Fachlich fest im Sattel

11.04.2016

© Karsten Bär

Referiert und diskutiert. Gastgeber Mario Schmidt, Leiter des Förderzentrums Nossen und der Fachschule Döbeln, und Abteilungsleiter Daniel Gellner sowie die Referenten Bert Spitzner, Chris Fabig, Holm Winkler, Matthias Lentzsch, Marleen Engelbrecht und Jan Würsig (v. l.)

Nach einem Jahr Pause, das man sich zur Reorganisation der Veranstaltung genommen hatte, fand in diesem März wieder ein „Forum für junge Fach- und Führungskräfte zu ihren Perspektiven in der Landwirtschaft“ statt. Absolventen der sechs landwirtschaftlichen Fachschulen Sachsens waren ins Landwirtschafts- und Umweltzentrum Nossen eingeladen worden, um einerseits ihren beruflichen Werdegang zu schildern, andererseits auch die Ergebnisse ihrer fachlichen Auseinandersetzungen mit verschiedenen Themen in Fortbildung und Berufspraxis vorzustellen. Insbesondere jenen, die aktuell in den Wirtschafter-, Technikeroder Meistervorbereitungskursen an den Fachschulen für Landwirtschaft in Sachsen stecken, sollen diese Darstellungen Bespiel und Anregung sein.

Über ihre Analyse von Kälberaufzuchtdaten nach dem Neubau von Kälberställen im Milchgut Heinzebank der Agrar GmbH Zschopautal referierte Marleen Engelbrecht. Die 24-jährige Landwirtin hat an der Fachschule Zwickau ihren Abschluss als Staatlich geprüfte Wirtschafterin absolviert und im vergangenen Jahr einen Vorbereitungskurs auf die Meisterprüfung begonnen. In ihrer Facharbeit untersuchte sie, inwiefern sich die vergleichsweise hohen Zahlen an Durchfall- und Atemwegserkrankungen unter den Kälbern infolge des Baues neuer Ställe verringerten. Ergebnis ihrer Untersuchung: Die neuen Stallbauten allein haben die Probleme noch nicht oder erst teilweise behoben. Verbesserungsvorschläge, wie eine behutsamere Tränkeumstellung, wurden inzwischen bereits umgesetzt. Auch in ihrer Meisterarbeit will sich Marleen Engelbrecht mit der Kälberaufzucht in ihrem Betrieb befassen und untersuchen, wie sich kleinere Gruppenstärken auf die Entwicklung der Tiere auswirken.

Als Assistent des Vorstandes der Budissa AG in Niederkaina ist Chris Fabig tätig. Sein fachliches Rüstzeug hat sich der 26-Jährige am Fachschulzentrum (FSZ) Freiberg-Zug erworben, wo er die Abschlüsse als Techniker für Landbau sowie Techniker für Umwelt und Landschaft erfolgreich ablegte. Seine Fortbildungen bezeichnet er als „zweiten Berufseinstieg“. Die Jahre am FSZ betrachtet er auch über den Erwerb fachlicher Qualifikationen hinaus für die persönliche Entwicklung als sehr gewinnbringend. In der Budissa AG, deren zugehörige Unternehmen insgesamt 9 300 ha bewirtschaften, ist Chris Fabig vor allem für übergeordnete Aufgaben für die Biogasanlagen zuständig, betreut jedoch eine Photovoltaik-Anlage, eine Kurzumtriebsplantage und erfüllt weitere Aufgaben im Bereich Energie.

Im Landgut Neustadt als Leiter einer Schweinezuchtanlage tätig ist Bert Spitzner, der in Plauen den Abschluss als Wirtschafter und Meister erwarb. In seinem Vortrag stellte er seine Überlegungen zur Verbesserung der Effektivität der Schweinezuchtanlage vor. Der 31-Jährige hatte hierzu zwei Varianten verglichen – den Wechsel der eingesetzten Genetik und den Wechsel vom bisherigen Einwochen- auf Fünfwochenrhythmus sowie den Bau eines Maststalles. Angesichts des hohen Kapitalaufwandes, unsicherer Rahmenbedingungen und Vorbehalten der Öffentlichkeit gegenüber Stallbauprojekten erwies sich der Genetikwechsel als für den Betrieb sinnvollere Variante.

