8. Forum für junge Fach- und Führungs­kräfte

08.08.2013

Mit Ehrgeiz ein Ziel verfolgen bringt junge Menschen voran. Das gilt besonders in der Agrarbranche, wo fähiger Berufsnachwuchs immer mehr gebraucht wird. Dies und Perspektiven im ländlichen Raum zu vermitteln ist Anliegen des Forums für junge Fach- und Führungskräfte, das der Landesverband  der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventenverbände in Sachsen regelmäßig in den ersten Wochen des Jahres veranstaltet.

 

Das inzwischen 8. Forum dieser Art fand am Montag im Fachschulzentrum (FSZ) Freiberg-Zug statt. Acht Referenten, die Fortbildungen an Fachschulen absolviert haben oder kurz vor dem Abschluss stehen, berichteten über ihren Werdegang und über fachliche Fragen, mit denen sie sich während ihrer Fortbildung beschäftigt haben. Bereits zum fünften Mal in Folge wurde Agrarminister Frank Kupfer auf dem Forum begrüßt. Dar­über hinaus zählten weitere Vertreter des Ministeriums, des Landesamtes, des Landratsamtes Mittelsachsen, des SLB  sowie zahlreiche Fachschüler aus ganz Sachsen zu den Gästen.

 

Lehre, Fortbildung, Auslandsaufenthalt – diese Stationen absolvierte Stefan Stelzmann, der derzeit auf dem elterlichen Familienbetrieb in Weitzschen bei Meißen beschäftigt ist. Seine Ausbildung absolvierte er von 2000 bis 2003 ganz bewusst auf mehreren kleinen Familienbetrieben. Ein Praktikum in einem Steuerbüro schloss sich an. „Das Geld in der Landwirtschaft wird heute im Büro verdient“, begründet der junge Landwirt diesen Schritt.  Als eine schöne und gewinnbringende Zeit bezeichnet er die Fortbildung zum Techniker für Landbau am FSZ Freiberg-Zug. Nach mehreren Jahren im Betrieb der Eltern erfüllte sich Stefan Stelzmann 2011 einen Jugendtraum: Ein dreimonatiges Praktikum auf einem 2000-ha-Marktfruchtbetrieb in Kanada brachte Einblicke in Landwirtschaft Nordamerikas. „Ich kann jedem nur nahelegen, für einige Monate ins englischsprachige Ausland zu gehen“, so seine Empfehlung.

 

Im Heidegut Dahlen beschäftigt ist Markus Lehmann, der sich derzeit an der Fachschule Großenhain zum Schäfermeister ausbilden lässt. Der Betrieb bewirtschaftet 2533 ha und hält neben 330 Milchkühen auch 1700 Mutterschafe. Wie die Produktivität der Mastlammerzeugung in seinem Betrieb erhöht werden kann, untersuchte er in seinem Arbeitsprojekt.

 

Als eine der Jahrgangsbesten der Fachschule Zwickau hat Susanne Rabe 2011 den Meisterbrief erhalten. Heute ist die gelernte Tierwirtin selbst Mitglied im Prüfungsausschuss. Sie ist im Familienbetrieb ihres Ehemannes beschäftigt, der 76 ha bewirtschaftet und 80 Milchkühe hält. Sie untersuchte, ob durch eine Veränderung der Melkfrequenz die Milchleistung erhöht werden kann. Ihr Versuch ergab, dass dreimaliges Melken am Tag zu einer besseren Eutergesundheit führt und die Leistungssteigerungen die Mehrkosten durchaus überwiegen könnten. Machbar wäre die Umstellung jedoch nur, wenn Fremdarbeitskräfte in Anspruch genommen würden.

 

Welche Auswirkungen der Einsatz verschiedener Tränkeverfahren auf die Kälbergesundheit hat, untersuchte Bernd Kusian in seiner Facharbeit. Der Leipziger beendete 2010 erfolgreich seine Lehre zum Landwirt  und schloss eine Fortbildung zum Wirtschafter an der Fachschule Döbeln an. Die Dittmannsdorfer Milch GmbH ist sein Praktikumsbetrieb. Seine Versuche brachten ihn zu dem Fazit, dass ad-libitum-Tränken keine Allheilmittel sind, aber ein erster Schritt für den verminderten Antibiotikaeinsatz.

 

1986 als Stadtkind in Bautzen geboren, hatte Thomas Delenk aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen schon immer einen Draht zur Landwirtschaft. Der junge Mann erwarb nach seiner Ausbildung die Abschlüsse des Wirtschafters und des Meisters in Löbau und ist heute bei der Räde GbR in Neschwitz beschäftigt. In seinem Arbeitsprojekt untersuchte er, welche Varianten des Einsatzes von Wachstumsregulatoren im Roggen für seinen Betrieb, der zum Teil auf ertragsschwachen D-Standorten wirtschaftet, die günstigsten sind.

 

Ein klares Ziel vor Augen hatte Christian Hanus, der auf dem Obsthof Griesbach und in Pillnitz den Beruf des Obstbauers erlernte und anschließend an der Fachschule Pillnitz den Abschluss des Meisters erwarb. „Ich wollte in einer Führungsposition arbeiten und mich beruflich verwirklichen“, nannte er als Beweggründe für seinen Werdegang. Er schilderte die Aufgaben, die er auf dem Obsthof Griesbach, der seinem Großvater gehört, erfüllt und appellierte an die Fachschüler: „Bildung ist Ihr Werkzeug, um sich selbst zu verwirklichen und um etwas zu bewegen.“

 

Einblicke in die Tätigkeiten einer Hauswirtschaftsmeisterin gab Diana Dreiling, die als gelernte Köchin 2010 in Freiberg-Zug ihre Meisterfortbildung abschloss und heute als Hauswirtschaftsleiterin in einem Pflegeheim in Eilenburg arbeitet. Einrichtungen, die Hauswirtschaftsmeister beschäftigen, hätten Alleinstellungsmerkmale, die sie von Konkurrenten abheben und ein Vorteil bei Verhandlungen mit den Kassen sind, so Diana Dreiling.  „Wir machen das Heim zum Zuhause“, sagt sie selbstbewusst über ihren Beruf.

 

Mit Fragen der Nachwuchsgewinnung für die Grünen Berufe hat sich Janek Kubitzki im Rahmen des Projektes „Willkommen in DEINER Zukunft“ an der Fachschule Plauen beschäftigt. Der 22-Jährige, der sich zum Wirtschafter für Landwirtschaft fortbildet, besuchte in diesem Zusammenhang Ausbildungsmessen und gestaltete Berufsorientierungstage in Betrieben mit. Er sieht gute Chancen, junge Menschen für grüne Berufe zu interessieren, jedoch müsse die Nachwuchsgewinnung optimiert werden, wozu er in seiner Facharbeit zahlreiche Vorschläge entwickelte.

 

Junge Leute wie Janek Kubitzki wünscht sich Agrarminister Kupfer mehr. „Meine herzliche Bitte an Sie: Sorgen Sie mit für eigenen Berufsnachwuchs“, sagte er an die versammelten Fachschüler gerichtet. Die Jugend spreche sich selbst am besten an. Derzeit würden jährlich 200 Lehrlinge fehlen, um den künftigen Bedarf an Fachkräften zu decken. Hier sei Handeln notwendig, wobei der Freistaat die Branche mit den dafür zur Verfügung stehenden Mitteln unterstütze.  

Karsten Bär

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