Grüne Berufe, Teil 2

07.03.2013

In einem sind sich die Auszubildenden, die wir hier mit ihren Berufen vorstellen, einig: Sie lernen das Richtige, denn Landwirtschaft hat Zukunft. Die ausführlichen Geschichten der Azubis und ihrer Ausbildung findet Ihr übrigens in BauernZeitung Heft 18/2012.

 

Milchwirtschaftliche Laborantin: Freude an Chemie 

Biologie und Chemie lagen Elisa Stolle schon in der Schule. Für die Ausbildung zur Milchwirtschaftlichen Laborantin in einer Molkerei erfüllte die Thüringerin damit eine wesentliche Voraussetzung: die Freude am naturwissenschaftlichen Denken. Hinzu kam ihr Interesse an Ernährungs- und Gesundheitsfragen.

 

Bevor Elisa 2010 ihre Ausbildung begann, lud sie das Milchwerk Erfurt vom DMK (Deutsches Milchkontor GmbH) zwei Tage lang zum Probieren ein. Natürlich nicht, um an Milch, Käse, Quark, Joghurt oder Babynahrung zu naschen. Obwohl auch das gelernt sein will: In der Fachsprache heißt das Sensorikprüfung.

 

Theorie und praktische Grundfertigkeiten bekommen alle ostdeutschen Molkereifachleute an der Milchwirtschaftlichen Lehr- und Untersuchungsanstalt in Oranienburg (MLUA) in insgesamt 13 Wochen vermittelt. Dazu kommen vier Wochen ergänzende Kurse. Im ersten Jahr lernte Elisa hier Gewichts- und Maßanalysen durchzuführen, mikroskopische Präparate anzufertigen oder das Desinfizieren und Sterilisieren, eben die Grundausrüstung für Laboranten. Im zweiten Lehrjahr wird es spezieller, etwa mit der mikrobiologischen Probennahme, dem Bestimmen des Fett- und Eiweißgehaltes der Rohmilch oder dem Messen des Wassergehaltes und pH-Wertes bei Butter. Die Oranienburger Ausbildungslabore und die Lehrmolkerei sind auf dem modernsten Stand. Untergebracht sind die Azubis im Internat.

 

Das Wissen wendet Elisa im Labor des Erfurter Milchwerkes an. Jede gelieferte Rohmilchpartie wird dort im Labor untersucht. Die höchsten hygienischen Standards in den Molkereien sind mit ein Grund dafür, dass ausgebildete Milchwirtschaftliche Laboranten in der gesamten Lebenmittelbranche gefragt sind. Elisa, die von einem Bauernhof stammt, will in Erfurt bleiben. Ob sie noch ihren Meisterabschluss macht oder gar Lebensmitteltechnologie studiert, lässt sie sich offen.

 

Milchtechnologe: Alleskönner mit Verantwortung

Sascha Richter ist froh, dass er 2010 einen Ausbildungsvertrag beim Milchwerk Erfurt der DMK Deutsches Milchkontor GmbH abgeschlossen hat. Milchtechnologe ist sein Ding. Selbst wenn man im Schichtdienst arbeitet. Die Abwechselung begeistert ihn. Der Milchtechnologe, der bis 2010 Molkereifachmann hieß, ist im gesamten Produktionsprozess einer Molkerei gefragt: ob Sascha vom Maschinenraum die Computer gesteuerte Rohmilchverarbeitung überwacht, das korrekte Arbeiten der automatischen Abfüllanlagen kontrolliert oder die Maschinen reinigt.

 

Trinkmilch, Butter, Käse oder Joghurt entstehen in biologischen Prozessen. Dieses Wissen und das um die Rezepturen, aber auch Laborkenntnisse, werden an der Berufsschule, der Milchwirtschaftlichen Lehr- und Untersuchungsanstalt in Oranienburg (MLUA), vermittelt. 13 Wochen im Jahr ist Sascha in Oranienburg, wo eine hochmoderne Lehrmolkerei für die Azubis bereitsteht.

 

Der Unterricht erfolgt überwiegend in selbstständiger Gruppenarbeit. Statt in einzelnen Fächern eignen sich die künftigen Milchtechnologen ihr Wissen in Komplexen an. Als Beispiel nennt Sascha das Thema Rohmilchannahme, wo im Unterricht alle für die Praxis relevanten technischen Arbeitsschritte, hygienischen Anforderungen oder Dokumentationsaufgaben abgehandelt werden. Diese Form des Lernens mache richtig Spaß.