Auf zum Teil sehr amüsante Weise berichtete Holm Winkler über seinen beruflichen Werdegang und seine aktuelle Tätigkeit als Assistent der Geschäftsführung bei der Schradenmilch GmbH im südbrandenburgischen Hirschfeld. Der 46-Jährige war ursprünglich Facharbeiter für Tierproduktion, begann allerdings nach der Wender als Außendienstmitarbeiter zu arbeiten. Im Hinblick auf den anstehenden Generationenwechsel wurde er 2013 von der Schradenmilch GmbH ins Unternehmen geholt. Mehr als nur fachliche Auffrischung brachte der Besuch der Fachschule Großenhain, wo er im vergangenen Jahr als einer der Besten den Wirtschafterabschluss erwarb und sich derzeit auf die Meisterprüfung vorbereitet. Holm Winkler wies vor allem auf die derzeitig enorm schwierige Preissituation für Milcherzeuger hin. In der Milcherzeugung ist auch Matthias Lentzsch tätig, der für die Multi-Agrar Claußnitz GmbH arbeitet, an der Fachschule Döbeln als Wirtschafter abgeschlossen hat und dort derzeit den Meisterbrief anstrebt. In seiner Facharbeit hatte er die vorgesehene Investition in eine Melkanlage in seinem Betrieb produktionstechnisch und betriebswirtschaftlich untersucht und verschiedene Variante – konventionelle und automatische Melkanlagen von verschiedenen Herstellern und mit verschiedenen Tierplatzzahlen – verglichen. Auch wenn die Entscheidung aufgrund der anhaltend niedrigen Milchpreise vorerst vertagt wurde: Das an der Fachschule erworbene Wissen habe ihn dazu befähigt, die Variante zu ermitteln, die am wirtschaftlichsten ist und am besten zu den betrieblichen Gegebenheiten passt, so Matthias Lentzsch.

Als Absolvent der Fachschule Löbau, an der er sich zum Wirtschafter und Meister fortbildete, schilderte Jan Würsig (35) seinen beruflichen Werdegang, der vom Mitarbeiter eines Landwirtschaftsbetriebes zum Inhaber eines überregional tätigen Agro-Service-Unternehmens führte. Begonnen hatte er seine Selbstständigkeit 2006 mit der Anschaffung eines Holzhackers, der eine Investition in einen Traktor folgte. Schwerpunkt seines Dienstleistungsunternehmens mit 19 Mitarbeitern ist heute die Gülleausbringung. Hinzu kommt seit 2012 ein zweites Unternehmen, die Agro-Service GmbH, die unter anderem Zuckerrübentransporte, Pflanzenschutz und Düngerausbringung ausführt. Grundlage für den Erfolg sind Jan Würsig zufolge unter anderem Zuverlässigkeit, eine positive Außenwirkung durch gepflegte Maschinen und motivierte Mitarbeiter sowie wirtschaftlich kalkulierte Preise. Für die persönliche Entwicklung gehöre indes auch ein guter Aus- und Weiterbildungsstand dazu, einschließlich des Blickes über den Tellerrand auf andere Marktteilnehmer.

Was in einigen Vorträgen über die fachlichen Aspekte bereits anklang, wurde in der sich anschließenden Podiumsdiskussion, an der mit Daniel Gellner der Abteilungsleiter Land- und Forstwirtschaft, ländliche Entwicklung aus dem Agrarministerium teilnahm, weiter vertieft: die Preiskrise in der Landwirtschaft. Betroffen ist auf die eine oder andere Weise jeder der sechs Absolventen. Sie diskutierten über Mindestabnahmepreise für die Milch oder die Förderung eines echten Milchmengenabbaus. Kostenseitig gebe es durchaus noch Potenzial zu nutzen, schätzte Jan Würsig aus seiner Erfahrung ein und verwies unter anderem auf eine sorgfältigere Rohstoffnutzung bei der Futtergewinnung. Für die Schweinehaltung plädierte Bert Spitzner für eine Stärkung regionaler Erzeuger. Daniel Gellner verwies auf die vom Freistaat Sachsen verfolgten Maßnahmen zur Unterstützung der gebeutelten Erzeuger, machte aber auch deutlich, dass man im Ministerium staatliche Mengenregulierungen für wenig zielführend halte. In bewährter Weise die landwirtschaftliche Berufsbildung in Sachsen zu unterstützen, sicherte Gellner ebenfalls zu. Dass die anhaltende Bereitschaft hierfür Früchte trägt, bewies auch das Forum in Nossen. Die auch auf der Veranstaltung allseits gelobten Bedingungen für die berufliche Fortbildung fanden schließlich in den Vorstellungen der sechs Referenten einen spürbar positiven Ausdruck.

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