Hochschule Anhalt – Offen für Größe

08.08.2013

Teil des Campus Strenzfeld mit Hauptgebäude, in dem auch der Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung seinen Sitz hat. © Detlef Finger

Die Hochschule Anhalt mit dem Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung dürfte wegen ihrer Lage in Ostdeutschland gut mit den hiesigen Agrarstrukturen vertraut sein. Wo sehen Sie den Studienort in der Agrarhochschullandschaft und wie positioniert er sich in der Ausbildung?

■ Wir sehen die Hochschule als einen Ausbildungsort, der inmitten einer zukunftsweisenden Agrarregion liegt. Man braucht kein Prophet zu sein um vorherzusagen, dass der Strukturwandel in größere Betriebseinheiten in der europäischen Landwirtschaft weiter voranschreiten muss, damit die EU-Betriebe international konkurrenzfähig werden können. Die Betriebsgrößenstruktur in den neuen Bundesländern ist in Deutschland und Europa – historisch bedingt – einmalig und kann als Vorbild dienen. Lediglich England kann im nationalen Durchschnitt Größen aufweisen, die als relativ günstig angesehen werden, aber nicht an die ostdeutschen Strukturen herankommen. Das ökonomische Gesetz des Skaleneffekts lässt sich nicht durch parteipolitische Vorgaben umdrehen. Insofern sieht sich die Hochschule mit ihren Studienangeboten im Bereich Landwirtschaft bzw. Agribusiness zukunftsweisend aufgestellt und sie positioniert sich entsprechend. Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns deshalb in der Produktionstechnik und im Management auf größere Betriebe – etwa ab 400 Hektar und mehr.

 

Prof. Dr. Bernd DohmenWas kann in Bernburg auf dem Gebiet der Landwirtschaft konkret studiert werden, und wen spricht man an?

■ Im Bereich des Direktstudiums mit Bachelorabschluss bieten wir den Studiengang Landwirtschaft an, der wie alle anderen Studiengänge der Hochschule akkreditiert ist. Insofern entspricht das Fächerspektrum den üblichen Anforderungen an ein Landwirtschaftsstudium. Doch die Inhalte sind an den Anforderungen größerer Betriebe ausgerichtet. Mit unseren Angeboten sprechen wir diejenigen jungen Leute an, die nach Erlangung der Hochschulzugangsberechtigung ein Studium der Landwirtschaft beginnen möchten. Eine weitere Besonderheit der Bernburger Ausbildung sind unsere Fernstudienangebote: Hier kommen die Studierenden an den Wochenenden – Freitagnachmittag und Samstag – zu Konsultationen, die das vorab ausgehändigte Studienmaterial vertiefen. Zudem sind Blockpraktika vorgesehen. Zielgruppe sind in diesem Fall Berufstätige im Agrarsektor, die einen ersten akademischen Abschluss für ihre berufliche Weiterentwicklung benötigen. Das Fernstudium kann sowohl ganz üblich als auch im dualen Modell absolviert werden. Im Letzteren sind die Teilnehmer im Sommersemester auf den Betrieben und im Wintersemester in das normale Direktstudium integriert. Aus meiner Sicht ist dies das attraktivste Studienmodell, das wir anzubieten haben.

Es gibt bei Ihnen den Masterstudiengang für Agrarmanager im Fernstudium. Was soll damit erreicht werden und welche Erfahrungen haben Sie?

 ■ Wir haben seit einigen Jahren einen MBA-Masterstudiengang (Master of Business Administration) Agrarmanagement. Hiermit möchten wir Hochschulabsolventen ansprechen, die bereits erste Berufs- bzw. Führungserfahrung haben und sich auf ihren Gebieten weiterqualifizieren wollen. Dieses Studium ist stark auf Fragen des Managements ausgerichtet und vertieft damit natürlich die für eine Führungskompetenz notwendigen sogenannten Soft Skills. Dabei arbeiten wir sehr intensiv mit Dozenten der Andreas Hermes Akademie des Deutschen Bauernverbandes zusammen. Wir haben bereits sehr gute Erfahrungen mit diesem Masterangebot. Die Rückmeldungen sind sehr positiv und die  ersten Absolventen sind bereits mit dem neuen Wissen und den erworbenen Kompetenzen in der Praxis angekommen. Sie haben uns bestätigt, dass es sich gelohnt hat.

 

Welche Kompetenzen können sich Agrarstudenten an der Hochschule aneignen und wozu brauchen sie diese später?

■ Für die Entwicklung der Lehrinhalte zur Kompetenzvermittlung waren folgende Qualifikationsziele maßgebend: Die Beherrschung von Produktions- und Kostenmanagement, die Fähigkeit zur Organisation und Steuerung von Beschaffungs- und Absatzprozessen, die Entwicklung einer auf modernen Entscheidungsinstrumenten beruhenden unternehmerischen Denk- und Entscheidungsweise sowie die Fähigkeit zu branchenübergreifenden Denken und Handeln. Mit diesen Kompetenzen sind die Absolventen gut auf die Praxis vorbereitet. Zusammen mit der späteren Berufserfahrung werden Theorie und Praxis dann ideal verbunden.

 

Wie reagieren Sie im Studium auf neue technische und gesellschaftliche Entwicklungen?

■ Die Dozenten und Professoren sind über Forschungsprojekte und Engagement in der Praxis mit den laufenden Entwicklungen vertraut. Grundsätzlich stehen wir dem technischen Fortschritt sehr offen gegenüber, weisen die Studierenden jedoch darauf hin, welche gesellschaftlichen Probleme mit der Einführung einer Neuerung verbunden sind. Das beste Beispiel dafür ist die Gentechnik: Wir zeigen ihnen die beeindruckenden Möglichkeiten, aber auch die offenen Fragen und verweisen auf die mangelnde Akzeptanz in Europa.

 

Welche Rolle spielen Globalisierung und Liberalisierung beim Wissenserwerb im Agrarbereich und an der Hochschule?

■ Globalisierung und Liberalisierung spielen bei uns eine wichtige Rolle. Deshalb sind wir sehr bestrebt, dass unsere Studierenden nach Möglichkeit Praktika im Ausland absolvieren. Dazu haben wir zahlreiche Kooperationen mit ausländischen Hochschulen, die die Basis dafür bilden. Aus den Aufenthalten vor Ort wird die Bedeutung der Globalisierung ganz deutlich.

 

Welche Chancen haben Absolventen Ihres Fachbereiches im Berufsleben?

■ Wir sehen die Berufschancen für unsere Absolventen insgesamt recht positiv. Für die neuen Bundesländer tun sich sehr gute Chancen durch die demografischen Besonderheiten auf. In den nächsten Jahren werden zunehmend Führungskräfte im Agrarbereich gesucht. Bereits heute nehmen unsere ehemaligen Studenten Führungspositionen ein: Sie arbeiten als Produktionsleiter in der Tier- und Pflanzenproduktion, sind Verkaufsberater oder sogar schon Gebietsleiter in der vor- und nachgelagerten Industrie der Landwirtschaft. Selbstverständlich haben einige Absolventen schon die Nachfolge im elterlichen Betrieb angetreten. Hier studieren nicht nur junge Leute aus Ostdeutschland, sondern zunehmend Jugendliche aus westlichen Bundesländern. Beim Fernstudium trifft sich bei uns außerdem ganz Deutschland.

 

 

Das Gespräch führte

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