Ribnitz-Damgarten und Bartelshagen, wo sein Vater als Melker tätig ist und zwei seiner Onkel im Pflanzenbau beschäftigt sind. Von klein auf ist sein Interesse an der Arbeit in der Landwirtschaft gewachsen. „Ich wollte Landwirt werden und das bin ich jetzt gerne“, hebt der 22-Jährige hervor. Ihm gefällt die Vielfalt der Aufgaben, die in der Feldwirtschaft mit überwiegend moderner Technik in guter Qualität zu lösen sind. An diesem Tag zerkleinert er mit einer von einem Claas 880 Axion gezogenen Scheibenegge den Aufwuchs von Ausfallraps und Unkräutern auf einem Schlag, der mit Weizen bestellt werden soll.


Jungfacharbeiter Martin Wichmann hält auf dem Betriebshof in Kuhlrade den Getreidetrockner eigenverantwortlich in Betrieb. Seine Ausbildung zum Landwirt endete schon 2011. Sein Ziel war von Anfang an, sich für die fachgerechte Arbeit in der Landwirtschaft zu qualifizieren. Das ist ihm nicht leicht gefallen, aber er hat sich durchgebissen und alle Prüfungen bestanden. „Die Lehrausbilder haben mir sehr geholfen“, sagt Wichmann. Er ist mit den Arbeitsbedingungen in der Genossenschaft sehr zufrieden.

 

Eine tatendurstige Frau

Offensichtlich interessieren sich vor allem Männer für die Ausbildung zum Landwirt. Zu den wenigen Frauen, die sich in Bartelshagen I erfolgreich beworben haben, gehört Andrea Reinholtz. Im Anschluss an die Lehre hat sich die gebürtige Hamburgerin durch die Teilnahme in einer Schulung in Güstrow noch zur Agrarbetriebswirtin qualifiziert. Die selbstbewusste junge Frau war dann mit „Farm And Travel“ in Australien und arbeitete dort auf einer Ranch. Seit ihrer Rückkehr erledigt sie nun engagiert zuverlässig alle ihr übertragenen Aufgaben. Beispielsweise führt sie in dem Demonstrationsbetrieb integrierter Pflanzenschutz Bestandeskontrollen durch und leitet dabei Lehrlinge an. Wenn sie drei Jahre Praxisarbeit nachweisen kann, darf sie auch offiziell Azubis unterweisen und prüfen.


Die Agrargenossenschaft Bartelshagen I sorgt also zielstrebig für fachkundigen, fleißigen und flexibel einsetzbaren Berufsnachwuchs. Zurzeit sind im dem Ausbildungsbetrieb 39 Beschäftigte und sechs Lehrlinge tätig. „Wir investieren viel Zeit, Geld und Wissen in die Zukunft nicht nur unserer Genossenschaft“, erklärt Wilfried Lenschow. „Einige Absolventen gehen im gegenseitigen Einvernehmen ja auch in andere Betriebe und schließen dort Lücken im Fachkräftebesatz.“


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