Feuer und Flamme für den Beruf

14.11.2016

© Sabine Rübensaat

Feuer und Flamme für den Beruf

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Eines steht fest: Keine Maschine hält ewig. Und was kaputt ist, muss repariert werden. Auch das war schon immer so. Gewandelt hat sich das Berufsbild des Landmaschinenschlossers. Das verrät schon die neue Bezeichung Land- und Baumaschinenmechatroniker. Zahlreich sind die Ausbildungsinhalte, die es zu bearbeiten gilt. Das wird im straffen Alltag in den Ausbildungsbetrieben jedoch oft zum Problem, denn weder die Kunden noch die Werkstätten haben etwas zu verschenken. Alle sind stark eingespannt, und oft fehlt die Zeit für die Auszubildenden. Doch zum Lernen gehört Zeit und die Chance, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Was für ein Glück, wenn man als Ausbildungsbetrieb Stärke in der Gemeinschaft aus Gleichgesinnten findet und einen Verbundpartner wie den Berufsbildungsverein Prenzlau e. V. hat. Als gemeinnütziger Bildungsträger 1991 gegründet, beschäftigt er heute 25 hauptamtliche Fachkräfte, die zirka 300 Teilnehmer an beruflichen Bildungsmaßnahmen betreuen. Außerdem betreibt der Verein eine vom Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. anerkannte Kursstätte. Bernd Brentführer, seit 1981 Lehrmeister für Maschinenbau, arbeitet seit 1991 als Ausbilder im Verein. 1998 wurde im Berufsbildungsverein die Verbundausbildung initiiert. Seit 2009 ist Brentführer Koordinator der Verbundausbildung und betreut aktuell 29 Ausbildungsbetriebe.

Herr Brentführer, so lange bilden Sie aber noch keine Land- und Baumaschinenmechatroniker aus, oder?
■ Erst vor ein paar Jahren entstand auch in den landwirtschaftlichen Werkstätten der Bedarf. Hennigsdorf hat die überbetriebliche Ausbildung ausgedünnt. Die Ausbildungsbetriebe selbst können oft auch nicht mehr alles abdecken.

Also ein Netzwerk aus der Not heraus?
■ Bis dahin waren Auszubildende aus der Landtechnik oder aus Landwirtschaftsbetrieben eher Exoten. Insgesamt werden die Abschlussnoten in der Ausbildung tendenziell immer schlechter. Die Verbundausbildung ist kein Allheilmittel, aber unsere Auszubildenden im Verbund haben im Vergleich zur normalen Ausbildung deutlich bessere Möglichkeiten, alle relevanten Ausbildungsbereiche, sei es die Drehmaschine oder die CNC-Fräse, zu erfahren. Bei uns wird nicht nur angerissen, sondern auch vertieft und umfassend geübt. Das geht in den Ausbildungsbetrieben aus verständlichen Gründen oft nicht. Da muss der Traktor oder der Mähdrescher so schnell wie möglich fertig und raus aus der Werkstatt. Oft fehlt einfach die Zeit für „Extratouren“ mit den Azubis.

Also werden berufliche Grundlagen vorausgesetzt, aber die Zeit fehlt, sie zu schaffen?
■ Mit unserem Modell der Verbundausbildung geht das sehr gut. Das belegen auch die Abschlussnoten unserer Auszubildenden und Rückmeldungen der Betriebe. Es ist mit Sicherheit besser, erst ein vernünftiges Grundwissen zu vermitteln, bevor die Auszubildenden in ihren Betrieben in den beruflichen Alltag einsteigen. Sie bekommen das notwendige Rüstzeug, auch wenn ihr Ausbildungsbetrieb vielleicht nicht über die technischen und personellen Voraussetzungen verfügt.

Woher rührt nun das Interesse an der Verbundausbildung seitens der Landwirtschaft?
■ Dabei hat uns der Zufall geholfen. Eine Landtechnikfirma aus der Region kaufte uns eine Drehmaschine und Werkzeuge ab, die wir nicht mehr brauchten. Daraus entstand ein Kontakt, denn wir wurden immer wieder mal gerufen, um diese Maschine zu warten und einzustellen und Bedienpersonal einzuweisen. Schnell war klar, dass es in der Firma auch Bedarf an Schweißausbildung gab. Schließlich darf nicht jeder einfach so an Hängerund Fahrzeugrahmen schweißen. Da wir unter anderem auch DVS-Prüfstelle sind und in den verschiedensten Schweißverfahren ausbilden, schickte uns die Landtechnikfirma über den Winter ihre Leute zur Aus- und Weiterbildung.

Es kommen also in erster Linie Azubis von Landtechnikhändlern zu Ihnen, die eine eigene Werkstatt betreiben?
■ Keinesfalls. Wir haben auch Leute von großen Landwirtschaftsbetrieben mit eigener Instandhaltung hier. Da ist oft besonders wichtig, dass zumindest ein Mitarbeiter eine Schweißberechtigung hat.

