Beruf Pflanzentechnologe

26.08.2013

Schülerinnen begutachten am Julius-Kühn-Institut in Berlin-Dahlem Bodenmikroorganismen in Petrischalen. © Sabine Rübensaat

 

Portraitfoto Christa Hallmann-Rosenfeldt BauernzeitungWarum gibt es diesen neuen Ausbildungsberuf?

■ Er löst die bisherige Regelung einiger Landwirtschaftskammern zur landwirtschaftlich-technischen Laborantin ab. Um das klar zu sagen, wenn ich hier die weibliche oder männliche Form nenne, ist das nur der Einfachheit halber so gesagt. Der Beruf gilt selbstverständlich immer für beide Geschlechter und wird von beiden erlernt und ausgeübt. Aufgrund der vielfältigen potenziellen Einsatzbereiche im Versuchswesen und der Pflanzenzucht haben sich die Sozialpartner engagiert für die Schaffung einer bundesweit einheitlichen Ausbildungsverordnung eingesetzt.

 

Der Beruf ähnelt dem der landwirtschaftlich-technischen Laborantin (LtL). Fällt diese Ausbildung damit ganz weg?

■ Die Ausbildung zum Pflanzentechnologen entspricht den aktuellen Anforderungen der Unternehmen und Einrichtungen, die Arbeitsplätze in der Branche anbieten. Es gibt

zwar inhaltliche Übereinstimmungen mit dem bisherigen Beruf des LtL, aber im Grundsatz handelt es sich um ein neues Berufsbild. Zum LtL wurde in den letzten Jahren nur noch in Niedersachsen ausgebildet. Das entfällt ab dem 1. August.

 

Welche Folgen hat das für Menschen mit dieser Ausbildung?

■ Die LtL hatten und haben gute Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Fachkräfte werden gesucht, und daran wird sich nichts ändern.

 

Was lernt man konkret als Pflanzentechnologe?

■ Wesentliche Ausbildungsinhalte sind das Anbauen, Pflegen und Ernten von Kulturpflanzen zu Versuchs- und Vermehrungs-zwecken. Dabei werden die verschiedenen Züchtungs- und Vermehrungsverfahren angewendet und natürlich moderne Maschinen und Geräte eingesetzt. Mögliche Einsatzgebiete sind: Feldversuchswesen, Gewächshaus, Kulturlabor, Pflanzenschutz- und Saatgutwesen, Untersuchungslabor und Zuchtgarten. Es gibt also – je nach Interesse und Neigung – eine breite Auswahl der Tätigkeitsfelder. Mindestens zwei der genannten Einsatzgebiete müssen allerdings während der Ausbildung vermittelt werden.

 

Welche Voraussetzungen müssen künftige Azubis für diesen Beruf mitbringen?

■ Interesse an Naturwissenschaften wie Biologie und Chemie sowie am Umgang mit Pflanzen sollte gegeben sein. Auch Kenntnisse in der Datenverarbeitung sind vorteilhaft. Je nach Einsatzgebiet sollte man das Arbeiten in der freien Natur, im Gewächshaus oder im Labor mögen. Interessierte junge Menschen sollten sich frühzeitig bewerben und bei den Ausbildungsbetrieben weiter erkundigen. Außerdem ist ein Praktikum vor Beginn der Ausbildung zu empfehlen. Das bietet eine gute Gelegenheit, das Arbeitsumfeld und die Menschen vor Ort kennenzulernen. Viele Arbeitgeber erwarten einen guten Haupt- oder Realschulabschluss.

 

Wo werden Pflanzentechnologen später arbeiten, und was tun sie?

■ Die Absolventen erwartet ein breites Spektrum an Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei Betriebe und öffentliche Einrichtungen mit Aufgaben der Pflanzenvermehrung und -züchtung sowie solche, die unterschiedliche Analysen durchführen.

 

Welche Entwicklungsmöglichkeiten, sprich Karrierechancen, gibt es nach dem Berufsabschluss?

■ Nach erfolgreicher Ausbildung wird es keine Sackgasse geben. In ersten Gesprächen ist bereits die Schaffung einer Meisterfortbildung erörtert und positiv beurteilt worden. Auch einschlägige Fachschulen mit einem Qualifizierungsangebot als Fach- und Führungskraft werden sicherlich offen sein. Da es sich hierbei um länderspezifische Regelungen handelt, muss dies noch weiter geprüft und geklärt werden. Letztlich besteht – bei Vorliegen der Voraussetzungen – auch die Möglichkeit eines sich anschließenden Studiums.

 

Wo und wie wird der Beruf ausgebildet?

■ Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung im sogenannten dualen System, also gleichermaßen in Betrieb und Schule. Die betriebliche Ausbildung kann in dafür anerkannten Betrieben stattfinden. Aktuell gibt es eine Reihe von Anerkennungen in den einzelnen Ländern. Wer konkrete Betriebe benannt haben möchte, sollte sich mit der jeweils zuständigen Stelle in seinem Bundesland in Verbindung setzen. Die Schule wird etwa elf bis zwölf Wochen pro Jahr im Block besucht. Die Einrichtung einer berufsspezifischen Bundesfachklasse ist an der BBS in Einbeck vorgesehen.

 

Zum Schluss noch eine nicht ganz unwichtige Frage: Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?

■ Eine tarifliche Grundlage gibt es dafür meines Wissens noch nicht. Im „Vorgängerberuf“, dem LtL, wurde eine Vergütung von 734 Euro im ersten bis 835 Euro im dritten Ausbildungsjahr gezahlt. Das ist wohl auch für den Pflanzentechnologen als angemessene Mindestvergütung anzusehen.

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