Kommentar zum Heft 51/52/2016



Faxen statt Fakten nicht nur im Internet

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

man nennt sie heutzutage „Fake-News“: falsche oder verzerrte Darstellungen, die gezielt gestreut werden, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Bei Facebook und Co. finden diese vermeintlichen Nachrichten vor allem bei jenen großen Anklang, die sie nur zu gern glauben wollen und dann rasch weiterverbreiten. Diesem Mechanismus sagt man fatale Wirkungen nach. Das Brexit-Votum der Briten oder die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sollen auf das Konto massenhaft verbreiteter wahrheitswidriger oder -verzerrender Mediendarstellungen gehen.

Politik und Medien haben zuletzt intensiv über dieses angeblich neue Phänomen diskutiert. Man hegt da ärgste Befürchtungen. Fremde Mächte könnten sich Fake-News zur Meinungsmache zunutze machen, um die Bundesrepublik zu destabilisieren. Man müsse sich wappnen, heißt es. Eilig wird eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben. Die Vorschläge reichen von Selbstverpflichtungen bis hin zu Softwarelösungen, die automatisch die Verbreitung von Falschmeldungen im Internet verhindern.

Selbstverständlich sind es – aus der Sicht derer, die darüber diskutieren – immer die anderen, die gefälschten Nachrichten aufsitzen. Dabei fallen die meisten unserer Medien nur allzu oft selbst auf informative Luftnummern herein. Natürlich geht es in diesen Fällen nicht nur um Themen wie zum Beispiel Flüchtlinge, die EU oder den Sinn des Impfens, bei denen oft genug mit Fake-News Stimmung gemacht wird. Allzu oft sind es Themen, bei denen vermeintliche Tatsachen das eigene Vorurteil des Journalisten als städtisch geprägtem Bildungsbürger bestätigen: Umwelt, Landwirtschaft, Tierschutz. Fernab der Praxis lässt sich hierüber, ohne sich selbst infrage zu stellen, auf höchstem Niveau moralisieren. Und so glaubt mancher Journalist gern, was ihm von interessierten Kreisen als vermeintliche Tatsache vorgesetzt wird.

Egal aus welchen Motiven: Um Methoden der modernen Landwirtschaft zu diskreditieren, unternehmen verschiedene Interessengruppen viel. Ein beliebter Trick ist es, von irgendetwas Proben zu nehmen und auf irgendeinen Inhalt zu untersuchen. Manchmal hält die Versuchsanordnung (Probenzahl, Auswahl der Proben usw.) den Anforderungen an eine wissenschaftliche Untersuchung nicht stand. Manchmal überträgt man fachfremd Grenzwerte, so wie es in diesem Jahr bei einer von den Grünen in Sachsen beauftragten Untersuchung getan wurde, wo man Grenzwerte für Trinkwasser kurzerhand auf Oberflächengewässer anwendete. Ein weiterer, besonders perfider Trick sind Aufnahmen von Tieren, die von Tierrechtlern bei nächtlichen Einbrüchen im Krankenabteil irgendwelcher nicht zu identifizierender Stallanlagen gemacht werden und dann als „Beleg“ für die schlechten Haltungsbedingungen in ganz konkreten Betrieben herhalten müssen. Kaum bis gar nicht geprüft finden diese Informationen dann als Skandalmeldungen selbst in seriösen Medien ihre Verbreitung. Unsinn, so sehen wir, wird eben nicht nur von hetzenden Fremdenfeinden und verbohrten Wirrköpfen in die Welt gesetzt.

Muss man deshalb resignieren? Nein. Zwar wird mein weihnachtlicher Wunsch, dass die Diskussion um Fake-News zu einem kritischeren Umgang der Medien mit den Aussagen von Lobbygruppen führt, in diesem Jahr wohl nicht mehr erfüllt. Aber das Jahr 2016 hat auch gezeigt, dass man eben nicht aufgeben sollte. So erhielt der Tierrechtsverstößen bezichtigte Bauernpräsident Johannes Röring vergangene Woche Entlastung – er hatte sich juristisch gewehrt (S. 21) und damit bewiesen: Es lohnt sich zu kämpfen.

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