Grips und Routine

11.04.2016

© Birgitt Schunk

Titelverteidigerin Loreen Hohmuth beim Wettkampf in Körner.

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Es war in diesem Jahr ein starker Wettbewerb, leistungsstärker als beim Melkwettbewerb im Jahr 2014, resümierte Fachschullehrer Burkhard Pleßke als Geschäftsführer der Thüringer Melkergemeinschaft: „Wir können uns dem Bundeswettbewerb stellen.“ Ende April findet dieser zum 34. Mal statt. Gastgeber wird das Lehrzentrum der bayrischen LfL in Achselschwang sein. Die drei Thüringer Starter – Lars Schollbach, Liesa Dubben und Marisa Russwurm – erhalten bis dahin noch einige spezielle Trainingseinheiten von den Coaches Kerstin Hubrich und Wolfgang Mertz.

„Verlierer gibt es nicht“, hatte Mertz, Lehrlingsausbilder der Milch-Land GmbH Veilsdorf, gleich nach dem Landesfinale am 9. und 10. März in der Landwirtschaft Körner GmbH & Co. Betriebs KG klargestellt. Elf junge Melkerinnen und Melker aus neun Betrieben maßen hier im Fischgrätenmelkstand (2 x 16; GEA Farm Technologies) ihr Können. „Man kann in diesem Wettbewerb nur lernen – nicht nur für die tägliche Arbeit, sondern auch für eine Prüfungssituation“, so der Lehrausbilder.

Pingelig: Jeder Handgriff findet Beachtung

Er und die anderen Fachleute schauten als Bewerter den Melkerinnen und Melkern in Körner genau auf die Finger und achteten auf jede Feinheit. „Auch wenn die Melkgriffe optisch gut aussahen, waren sie nicht immer optimal. Einige Kühe haben getreten“, konstatierte Mertz. „Die Tiere reagieren auf das, was wir tun.“ Ebenso sah er Reserven bei der Reinigung der Zitzenspitzen. „Da sollte man ruhig das Tuch zwischendurch mal umdrehen.“

Neben kritischen Hinweisen im Detail gab es unterm Strich dennoch gute Noten. „Zwei Drittel der Melker beim Landesausscheid waren topp“, urteilte Gerhard Wolfschmidt, Ehrenvorsitzender der Melkergemeinschaft. Ein Drittel sei etwas abgefallen: „Das heißt aber nicht, dass die jungen Leute nicht melken können. Nur von der Zeit her waren sie im Vergleich zu den Besten langsamer.“ Und so entschied, wie die detaillierte Einzelauswertung von Kerstin Hubrich (TLL) zeigte, in diesem Jahr ganz klar die Melkleistung über den Sieg, also Erfahrung und Routine. Theorie, Zelltest, Ansetzen, Kontrollgemelk oder Euterreinigung absolvierten die jungen Frauen und Männer problemlos. Reserven konnte Hubrich beim Vormelken erkennen. Zum Lernen gehörte in Körner auch der Umgang mit dem automatischen Dipp- und BackFlush-System. Die moderne Technik hatte natürlich zur Folge, dass das Dippen nicht in die Bewertung einbezogen werden konnte.

Mit Loreen Hohmuth von der ERVEMA Agrargesellschaft Wöhlsdorf mbH konnte die Titelverteidigerin erneut ganz vorne landen. Auf den weiteren Podestplätzen folgten Maria Russwurm vom Zuchtzentrum Gleichamberg und Lars Schollbach von der Milch-Land GmbH Veilsdorf. Dass es an der Spitze eng zuging, zeigte nicht zuletzt der Abstand der Landesmeisterin (143,75 Punkte von maximal 160) zum sechsten Rang (131 Punkte).

14 Melker hatten sich im vergangenen Herbst über die Regionalausscheide mit 40 Teilnehmern in den Agrar eG Ottertal, Kahla, Hörseltal sowie dem Ökozentrum Vachdorf qualifiziert. Elf gingen letztendlich in Körner an den Start.

Gute Noten gab es für den Gastgeberbetrieb. Das Team um Tierproduktionsleiter Rüdiger Meyer hatte homogene Gruppen mit ausgeglichenen Tieren zusammengestellt. „Die Vorbereitungen waren großartig, die Wettbewerbe voll im Zeitplan und ohne Stillstandzeiten“, lobte Oberrichter Achim Gössel. Für das Team des Gastgeberbetriebes bedeutete der Wettbewerb mehr Aufwand und trotz des zügigen Ablaufs eine deutlich längere Schicht. „Wir haben das dennoch gerne gemacht, denn für die Branche ist dies gerade in schwierigen Zeiten eine gute Werbung“, so Meyer. Die schwerste Krise der Landwirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten schwang beim Landesausscheid im Hintergrund und in Gesprächen stets mit. „Die Melker beschäftigt schon, dass ihre Arbeit von der Bevölkerung nicht genügend gewürdigt wird“, fasste Wolfschmidt die Stimmung zusammen.

Ein Extraausscheid im Karussell kam in diesem Jahr nicht zustande. Trotz der etwa 65 Melkkarussells im Land meldeten sich nur vier Teams an, was die Melkergemeinschaft bewog, diesen abzusagen. Unterstützt wurden die Regionalwettbewerbe und der Landesmelkwettbewerb von den Landwirtschaftsämtern, dem Agrarministerium, der Landesvereinigung Milch und verschiedenen Sponsoren.

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