Geübter Blick fürs Schwein: Martina Anke, 25

08.08.2013

Martina Anke ist mit Leib und Seele Landwirtin. In der Schweinemast der Budissa Agrar GmbH Kubschütz, einem Spitzenbetrieb in Sachsen, hat sie den Beruf gelernt und arbeitet seitdem hier. „Hier muss man auch sportlich sein“, lacht die junge Frau, als sie über eine Buchtenwand klettert, um sich ihre Schützlinge näher anzuschauen.

„Die Kleinen bekommen ihr Futter in täglich drei Portionen, die großen in zwei, so ist es im Stall ruhiger“, erklärt die junge Facharbeiterin beim Stallrundgang. Sie arbeitet von 5 bis 14 Uhr und jedes zweite Wochenende. „So kann ich den Haushalt erledigen, auf dem Hof meines Vaters helfen oder mit meinem Freund was unternehmen.“

„Durch den elterlichen Betrieb ist Landwirtschaft kein Fremdwort für sie. Martina hat Durchsetzungsvermögen, Tierverstand und zeigt Engagement“, lobt Anlagenleiterin Sybille Hoffmann. Sie sei zuverlässig, pünktlich und ordentlich. „Das ist wichtig für die Arbeit als Landwirt.“

Martina Anke im Interview mit der BauernZeitung:

Wie bist du zur Landwirtschaft gekommen?

Ich bin dort groß geworden. Mein Vater hat eine Koppelschäferei. Da waren wir als Kinder gut beschäftigt. Schafe treiben, Koppel bauen, Wasser geben im Stall, da haben wir als Kinder mit angepackt. Wir haben auch den „Flaschenlämmern“, die von ihrer Mutter nicht angenommen wurden, die Flasche gegeben. Man wird mit Tieren groß.

 

Wie ging es nach der Schule weiter?

Im Jahr 2004 hab ich meine Schule abgeschlossen, danach ein Grundbildungsjahr für agrarische Berufe absolviert und ein Praktikum in der Schweinemast der Budissa. Seit 2005 bin ich in diesem Betrieb tätig, erst als Lehrling, jetzt angestellt. Ich habe Landwirtin mit Schwerpunkt Schweinemast gelernt. Wie ich die Lehre abgeschlossen hab? Das ist schon so lange her. Auf alle Fälle gut. Ich fand die Berufsausbildung einfacher als die Mittelschule. Weil mich das mehr interessiert hat. 

 

Was hat dir bei der Ausbildung besonders gefallen?

Der Ausbildungsverbund Bautzen ist eine super Sache. Vieles bekommt man im Betrieb einmal erklärt, aber im Verbund kann man das Wissen festigen. Beim Herbarium zum Beispiel steht man oft allein da, wir machen das gemeinsam im Verbund. Dass die Leitterin, Frau Urban, auf die Berichtshefte schaut, ist auch eine feine Sache.

Ich finde das duale System der Lehre gut – abwechselnd mehrere Wochen Schule und mehrere Wochen Praxis. So kann man sich intensiv mit einem Thema beschäftigen.

Warum bist du nach der Lehre zurück in die Schweinemast?

Mein Chef hat mich gleich fest eingestellt. So brauchte ich keinen Job zu suchen. Und hier zu arbeiten, macht mir Spaß. Es wird kaum langweilig, auch wenn es immer wieder dieselben Arbeitsschritte sind. Mir macht es Spaß, mit den Tieren zu arbeiten, zudem stimmt das Arbeitsklima.

Was macht dir besonderen Spaß an der Arbeit im Schweinestall und mit Schweinen?

Schweine sind umgängliche Tiere. Man muss sich durchsetzen, sonst setzen sie sich durch. Spaß macht es auch, wenn die kleinen Schweine kommen. Zu meinen täglichen Arbeiten gehören das Misten, die tiergesundheitliche Kontrolle, die Kontrolle der Fütterung, des Futters und der Tröge. Dann müssen Schlachtschweine rausgesucht werden. Früher haben wir die Schweine gewogen, mittlerweile machen Sybille Hoffmann und ich das mit Augenmaß. Dafür habe ich einen Blick entwickelt.

Wie soll es beruflich weitergehen?

Ich habe eine Weiterbildung als Schäfermeisterin angefangen. Das mache ich neben meiner Arbeit.

Was war der Grund für das Meisterstudium?

