Auszeit zwischen Bachelor und Master

08.08.2013

 

Es klingt nach einer guten Idee: Zwischen Bachelor und Master als Student noch einmal eine Auszeit wagen. Ein Jahr Pause machen und reisen oder ein Praktikum machen – und so den Lebenslauf aufpolieren. Doch ohne Studentenstatus wird vieles komplizierter. In Großbritannien und den USA hat ein sogenanntes Gap Year eine lange Tradition: Hochschulabsolventen nehmen eine Auszeit, bevor nach dem Abschluss der Ernst des Lebens beginnt. Die einen nutzen sie, um sich beruflich zu orientieren. Andere genießen noch einmal die große Freiheit und reisen als Rucksacktouristen um die Welt. Auch in Deutschland wird das „Gap Year“ zwischen Bachelor und Master immer beliebter.


Über den Tellerrand schauen

 

Eine Auszeit will sich auch Carl Escher nehmen, der einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre hat. Er betrachtet sie nicht als Urlaub. Gerade absolviert der 25-Jährige ein mehrmonatiges Praktikum bei der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn. „Bevor es mit dem Masterstudium weitergeht, möchte ich eine Sprachreise nach Lateinamerika machen“, sagt Escher. Zeit, um über den Tellerrand zu blicken, hatte er in den letzten Jahren nicht. „Ich habe ein duales Studium gemacht“, erklärt er. Das bedeutet, dass er während der vorlesungsfreien Zeit eine Ausbildung in einem Unternehmen absolvierte.

„Das Studium war wirklich sehr klassische BWL, sehr einseitig“, sagt er. Er merkte bald, dass ihm etwas fehlte. Deshalb entschied sich Escher, zwar den Abschluss zu machen. Danach wollte er sich jedoch neu orientieren. „Jetzt ist noch einmal ein guter Zeitpunkt, um das zu tun“, glaubt er.


Besser während des Studiums

 

Prinzipiell besteht keine Verpflichtung, den Master direkt an den Bachelor anzuschließen. „Die Chancen sind die gleichen, egal ob man sich direkt bewirbt oder erst ein Jahr später“, versichert Jörg Ottmann von der Zentralen Studienberatung der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. So entsteht ein neues Zeitfenster, das ähnlich genutzt werden kann, wie viele es bereits nach dem Schulabschluss tun. Zeit für praktische Berufserfahrung, Bildungsreisen oder soziales Engagement. Trotzdem würde Ottmann eher davon abraten, ein freies Jahr nach dem Bachelor zu nehmen. „Es ist besser, solche Sachen während des Bachelor- oder Masterstudiums zu machen, nicht dazwischen.“ Auslandsaufenthalte und Prak­tika während des Studiums hätten den großen Vorteil, dass

die Immatrikulation erhalten bleibt. Am Studentenstatus hängen viele Vergünstigungen, die wegfallen, wenn die Pause zu lang wird. „Im Praktikum verdient man oft nichts oder nur sehr wenig, umso wichtiger ist es, an der Hochschule eingeschrieben zu sein.“ Außerdem vergeben viele Unternehmen Praktika überhaupt nur an eingeschriebene Studenten.

Auch Ingrid Kurz-Eckardt vom Hochschulteam der Arbeitsagentur in Nürnberg warnt zur Vorsicht. „An der Immatrikulation hängen Rentenanrechnungszeiten, die vergünstigte Krankenversicherung und bei Leuten unter 25 Jahren auch das Kindergeld“, warnt sie. Das sollten Studenten sich stets bewusst machen und in ihre Planungen mit einbeziehen. Sie halte es für wesentlich besser, ein oder zwei Urlaubssemester einzulegen. „Oder man schaut, wie lang die Pause ist, die sowieso zwischen der Abgabe der Abschlussarbeit und dem Beginn des Masters liegt.“ Die sei oft schon lang genug, um ein Praktikum oder einen längeren Auslandsaufenthalt oder gar beides zu planen.

Wer auf die Auszeit nicht verzichten möchte, sollte sich frühzeitig über Möglichkeiten und eventuelle Probleme informieren. Optimal sei, die Planung abzuschließen, bevor die Abschlussarbeit angegangen wird. Denn währenddessen ist nur wenig Zeit für andere Gedanken. „Wenn es ins Ausland gehen soll, sind sogar mindestens anderthalb Jahre Vorausplanung die Faustregel“, erklärt Kurz-Eckardt.

 

Zweigleisig planen geht auch

 

Escher hatte für die Zeit nach dem Bachelor zweigleisig geplant. „Ich habe mich auch nach geeigneten Masterplätzen umgesehen“, sagt er. „Ich möchte aber etwas in Richtung Wirtschaftspolitik machen und weg von der reinen BWL.“ Dieser Wechsel ist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Also entschied er sich für die Auszeit. Der Selbstfindung oder dem Urlaub dient sie jedoch nicht: Mit seinem Praktikum will er zudem seinem Wunschmaster ein Stück näher kommen. Die praktischen Erfahrungen sollen seine Chancen bei der Bewerbung erhöhen.   

Christian Vey

 

Tipps

Experten empfehlen, eine Auszeit während des Studiums zu nehmen und besser ein Urlaubssemester einzulegen, denn das bringt einige Vorteile. Dazu gehören:

– Praktikumsangebote für Stu­denten,

– eine günstige Krankenversicherung,

– Kindergeld bei unter 25-Jährigen,

– Rentenanrechnungszeiten.

Es gibt aber auch Gründe, sich anders zu entscheiden. Dann raten sie, die Planung der Auszeit rechtzeitig vor der Abschlussarbeit abzuschließen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr