Grüne Berufe, Teil 1

07.03.2013

In einem sind sich die Auszubildenden, die wir hier mit ihren Berufen vorstellen, einig: Sie lernen das Richtige, denn Landwirtschaft hat Zukunft. Die ausführlichen Geschichten der Azubis und ihrer Ausbildung findet Ihr übrigens in BauernZeitung Heft 18/ 2012.

 

Landwirt - der versierte Allrounder

Landwirt ist man, oder man wird es nicht – in diesem Satz steckt für Katharina Oel, 19 Jahre, die den Beruf im Lehr- und versuchsgut Köllitsch, Sachsen lernt, viel Wahres. Er ist vielseitig. „Man hat im Stall zu tun, man arbeitet draußen, kann mit Technik umgehen – und arbeitet manchmal im Büro.“ Derzeit arbeitet sie in der Sauenanlage mit. Der Umgang mit Tieren gefällt ihr, aber auch der Feldbau. „Mir macht beides Spaß“, sagt Katharina.

 

Der Beruf verlangt einiges ab. „In der Erntezeit hat man mituner 16 Stunden täglich zu tun. Man muss bei den Arbeitszeiten flexibel und körperlich belastbar sein, auch wenn sich gegenüber früher viel verändert hat.“ Technisches Verständnis gehört zu den Anforderungen. Anders als in den Berufen Tierwirt oder Fachkraft Agrarservice, die jeweils Tier- oder Pflanzenproduktion als Hauptschwerpunkt haben, umfasst der Landwirt beides. Auch die Erzeugung regenerativer Energien, ökologische Zusammenhänge, die Organisation betrieblicher Abläufe und Fragen des Managements zum Führen eines Betriebes spielen in der Ausbildung eine wichtige Rolle.

Landwirt ist ein Beruf mit Zukunft, meint Katharina Oel. „Essen wollen die Menschen immer, deswegen wird es auch immer Landwirte geben. Und Spaß macht der Beruf auch. Man habe immer wieder etwas anderes zu tun, für Abwechslung sei gesorgt.

 

Fachkraft Agrarsevice für Technikfans

Landmaschinen haben Marcel Damme, 19, immer imponiert. Mit der Auflage des Ausbildungsberufes Fachkraft Agrarservice im Jahr 2005 sollte vor allem dem Bedarf der Lohnunternehmen an Mitarbeitern Rechnung getragen werden. Das Bedienen, Pflegen und Warten von Landtechnik und -maschinen gehören zu den Ausbildungsschwerpunkten, aber auch Kenntnisse über den Feldbau mit allen nötigen Arbeitsschritten. Einen weiterer Schwerpunkt ist die Kommunikation und Information, um z.B. Angebote für Kunden zu schreiben oder Dienstleistungen zu präsentieren.

 

 

Mit Marcel Damme, der seine Lehre bei der Transport- und Dienstleistungsgesellschaft mbH absolviert, sei man vollauf zufrieden, versichert Geschäftsführer Wolfgang Bernhardt. „Marcel hat eine schnelle Auffassungsgabe.“ Hinzu kommen die nötigen soliden schulischen Leistungen – vor allem in Mathematik. Nach dem Facharbeiterabschluss will Marcel seinen Meister in diesem Beruf machen. Zunächst will er jedoch die Fachschule besuchen, um den Abschluss als Wirtschafter für Landwirtschaft zu erwerben. 

 

Tierwirt aus Liebe zum Tier

Solange Franziska Baranowski zurückdenken kann, hat ihr Vater Kaninchen gehalten. „Wahrscheinlich liegen hier die Wurzeln meiner Tierliebe. Auch wenn es von den Kaninchen zu den Rindern ein großer Sprung war“, räumt die 19-Jährige aus Schwaan bei Rostock ein.

 

Franziska Baranowski steht kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Tierwirtin, Fachrichtung Rind. „Etwas Schöneres, als in der Natur an frischer Luft mit Tieren zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt die junge Frau. Begonnen hatte alles mit Ferienarbeiten und Praktikum in der GGAB Agrarbetrieb Groß Grenz GmbH. 2009 begann Franziska Baranowski dort ihre Ausbildung. „Die bietet viel Abwechslung.“ Sie kann nun Kälber versorgen, Koppeln bauen, Rinder umtreiben und Kühe melken. Im dritten Ausbildungsjahr durfte sie schon allein melken. „Danach war ich k.o. Aber ich schaffte es“, erinnert sich Franziska an dieses Erfolgserlebnis. Und verheimlicht nicht, dass ihr die Arbeit mit den Kälbern besser gefällt. Tränken, Füttern, Ausmisten, Umstallen, Gesundheitskontrolle – mittlerweile beherrscht sie ihre Aufgaben sicher.