Also fing alles mit dem Schweißen an?
■ So könnte man es sagen. Aber dabei ist es nicht geblieben. Es dauerte nicht lange, dann organisierten wir die ersten Ausbildungsblöcke, in denen es um Drehen oder Fräsen ging.

Wie sehen denn die Kosten für eine Verbundausbildung aus?
■ Für uns hier im Land Brandenburg sieht es da sehr gut aus. Über die ILB, die Investitionsbank des Landes Brandenburg besteht die Möglichkeit einer Förderung. Die Betriebe müssen die Auszubildenden nur für die Ausbildung bei uns freistellen. Die Bezahlung der Ausbildung bei uns erfolgt dann über die Investitionsbank. Die Antragstellung und Abrechnung übernehmen wir für die Ausbildungsbetriebe vollständig. Darum muss sich kein Betrieb kümmern.

Wenn man aus der Werkzeugbranche kommt, ist man doch eher gewohnt, in gut beleuchteten Hallen an einem festen Platz zu arbeiten ...
■ … und nach Zeichnung. Anders die Leute in der Landwirtschaft. Da heißt es öfter mal raus in den Regen oder die Nacht, wenn ein Traktor oder Drescher wieder flott gemacht werden soll. Aber auch die Metallbauer, im Brücken- und Geländerbau zum Beispiel, müssen oft sehr fantasievoll sein, um ihre Ziele vor Ort zu erreichen. Wenn die Azubis dann hier bei uns ein Werkstück nach Zeichnung herstellen sollen, und zwar exakt nach Vorgabe, kann das für den einen oder anderen schon mal schwieriger sein. Aber das gehört auch zu einer vernünftigen Ausbildung. Manchmal muss es die Feile sein und manchmal eben der Hammer.

Wie schätzen Sie den Erfolg der Verbundausbildung im Bereich der Landtechnik ein?
■ Mir fehlt der Überblick, wie genau die überbetriebliche Ausbildung in Hennigsdorf seinerzeit organisiert war und in welchem Umfang die Ausbildungsinhalte zusammengestrichen wurden. Aber wir brauchen uns doch nichts vormachen: Eine Woche lang einen Kasten aus Blech zu bauen reicht einfach nicht aus, um nachher in der Praxis vernünftig mit dem Material umgehen zu können.

Steigt die Zahl der Teilnehmer weiter?
■ Wenn wir die Betriebe noch weiter ansprechen würden, kämen sicherlich noch viel mehr Auszubildende zu uns. Viele Betriebe wissen einfach nicht, dass es uns und die Möglichkeiten der Verbundausbildung gibt und dass sie zumindest in Brandenburg keine Kosten damit haben, da es ja die Finanzierung durch die Investitionsbank gibt.

Sie sagten, dass die Prüfungsergebnisse insgesamt schlechter werden. Woran liegt das?
■ Ich muss davon ausgehen, dass zum Beispiel die Teilnehmer der sogenannten Berufsvorbereitung bei uns über keinen Schulabschluss verfügen, der zu einer Ausbildung berechtigt. Deshalb müssen sie ja ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren und so die Ausbildungsreife erlangen. Allein bei uns sind das pro Jahr zwischen fünfzig und sechzig junge Menschen, die die Schule mit einem Abgangszeugnis der siebten oder achten Klasse verlassen haben. Das gibt zu denken, denn diese Jugendlichen sollen nachher auch in die Betriebe. In der Metallbranche gibt es die Möglichkeiten einer geförderten Ausbildung nicht. Von Seiten der Arbeitsagentur gibt es zur Ausbildungsförderung immer nur Einzelfallentscheidungen. Auch aus Sicht der Ausbildungsbetriebe wird die Situation immer schwieriger. Inzwischen schrauben die Betriebe ihre Anforderungen an Bewerber immer weiter zurück, um überhaupt noch jemanden zu finden. Das kann nicht ohne Unterstützung laufen. Was hier an zusätzlicher Förderung gebraucht wird, machen wir möglich.

Einer, der von dem starken Netzwerk profitiert, ist Nils Maschke. In Absprache mit seinem Ausbildungsbetrieb, der Prodimex Passow Handels- und Servicegesellschaft mbH absolviert er, abgesehen von Berufsschule und überbetrieblicher Ausbildung, sein komplettes erstes Lehrjahr in Prenzlau. Feilen, manuelles und maschinelles Spanen, aber auch Elektro-, Pneumatik- und Hydraulikgrundlagen, alle Schweißverfahren werden ihm vermittelt. Mindestens eine Woche lang kann er in jedes Verfahren reinschnuppern. Danach wird vertieft, was in seinem Ausbildungsbetrieben gebraucht wird. Zum Ende des ersten Lehrjahres kann er auch noch die sogennannten Berechtigung für Flurförderzeuge (Staplerschein) machen.