 

Wegen ihrer Verantwortung für höchste Qualität und Hygiene genießen Milchtechnologen in der Lebensmittelbranche einen guten Ruf. Sascha steht nach erfolgreichem Lehrabschluss der Weg zur Weiterqualifizierung als staatlich anerkannter Techniker oder als Meister offen.

 

Vom Angler zum Fischwirt

Karpfen, Zander, Hecht, Aal, Barsch, Wels, Maräne und Schleie sind die Hauptfischarten, die im Fischereibetrieb Muldestausee von Tom Bernau bei Bitterfeld erzeugt und verarbeitet sowie vom Fischhandelsbetrieb Beate Richter vor allem im Laden ab Hof vermarktet werden.

 

Benjamin Wolf geht bei dem Binnenfischer in die Lehre. Der Schwerpunkt seiner dreijährigen dualen Ausbildung zum Fischwirt liegt auf der Seen- und Flussfischerei, der neben Bernau nur ein knappes halbes Dutzend der 18 Fischereibetriebe Sachsen-Anhalts nachgeht.

Zum Beruf Fischwirt ist der junge Zörbiger durch sein Hobby, das Angeln, gekommen. Der erfahrene Ausbilder Tom Bernau weiß, dass sich die Anforderungen an den Beruf nach der Wende geändert haben. Meist sind es kleinere Betriebe, die heute den Fisch fangen, verarbeiten und vermarkten. Ein Fischwirt sollte eine gute Gesundheit, körperliche Fitness und hohe Belastbarkeit mitbringen. Es ist ein harter Job, nahezu alles wird in Handarbeit erledigt. Flexibel bei den Arbeitszeiten muss ein Fischer sein, denn er arbeitet in und mit der Natur, was andererseits für die anstrengende Tätigkeit entschädigt.

 

„Die schönste Arbeit ist, wenn wir mit dem Boot rausfahren und die Netze heben“, verrät Benjamin. „Der Fang ist jedes Mal eine Überraschung.“ Auch die anderen Arbeiten, etwa das Verarbeiten und Vermarkten des Fischs, das Bauen und Stellen der Fanggeräte oder das Umsorgen der Fische und Gewässer, machen ihm Spaß. Die theoretische und überbetriebliche Ausbildung absolviert Benjamin im sächsischen Königswartha, wo er dann im Internat wohnt, und in Bautzen – insgesamt 13 Wochen Berufsschule pro Lehrjahr, in der Regel 14-tägige Blöcke. Den Rest des Jahres geht er Tom Bernau auf dem Betriebshof in Friedersdorf und den eigenen oder gepachteten Gewässern zur Hand.

 

Brenner oder Destillateur: Nicht nur Erzeuger „edler Tropfen“

Jens Steller ist 24 Jahre alt und Destillateur: „Seit Juli 2011 habe ich meinen Abschluss als Destillateur und arbeite in meinem Ausbildungsbetrieb, der Loburger Brennerei GmbH in Loburg in Sachsen-Anhalt. Es hatte mich interessiert, wie und woraus man Schnaps herstellt. Der Beruf gefällt mir, weil er vielseitig ist. Du hast mit vielen unterschiedlichen Produkten zu tun. Sie werden auf verschiedene Weise hergestellt, und jedes hat einen speziellen Geschmack.

 

Du solltest Chemie mögen. In der Schule war ich nicht unbedingt der Leistungsbeste in dem Fach. In der Berufsschule fiel es mir leichter, weil ich das Gelernte gleich anwenden konnte. Außerdem musst du in Mathe gut sein. Einen Teil der Arbeit kannst du dir so vorstellen: Für einen Getreidebrand wird zum Beispiel Weizen gemahlen und eingemaischt. Mit Enzymen und Hefe kommt alles in einen Behälter. Drei Tage lässt man die Masse gären, bevor der Alkohol in einem Kupferkessel gebrannt wird. Aus Getreide wird außer Schnäpsen auch Bioethanol für Kraftstoffe hergestellt, wie im Unternehmen Verbio in Schwedt. Dort arbeiten auch Brenner.