 

Jeweils 13 Wochen pro Jahr blieben der theoretischen Ausbildung an der Beruflichen Schule in Jördenstorf vorbehalten. In den drei Jahren beackerten Franziska Baranowski und ihre Mitschüler 14 Lernfelder – vom „Umgang mit den Tieren“ bis zu „einen Rinderbestand führen“. Jetzt gilt ihre Konzentration den Prüfungen. Rainer Tschirner, geschäftsführender Gesellschafter der GGAB Groß Grenz, will die Azubi nach bestandener Prüfung fest anstellen.

 

Hauswirtschaft: Gefragter Beruf mit Aufstiegschancen

Juliane Budai (17) lernt Hauswirtschaft in der Seniorenresidenz Dr. Karl-Theodor-Maß-Haus im Ostseebad Rerik. Der Beruf ist vielseitig und bietet Aufstiegsmöglichkeiten. In der Pflegeeinrichtung in Rerik können die Azubis die Tätigkeitsbereiche Wäscherei, Reinigung, Speisenproduktion und -verteilung kennenlernen.

 

Die Hauswirtschaft ist eng mit den anderen Hauptdienstleistungsbereichen (Pflege- sowie Gebäudemanagement) verflochten. Nach Meinung von Seniorenresidenzbesitzer Hans-Holger Wüstholz rückt die Hauswirtschaft im Zuge des Fachkräftemangels mit ihrem Tätigkeitsprofil dichter an die Pflege heran. „Wir haben nicht mehr die Arbeitskräfte, die wir bräuchten. Die Hauswirtschafterin ist prädestiniert für die grundpflegerischen Tätigkeiten. Sie könnte den Mitarbeitern in der Pflege die Arbeit erleichtern“, so Wüstholz.

 

Auch für andere Betriebe ist der Hauswirtschafter interessant. Freie Ausbildungsplätze z.B. in Mecklenburg-Vorpommern bieten unter anderem die Familienferienstätten in Kühlungsborn und Boltenhagen an, der Landgasthof Wischuer, die Reha-Klinik in Graal-Müritz, das Schlosshotel in Basthorst und das Gutshaus Stellshagen. Meist sind Unterbringungsmöglichkeiten für die Auszubildenden vorhanden.

 

Nach dreijähriger Ausbildung kann sich ein Hauswirtschafter an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Güstrow zum staatlich geprüften hauswirtschaftlichen Betriebsleiter  fortbilden und Tätigkeiten im mittleren Management eines Großhaushaltes ausüben oder mit Erlangung der Fachhochschulreife ein Studium anschließen. Außerdem kann man die Ausbildereignung zu erwerben.

Dr. Gesine Sofke, Tel. (0 38 43) 264-300 oder -354

 

Pferdewirt: Hobby zum Beruf

Schon als Kind begann ihre Leidenschaft für die edlen Vierbeiner. Der Vater setzte Lisa Klug auf ein Pony, der Großvater war Reitlehrer. Mit sechs Jahren nahm Lisa die ersten Stunden Reitunterricht.

 

Seit September 2009 absolviert Lisa Klug eine Ausbildung zur Pferdewirtin, spezialisiert auf Zucht und Haltung. Worauf muss beim täglichen Füttern, Tränken, Pflegen und Bewegen der Pferde geachtet werden? Welches Futter brauchen die Tiere, wie wird es angebaut und geerntet? Welche Anforderungen bestehen an die Hygiene im Stall, die Tiergesundheit überhaupt? Antwort auf diese und weitere Fragen gibt die insgesamt dreijährige Ausbildung, die Lisa am Oberstufenzentrum Werder/Groß Kreutz bei Potsdam und im Zucht- und Pensionsbetrieb von Delef Schwolow in Dallgow absolviert. Es sei spannend, mit dem bekannten Züchter zu arbeiten. „Zumal ich mit dabei sein durfte, als auf der diesjährigen Grünen Woche die Deutschen Reitponys präsentiert wurden.“

 

Eine wichtige Erkenntnis für Lisa: Pferde sollten so natürlich wie möglich gehalten werden, am besten auf der Weide. „Die Zuchtstuten, tragenden Stuten und die Absetzerfohlen stehen das ganze Jahr über draußen, das macht sie vital.“ Neben dem, was die Tiere auf der Weide finden, sollte vor allem Raufutter, also Heu, vorgelegt werden, ergänzt durch eine kleine Portion Mineralstoffe. Die Pferde einzureiten bereitet der 20-Jährigen den meisten Spaß.

