Austauschprogramme: Hinaus in die Welt

11.02.2014

© DPA

Wandergesellen auf der Walz

Im Ausland können Köche exotische Rezepte lernen, Friseure neue Schnitttechniken, Kaufleute fremde Unternehmenskulturen und Kfz-Mechatroniker den Umgang mit anderen Modellen. Das macht immer mehr Auszubildende und junge Berufstätige neugierig. Sie entscheiden sich, den Schritt ins Unbekannte zu wagen und machen ein Praktikum oder einen Teil ihrer Lehre im Ausland.

 

Vom Betrieb organisiert

Oft organisieren Betriebe die Aufenthalte für ihre Mitarbeiter. „Daher sollte man zunächst beim eigenen Ausbildungsbetrieb oder bei der Berufsschule nachfragen, ob es bereits Angebote gibt“, rät Markus Fels vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Außerdem können junge Menschen auf der Homepage der Nationalen Agentur Bildung für Europa nach einem sogenannten Pool-Projekt suchen. Diese Angebote sind maßgeschneidert, gehen also auf die individuellen Wünsche der Jugendlichen ein.


Unterstützung gibt es auch bei den Beratern an den Industrie- und Handelskammern bei Handwerkskammern und dem Bauernverband, dessen Schorlemer Stiftung Auslandspraktika im Agrarbereich anbietet.

 

Individualisierte Auslandsaufenthalte

„Die Zahl der Jugendlichen, die für einige Zeit ins Ausland gehen, hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Vier Prozent der Auszubildenden gehen ins Ausland“, sagt Jacqueline März. Sie leitet beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Mobilitätsberatung: Die jungen Fachkräfte legen bei allen Programmen vorher mit ihren Unternehmen und dem Partner im Ausland genau fest, welche Kenntnisse und Kompetenzen sie erwerben sollen. Die Unternehmen sehen das als eine Investition in die Zukunft. Zwar müssen sie eine Weile auf ihren Azubi verzichten, doch sie erhöhten ihre internationale Kompetenz und finden für ihre Ausbildungsplätze auch bessere Bewerber. Allerdings gibt es noch viel Informationsbedarf. Bisher wussten viele Unternehmen einfach nichts davon.


Eines der ältesten Programme für junge Berufstätige ist das Parlamentarische Patenschafts-Programms (PPP) mit den Vereinigten Staaten, das es schon seit 30 Jahren gibt. Dabei gehen die Teilnehmer ein Semester lang auf ein College in den USA und suchen sich dann selbstständig ein halbjähriges Praktikum in ihrem erlernten Beruf. „Die haben sich in St. Louis total gefreut, mal einen bayerischen Bierbrauer bei sich zu haben», erzählt die Brauerin und Mälzerin Susanne Weber (23) begeistert über ihren PPP-Aufenthalt. Und Nils Klersy (24) merkte, dass er als junger Veranstaltungskaufmann selbst schnell viel Verantwortung übertragen bekam. „Dort gab es keine langen Schulungen. Da hieß es: Training on the job.“


Der Bundestag fungiert bei dem Programm als Schirmherr, erklärt Theo Fuß, Projektleiter Abteilung Amerika bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Da sei das persönliche Engagement der Abgeordneten gefragt, die die Berufseinsteiger betreuen. Hinter jedem jungen Menschen stehen zwei Abgeordnete als Paten, hier in Deutschland und in den USA.


Eine weitere Möglichkeit, andere Länder kennenzulernen, ist das europäische Programm Leonardo da Vinci, das Pendant zum Erasmus-Programm der Studenten. Es unterstützt Praktika, Ausbildungsabschnitte und Weiterbildungen in allen EU-Ländern – im vergangenen Jahr schon 20 000. Dabei gibt es Zuschüsse für Reisekosten, Sprachkurse und Organisation der Projekte.

 

Auslandsaufenthalte steigern Karrierechancen

„Berufliche Auslandsaufenthalte sind für viele Menschen persönliche Bereicherung und ­Karrieresprungbrett zugleich“, meint Fels. Denn neben Fachwissen und Sprachkenntnissen kann man Flexibilität, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und kulturelle Kompetenzen erwerben. Gesetzlich dürfen bis zu neun ­Monate einer Ausbildung im Ausland absolviert werden, durchschnittlich gehen Lehrlinge allerdings fünf bis sechs Wochen. Hinzu kommt: „Ein Vorlauf von drei bis sechs Monaten ist sinnvoll“, meint Fels.


Susanne Weber und Nils Klersy haben von ihrem Jahr in den USA nicht nur jede Menge Englischkenntnisse mit nach Hause gebracht, sondern auch viel Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Ich habe gemerkt: Wenn man sich reinkniet, dann kann man sich auch etwas aufbauen“, sagt Klersy.


„Ich bin noch weltoffener und viel, viel selbstständiger geworden“, erzählt Weber. Im letzten Monat des Aufenthalts reiste sie durch die Vereinigten Staaten. Aus jeder Stadt brachte sie ihrer Mutter einen Magneten mit, die nun alle am heimischen Kühlschrank kleben. „Ich war ja die erste aus unserer Familie, die in den Staaten war“, sagt Weber.

Internet
Pool-Projektsuche: http://www.na-bibb.de/service/datenbanken/pool_projektsuche.html

Übersicht aller Mobilitätsberater im Bundesgebiet: http://www.esf.de/portal/generator/5796/programm__mobi.html

Bewerbungsschluss für das PPP: http://www.bundestag.de/bundestag/europa_internationales/internat_austausch/ppp/index.html

Da Vinci Mobilitätsprojekte: https://www.na-bibb.de/service/publikationen/detailansicht.html?tt_products%5BbackPID%5D=1403&tt_products%5Bproduct%5D=70&cHash=32538a80f4401c9ebd13906f44fca8bf

GIZ zum PPP : http://www.giz.de/de/weltweit/12884.html

DIHK-Berufsbildungsseite: http://www.mobilitaetscoach.de/

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