Ich bin Destillateur. Der Brenner stellt den Rohalkohol her. Das kann ich auch. Ein Destillateur macht mehr. Ich kann zum Beispiel Feinbrände und Schnäpse produzieren. Als Destillateur brauchst du eine gute Nase feinen Geschmack.

In der Berufsschule (Fritz-Henßler-Berufskolleg der Stadt Dortmund) werden Brenner und Destillateure unterrichtet. Dort lernst du Theorie und Praxis des Brennens und Destillierens. Du brauchst aber einen Ausbildungsbetrieb. Mit dem Destillateurabschluss hast du später verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel kannst du außer in die Brennerei in die Pharma-, Aromen- oder Parfümindustrie gehen. Alles hat mit Destillieren zu tun."

 

Landwirtschaftlich-technischer Assistent: Interesse an Bio und Mathe

Andree Fischer, 18, lernt den Beruf landwirtschaftlich-technischer Laborant. „Ich habe mich schon lange für Biologie interessiert und war immer gerne an der frischen Luft. Nach der 10. Klasse habe ich mich bei dem Saatzuchtunternehmen KWS zur Ausbildung beworben. Die Arbeit auf den Freiflächen und in den Laboren ist genau das Richtige. Du solltest Interesse an Pflanzen haben, auch Mathe und Biologie sind wichtig. Außerdem brauchst du Fingerfertigkeit z.B. für Laborarbeiten.

 

Zwei Jahre habe ich bei den Versuchsfeldern und in den Gewächshäusern verbracht, das dritte im Labor. Hier werden die Pflanzen in vitro, also „im Glas“, vermehrt. Tatsächlich wachsen die Pflanzen bei uns in kleinen Containern auf. Es sind Zuckerrüben-, Raps-, Weizen- und Gerstenpflänzchen. Sie werden an andere Züchter geschickt, die sie dann weiter bearbeiten. In der KWS beschäftigt man sich auch mit Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Mais. Hier gibt es viele Abteilungen, die man während der Ausbildung anschauen kann.

 

Die ersten zwei Jahre war ich beim Raps, für den Freiflächenversuche angelegt und Leistungsprüfungen gemacht werden. Dabei werden Ertrag und Qualität der Sorte überprüft. Ich war auch im Gewächshaus, wo Pflanzen gekreuzt werden. Die Freilandarbeiten sind deshalb spannend, weil man von der Aussaat bis zur Ernte über die Düngung, die Pflege und den Pflanzenschutz alles mitmacht. Bei den Pflanzen habe ich das äußerliche Erscheinungsbild zu begutachten. Eine Aufgabe ist es, die Resistenz gegen Krankheiten festzustellen.

 

Als landwirtschaftlich-technischer Laborant kannst du in landwirtschaftlichen Versuchsbetrieben wie Saatzuchunternehmen oder Universitäten mit landwirtschaftlichen Versuchsabteilungen oder in weiteren landwirtschaftlichen Laboren arbeiten. Eine ähnliche Ausbildung ist der agrarwirtschaftlich-technische-Assistent, er hieß früher landwirtschaftlich-technischer Assistent. Die KWS und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind bundesweit derzeit die einzigen Ausbildungsbetriebe für den landwirtschaftlich-technischen Laboranten.“

 

Forstwirt: Wald ist das Schönste

Michaela Wenzel (20) und Christian Schulz (23) lernen den Beruf Forstwirt beim Landesbetrieb Forst Brandenburg an der Waldarbeitsschule Kunsterspring:

 

Michaela: Wald ist für mich das Schönste. Ich wollte schon immer etwas in der Natur machen. Seit einem Jahr bin ich selbst Jägerin, und seit August 2011 lerne ich hier Forstwirtin.

Christian: Im Oberstufenzentrum in Neuruppin haben wir die Theorie, die Praxis in Kunsterspring. Das wechselt alle zwei Wochen. Eigentlich sind wir immer draußen. Unser Beruf ist vielfältig. Wir pflanzen und pflegen die Bäume, erhalten den Wald für die Nachwelt.

Michaela: Im ersten Jahr lernen wir z.B. neben den Baumarbeiten Bodentypen und Pflanzen zu bestimmen. Außerdem haben wir Fächer wie Deutsch, Englisch und Mathe, speziell Fachrechnen, und Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, Ergonomie in der Arbeit und Sport.

Christian: Weil wir das ganze Jahr in der Waldarbeitsschule sind, konnten wir die Vielfalt aller praktischen Bereiche kennenlernen. Hier findet auch die überbetriebliche Ausbildung statt.

 

Christian: Die Ausbildung ist manchmal auch hart. Zum Beispiel in diesem Winter bei minus 20 Grad im Wald.

Michaela: Ja, zäh muss man sein. Im ersten Lehrjahr muss man hier im Sommer eine Feuchtwiese mähen. Mit elektrischer und normaler Sense. Ich habe mir gesagt, wenn du das schaffst, dann schaffst du die Ausbildung. Mir taten tagelang die Knochen weh. Außerdem musste ich mir als einzige Frau unter 32 Jungs im ersten Lehrjahr Respekt verschaffen.

Christian: Das hast du gut hingekriegt.

 

Michaela: Als Forstwirt kann man später auf vielen Gebieten arbeiten. Z. B. in der Baumschule, in einer Straßenmeisterei, im Garten- und Landschaftsbau.

Christian: Nach dem Abschluss will ich im Ausland, zum Beispiel in Finnland, als Forstmaschinenführer und als Zapfenpflücker arbeiten. Diese Qualifikationen können wir in der Ausbildung zusätzlich erwerben.

Michaela: Ins Ausland würde ich auch gern gehen, zum Beispiel in die Schweiz oder nach Frankreich. Aber erst mal möchte ich Forstwirtschaft studieren.

 

Berufsjäger: Lebensräume und Arten erhalten

Sven Schulz, 25 Jahre: „Ich stamme aus einer Jäger- und Försterfamilie und bin mit der Jagd aufgewachsen. Mit fünf war ich das erste Mal mit meinem Opa  dabei. Wir leben in Thüringen, im Eichsfeld. Ich liebe es, ständig draußen zu sein, und ich mag das Wild. Ich möchte in der Land- und Forstwirtschaft etwas bewegen, Lebensräume schaffen und Arten zu erhalten helfen. Dazu gehört unter anderem, Wildäsungsflächen anzulegen.


Als Berufsjäger bist du das ganze Jahr draußen. Das heißt, auch bei plus 40 oder minus 20 Grad. Wie lange du arbeitest, hängt vom Wetter ab. Jäger bejagen bestimmte Tiere wie Raubwild, um andere zu fördern und die Bestände zu regulieren. Dazu gehören bedrohte Arten wie Bodenbrüter, Hase oder Rebhuhn.


Seit meinem Lehrabschluss im März 2012 arbeite ich in der Nähe von Bonn. Mein Revier ist 2 300 ha groß. Davon umfasst das Feldrevier 2 000 ha und das Waldrevier 300 ha. Ich betreue alles alleine, spreche mich natürlich mit meinem Vorgesetzten ab. Wenn du Revierjäger werden willst, musst du selbstständig arbeiten können, kontaktfreudig sein, zum Beispiel, wenn Wildschäden zu klären sind. Du musst dich ständig weiterbilden und die Natur lieben. Du solltest dich schon mit Hunden beschäftigt haben. Wir werden zum Beispiel mit unserer Thüringer Stöberhundegruppe regelmäßig von November bis Anfang Januar zu Jagden angefordert.


Es gibt außer in Bayern bundesweit ein Grundberufsfachschuljahr in Northeim. Drei Viertel der Zeit bist du in der Schule und ein Viertel in Deinem Ausbildungsbetrieb. Ab dem zweiten Jahr geht es in die Betriebe. Es ist ratsam, im zweiten und dritten Jahr in verschiedenen Revieren zu lernen. Ich war erst in Nordbrandenburg im Hochwildrevier tätig. Dazu gehören Rot-, Schwarz-, Dam- und Rehwild. Im folgenden Jahr war ich am Niederrhein im Nieder-

wildrevier. Dazu gehören Hase, Fasan, Rebhuhn, Enten und Gänse. In Bonn gibt es Hoch- sowie Niederwild.


Als Berufsjäger kannst du auch in Hegegemeinschaften, nach einer zusätzlichen Qualifikation in Behörden oder nach einem Studium in der Wildforschung arbeiten. Nach der Meisterausbildung bist Du Revierjagdmeister. Später kannst Du zum Revieroberjäger und bei besonderen Verdiensten nach einer langen Arbeitszeit zum Wildmeister ernannt werden. Ich will demnächst an die Meisterschule gehen und später Revierjagdmeister werden."

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