Angst vor Stürzen oder Verletzungen? „Nö“, sagt Lisa Klug. „Und wenn man schon mal absteigen muss, dann aber so, dass man hinterher auch wieder aufstehen kann.“

 

Für Leute mit "grünem Daumen": Gärtnerische Lehre

Alexander Sandow aus dem brandenburgischen Werder wurde mit dem grünen Daumen quasi geboren. Der Obstbau hat in seiner Familie eine feste Tradition. Allerdings entschied sich Alexander zunächst für eine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner in Berlin.

 

Dort fanden aber die billigen Importe aus Holland und Dänemark größeren Zuspruch als hier aufgezogene Blumen, Stauden und Sträucher. „Dabei sind diese viel robuster. Aber die Leute schauen erst auf den Preis.“ Gerade in städtischen Gebieten wächst aber das Interesse an einem grünen, naturnahen Umfeld. Kurzerhand nahm Alexander Sandow eine zweite Lehre, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, auf. „Es macht irre Spaß, Flächen zu begrünen und zu gestalten, indem Pflanzen gezielt eingesetzt und geformt werden.“ Dazu braucht es aber genaue Kenntnis über ihre Ansprüche an den Standort, wie sie herangezogen, gepflegt, geerntet und aufbereitet werden. Hinzu kommt detailliertes Wissen über Böden, Erden und Substrate und den richtigen Einsatz geeigneter Maschinen und Geräte.

 

Die Theorie wird am Oberstufenzentrum Werder/Groß Kreutz vermittelt, die Praxis in der IKW Werder GmbH, einem auf ingenieurbiologische Kultur und Wasserbau spezialisierten Unternehmen. Da möchte er nach Abschluss der Lehre gern arbeiten, bekennt Alexander. „Es gibt dort sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten, vom klassischen Garten- und Landschaftsbau über Renaturierung, Wasserbau, Gartenpflege und Baumarbeiten bis zum Winterdienst.“ Wie steht der Vierundzwanzigjährige zu Arbeiten am Wochenende? „Die Pflanzen brauchen nun mal auch sonnabends und sonntags Wasser, das will die Natur halt so.

 

Schöpfer eines edlen Getränks: Winzer

Mit den Trauben ist Marika Böhme von Kindesbeinen an verbunden. Ihre Eltern begannen 1986 mit der Rekultivierung eines alten Weinberges bei Dorndorf an der Unstrut. Mit großem Erfolg werden heute 14 Rebsorten auf einer Fläche von rund vier Hektar bewirtschaftet.

 

„Einfach ist die Arbeit nicht“, gibt Marika zu, „aber es macht Freude, wenn man persönlich Anteil an dem Gewachsenen hat, wenn die Menschen dann unsere Naturprodukte schätzen.“ Sie sammelte Erfahrungen im heimischen Weinberg und im Keller ebenso wie bei einem Praktikum auf dem Winzerhof Gussek in Naumburg, aber auch auf vielen Veranstaltungen. Denn als Abiturientin repräsentierte sie von 2004 bis 2006 ihren Heimatort im Burgenlandkreis als Weinprinzessin. Auf dem Gymnasium in Laucha belegte Marika das Fach Weinbau und machte sich um die Pflege der schuleigenen Rebanlage am Edelacker in Freyburg verdient.

 

Anfang August 2007 begann sie ihre Winzerlehre auf dem Weingut Frölich-Hake in Roßbach. Trotz der mit dem Ehrenamt als Weinprinzessin verbundenen umfangreichen Verpflichtungen schloss Marika ihre dreijährige duale Berufsausbildung mit 1,11 ab. Damit wurde sie zweitbeste Auszubildende 2010 in den grünen Berufen in Sachsen-Anhalt. Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit dem Weinberg, den Rebstöcken, den Trauben, dem Most und dem Wein sowie den Kunden vertieft Marika Böhme nun bei einem Studium des Weinbaus und der Önologie am grünen Fachbereich der Hochschule Rhein-Main in Geisenheim.

 

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