Benjamin Keilhauer

08.08.2013

 

Herr Keilhauer, warum haben Sie sich für einen Agrarberuf entschieden?

Benjamin Keilhauer: Mein ­Vater hat einen Landwirtschaftsbetrieb mit 75 ha und 14 Mutterkühen. Das prägt. 2005 habe ich die Realschule abgeschlossen, dann die normale Landwirtsausbildung gemacht. 2008 war ich fertig. Dann habe ich im Fachschulzentrum Freiberg/Zug an der Fachhochschule meine Ausbildung als Betriebswirt Agrarwirtschaft angefangen. Da muss man verschiedene Praktika absolvieren. Die habe ich zum Teil bei meinem Vater gemacht und zum Teil auf einem Milchproduktionsbetrieb. 2011 war ich fertig.

 

 

Und wie kamen Sie nach Ebersbach?

Keilhauer: In diesem Betrieb bin ich ja seit August 2011. Mitbekommen habe ich die freie Stelle durch einen Aushang am schwarzen Brett in Freiberg.

Oliver Schmidt: Ich habe Lehrer der Fachschule Freiberg gebeten, mir aus ihrer Sicht geeignete Kandidaten vorzuschlagen. Die konnten sich dann bei uns bewerben.

Keilhauer: Meine Facharbeit habe ich in einem Betrieb, der Agrartechnik vertreibt, geschrieben. Thema war eine Kundenzufriedenheitsanalyse bezüglich der verkauften Technik. Ich hatte danach die Wahl, dort anzufangen oder hier in Ebersbach – die Wahl zwischen großen Maschinen oder Tieren im Stall.

Ich habe mich schließlich für Ebersbach entschieden, weil ich hier die breite Fächerung der Bereiche gut fand: Milch, Sauen und Schweinemast. Das hat mich interessiert. Und der Betrieb war an mir interessiert.

 

 

Was war ausschlaggebend, sich für Benjamin Keilhauer als den neuen Leiter der Tierproduktion zu entscheiden?

Schmidt: Die anderen Bewerber hatten wenig landwirtschaftlichen Hintergrund. Bei Benjamin Keilhauer kam nicht nur der Background durch seinen väterlichen Betrieb hinzu, sondern dass er hier aus der Region stammt. Wir favorisieren Ortsgebundenheit. Lehrlinge aus der Region auszubilden ist uns wichtig.

Herr Keilhauer kannte zudem die Bullenmast aus dem Elternhaus. Da war der Umgang mit großen Tieren gegeben. Über die Noten haben wir auch rübergeschaut. Die waren aber nicht allein ausschlaggebend. Die Lehrer haben schließlich schon über die Noten vorselektiert.

 

 

Was ist bisher für Sie die größte Herausforderung in dieser Position?

Keilhauer: Ich glaube, die Personalführung. Da bin ich anfangs ganz schön blauäugig rangegangen. Das hatte ich mir einfacher vorgestellt. Mittlerweile geht’s. Ich hätte am Anfang vielleicht etwas rigoroser sein müssen. Insgesamt arbeiten ja immerhin 13 Leute von 16 bis 58 Jahren in der Tierhaltung – vier in der Schweinehaltung, neun in der Rinderproduktion.

Schmidt: Anfangs gab es schon Reibereien zwischen einem neuen, zumal jungen Leiter und den Leuten. Ich bin froh, dass er die Anfangszeit durchgestanden hat. Ich kenne die Menschen hier und weiß, was es heißt, sich durchzusetzen. Zumal er sehr jung ist.

Seine Entwicklung ist positiv. Er hat an keinem Punkt resigniert oder ist stehen geblieben. Mitarbeiterführung ist viel Psychologie. Da hilft die Ausbildereignung wenig. Dort müsste mehr Psychologie gelehrt werden. Das fachliche Grundgerüst bringt Herr Keilhauer mit. Anfangs hat er noch zu wenig auf sein Wissen vertraut. Aber das wird besser.

 

Macht Ihnen die Arbeit hier noch Spaß?

Keilhauer:  Ja, klar. Mir war von Anfang an bewusst, dass meine Entscheidung der schwierigere Weg war. Aber ich erfahre hier gute Unterstützung. Wir sind ja sowieso eine ziemlich junge Führungsriege.

Schmidt: Einfach kann doch jeder. 

Die Agrargenossenschaft Ebersbach im Freistaat Sachsen verfügt über

• rund 1 500 ha LN (1 331 ha Acker, 168 ha Gründland, 40 ha Wald),

• etwa 800 Rinder, davon zirka 270 Milchkühe bei 9 252 kg/ Kuh laut Jahresabschluss MLP; kleine Mutterkuhherde (20 Tiere),

• 270 Sauen und 3 000 Mastplätze, 30,3 lebend Geborene und knapp 26 abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr 2011; sächsische Genetik, nicht PRRS-frei,

• 37 Arbeitskräfte, davon neun in der Rinder-, vier in der Schweineproduktion, zwei Azubis

• Photovoltaikanlage auf dem Rinderstall.

 

Wie die Genossenschaft über eine Änderung der Rezeptur der Futtermischung ihre Futterkosten in der Schweinemast senkte und die Zunahmen der Tiere steigerte und was der neue Melkstand bringt, das lesen Sie in BauernZeitung Heft 36/ 2012, S.60.

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