Grünes Blut und die Triebkraft der Neugier

08.08.2013

Zehn Betriebe in drei Wochen – das ist das selbst auferlegte und damit vergnügliche Pflichtprogramm, wenn sich Peter Meinhardt mit einem ebenso neugierigen Kollegen wieder einmal in die Welt aufmacht. Der 26-Jährige, der Praktika in den USA, Spanien und Brasilien absolvierte, hat bereits für die Ausbildung zum Zierpflanzengärtner seinen Fuß über die Schwelle des Elternhauses gesetzt.

Die Lehre durchlief er in Südwestdeutschland, in einem der besten Vermehrungsbetriebe für Jungpflanzen hierzulande, 500 Kilometer von Zuhause entfernt. Sich mit 17 – als bekennender „Rebell“ - in einen großen, durchstrukturierten Betrieb einzuordnen und sich gleichzeitig zu behaupten, sei schwer gewesen, sagt Meinhardt. Aber es schule soziale Kompetenzen ungemein. Sein Ausbildungsbetrieb revanchiert sich für Engagement und ungebremste Neugier mit Möglichkeiten, von denen andere Azubis nur träumen können, sponsort Auslandsreisen, Messebesuche.

Als Praktikant in Kalifornien

Der aus einer alteingesessenen Gärtnerfamilie stammende Niemberger  beendet die Lehre ein halbes Jahr vorfristig und geht anschließend zu Praktika nach Kalifornien. In einem großen Vermehrungsbetrieb befasst er sich intensiv mit Kulturführung, optimiert auf seiner zweiten Station ein Stabilisierungssystem für Pflanzen. Eine Lösung, die in Deutschland noch niemand anwendet. In den USA werde einem Praktikanten, wenn der sich nicht allzu dumm anstelle, schon nach  kurzer Zeit Verantwortung übertragen – anders als in Deutschland. „Ich habe dort eigenständig Angebote eingeholt, Kosten angefragt, bereits im zweiten Monat Erdsendungen in Dimensionen bestellt, man vertraute mir einen Teil der Anbauplanung an.“

An den Wochenenden tourt der Anhaltiner auf eigene Faust durch den Bundesstaat, um sich weitere Betriebe anzusehen. Don’t  stop  questioning – höre nie auf, Fragen zu stellen: Albert Einsteins Wort wird sein Lebensmotto. 

In Kontakt mit der halben Welt

Nach Deutschland zurückgekehrt, macht Peter Meinhardt die Fachhochschulreife in Osnabrück. Das hieß: tagsüber arbeiten, abends lernen. „Es war leistungstechnisch mein härtestes Jahr“, blickt er zurück. Anschließend studiert er internationalen Gartenbau und Betriebsführung an der HAS den Bosch University in den Niederlanden, einer in dieser Branche führenden Hochschuleinrichtung  Europas. „Man sollte die beste Ausbildung machen, die man kriegen, auch für die nächste Generation, um den Weitblick nicht zu verlieren“,  kommentiert Meinhart.

Derzeit schreibt der 26-Jährige für den größten Zierpflanzenproduktionsbetrieb Europas seine Bachelor-Arbeit zum Thema Kundenakquise und Kundenführung vor dem Hintergrund der Tatsache, dass  nicht nur der reine Verkauft, sondern auch Events im Gartenbau eine immer größere Rolle spielen. Seine berufliche Zukunft sieht er, der auch Angebote aus der Industrie und aus dem Ausland hat, dennoch (mit hoher Wahrscheinlichkeit) in Sachsen-Anhalt. Fachlich geht der Zug  in Richtung Ziergemüse, in den Snackbereich. Auch dafür sind seine in neun Jahren geknüpften Netzwerke von Wert. Wer zum Beispiel wissen will, wer in der Türkei Tulpen produziert und wie, Peter Meinhardt hilft. Der sagt: „In dem Kontakt mit Freunden auf der halben Welt relaxe ich, das sind meine Ruhezeiten.“

Peter Meinhardt wurde mit dem Internationalen DLG-Preis 2011 ausgezeichnet.

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