Ich wollte mich beruflich weiterbilden, und der Schäfermeister hat gut reingepasst. Ob ich mal später im väterlichen Betrieb arbeite, weiß ich noch nicht, ich lasse mir alle Chancen offen. Mittlerweile würde mein Vater das gern sehen. Als ich meine Landwirtslehre angefangen hab, war er nicht begeistert. Er hat sich für sein Kind was anderes vorgestellt. Aber nach der Schule wollte ich nicht mehr drin oder im Büro sitzen, sondern raus. Wir waren es ja zu Hause nicht anders gewohnt. Wie ich früher kommt mein Bruder heute von der Schule, macht seine Hausaufgaben, und dann ist er mit draußen.

Ich könnte mir vorstellen, noch eine ganze Weile hier zu arbeiten. Heutzutage weiß man aber nie, wie lange man bei einem Job bleibt. In meinem Freundeskreis aus dem Dorf bildet sich jeder irgendwie weiter. 

 

Welche Hobbys hast du?

Lesen, kochen, backen. Tiere zu Hause züchten? Nee, Tiere auf der Arbeit zu betreuen, reicht eigentlich. Vielleicht halten wir wieder ein paar Gänse zu Hause. Ich will keinen Weihnachtsbraten aus dem Supermarkt. Meine Mutter hat immer Gänse gehalten. Wir sind damit groß geworden. Mein Bruder schlachtet sie dann, und ich bereite sie zu. Die anderen Gänse werden verschenkt.

 

Hast du Diskussionen über Landwirtschaft und Tierhaltung mit Bekannten?

In der Meisterschule taucht das Thema ab und zu mal auf. Viele Schäfer denken, die Schafe sind am besten dran, weil sie immer draußen Grünes fressen. Ich finde, bei den heutigen Richtlinien, QS und was es nicht alles gibt, kann man die Tierhaltungen nicht einfach als Massentierhaltung abtun. Wir müssen Vorschriften einhalten, wie die Tiere artgerecht zu halten sind. Das ist meine Meinung, und die vertrete ich auch oft. Manchmal muss man aufpassen, was man sagt, manche verstehen es einfach nicht.

Das Schlimme ist, dass kaum jemanden interessiert, woher Lebensmittel kommen. Die stammen eben aus dem Supermarkt. Die Leute wissen nicht, was sie essen, regen sich über Skandale auf, ohne sich damit zu beschäftigen. Die Schweinegrippe z.B. hat überhaupt nix mit dem Schwein zu tun. Und beim Dioxinskandal kauf ich trotzdem meine Eier im Supermarkt. Was da in manchen Fernsehsendungen gezeigt wird, trägt zur Verdummung der Leute, vor allem der Städter bei.

Dann ist doch gut, wenn man weiß, wie die Rohstoffe erzeugt werden.

Ja. Viele beschäftigen sich schon mit Tieren, aber als Hobby. Karnickel werden gehalten, bis sie irgendwann sterben. Karnickel, Schaf, Huhn – die halte ich doch, um sie oder deren Produkte zu essen. Mein Bruder hatte mal ein Aquarium, das ist was anderes! Wir halten auch Tauben, um sie zu essen – ein Taubenbraten am Sonntag, lecker!

Dass die Milchbauern demonstriert haben, das fand ich damals richtig. Nur dass sie später dafür zahlen mussten! Ruft die IG Metall zum Streik, fallen ganze Bahnstrecken aus. Wer bezahlt den Ausfall? Aber wenn Landwirte das machen, ist das schlimm. Da fehlt es auch an Anerkennung! Weil heute ja alles aus dem Supermarkt kommt. Lebensmittel sind billig, und die Leute regen sich immer noch auf, dass sie viel zu teuer sind.

Findest du, dass Lebensmittel zu billig sind?

Teilweise ja. Wenn ich einkaufen gehe, achte ich nicht unbedingt auf den Preis. Ein Kumpel hat mal im Supermarkt zu mir gesagt: Du kaufst ja teure Produkte! Aber warum soll ich denn das Billige kaufen, wenn ich darauf keinen Appetit habe? Wenn Schweinefleisch im Angebot ist, ich will aber Rouladen machen, dann kauf ich doch trotzdem Rinderrouladen.

Das zunehmende Angebot an Fertigprodukten find ich nicht gut. Viele Mädels in meinem Alter müssen erst kochen lernen. Ich bin damit groß geworden. Auch die Soßen mache ich selbst, das ist doch nicht schwer. Eine Freundin hat mich mal bewundert, wie ich einen Schweinebraten selbst zubereitet habe.  

Vielen Dank für das Gespräch.

Ausführlich können Sie es übrigens in Heft 22 der BauernZeitung lesen!

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