Nils, wann hattest Du die Idee, Land- und Baumaschinenmechatroniker zu werden?
■ Meine Großeltern haben den ganzen Hof voller Technik, und einer muss sich ja drum kümmern wenn was kaputt geht. Aber eigentlich hab ich mich schon immer dafür interessiert.

Aber von irgendjemanden musst Du den Schraubervirus doch mitbekommen haben?
■ Also, alte Motorräder sind das Hobby von meinem Vater, AWO, EMW und all sowas. Da hab ich schon ziemlich zeitig mitgemacht. Und alles, was ich da gelernt habe, habe ich dann einfach auf die nächste Maschine übertragen.

Welche war das?
■ Mit zwölf hab ich mir meinen ersten Trabbi geholt und an dem geübt. Dann hab‘ ich mir überlegt, dass das, was am Trabbi an Reparaturen klappt, auch am RS 09 funktioniert. Und was beim 09 geht, geht dann auch an unserem John-Deere-Trecker. Ganz einfach eigentlich. Ach, und Reparaturhandbücher hab‘ ich jede Menge gelesen.

Und die Liebe zur Landwirtschaft hast Du also von Deinen Großeltern mitbekommen?
■ Ja genau. Aus der Richtung bin ich ziemlich „vorbelastet“.

Du bist in Schwedt, also in einer Stadt geboren, und du bist da auch zur Schule gegangen. Würdest Du dich als Stadtmensch oder als Dorfbewohner bezeichnen?
■ Eindeutig Dorfbewohner! Ich war ja immer hier in Stendell bei meinen Großeltern. Sobald Freitag die Schule um war, ging‘s ab in den Bus und nach Hause nach Stendell.

Wie hast Du Deinen Ausbildungsbetrieb gefunden?
■ Ich wusste ja, wo Betriebe und Werkstätten sind. In den Ferien habe ich hier in der Gegend in einer Werkstatt gearbeitet und später Praktikum gemacht. Leider konnte der Betrieb mich nicht als Lehrling übernehmen, da er nicht mehr ausbildet. Also habe ich mich weiter umgehört und bin so bei Prodimex gelandet. Dort habe ich meine Bewerbung abgegeben und wurde auch sehr schnell zum Bewerbungsgespräch eingeladen und angenommen.

Also hast Du gar nicht lange gesucht?
■ Nö, ich wusste ja schon, wer so infrage kommt und wo ich hingehen muss, wenn ich so eine Ausbildung machen will. Ich war nicht beim Jobcenter oder so.

Nach zehn Jahren Schule hast Du Dich ganz bewusst für diese Ausbildung entschieden. Wie weit kannst Du schon in die Zukunft blicken?
■ Das Wichtigste ist für mich erstmal, meine Lehre zu schaffen und dann zu arbeiten. Erfahrungen zu sammeln und sicher und selbstständig arbeiten zu können, ist mein Ziel. Ob da noch ein Meister hinterherkommt, weiß ich alles noch nicht. Mal gucken, wie es läuft.

Aber in der Uckermark bleibst Du?
■ Auf jeden Fall! Ich will hier nicht weg! Ich komm‘ ja von hier.

Deine Ausbildung läuft ja nach einem ganz eigenen Modell. Was hältst Du davon?
■ Ich finde das gut so. Da arbeiten in allen Bereichen vernünftige Leute, die einem was beibringen können. Und die Möglichkeiten, sich in Ruhe mit einer Maschine oder einem Bereich zu beschäftigen, sind sehr gut. Wenn ich zum Beispiel beim Drehen nicht so schnell mitgekommen bin, dann sage ich Herrn Brentführer Bescheid, und dann gehen wir das noch einmal in Ruhe und vernünftig durch, bis ich es kapiert habe. Nicht so wie in der Berufsschule, wo es nur nach Lehrplan läuft und oft keine Zeit zum Üben bleibt. Hier kann ich immer fragen, wenn ich was nicht verstanden habe und finde immer ein offenes Ohr.

Hast Du schon Deine „Lieblingsdisziplin“ gefunden?
■ Drehen ist gut. Wir haben zu Hause auch eine Drehmaschine stehen. Das macht mir Spaß. Und es ist nicht so warm wie beim Schweißen.

Wie ist Dein Eindruck von Deinen Mitlehrlingen?
■ Manche sagen, der Job war eher zweite Wahl. Manche wollen, manche eher nicht, und manche wissen noch nicht so genau.

Mein Eindruck ist aber, dass Du schon sehr genau weist, was Du willst und schon eine Menge gelernt hast. Das ist für Leute in Deinem Alter eher ungewöhnlich, wenn man mit Ausbildern spricht. Wie kommst Du mit der Einstellung mancher Deiner Altersgenossen klar?
■ Ganz ehrlich? Das interessiert mich nicht. Ich ziehe mein Ding durch und gut ist. Wir haben in Prenzlau super Bedingungen vom Material und den Maschinen her und die richtigen Leute, von denen wir was lernen können. Und ich will was lernen.

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