Kommentar zum Heft 51/2017



Wasserbüffel als Alternative?

Liebe Leserinnen und Leser,

schöne Bescherung! Dies dürfte so mancher Landwirt schon vor Wochen, ja Monaten stirnrunzelnd konstatiert und dabei so gar nicht an das Fest zum Jahresende gedacht haben. Mais- und Getreidefelder unter Wasser, Grünlandflächen, die eher an Seenlandschaften erinnern – die Bilder aus dem Sommer sorgten vielerorts für großen Verdruss, zumal sie bis in den Herbst hinein bittere Realität blieben. Auf Äckern wie im brandenburgischen Schmergow stehen selbst jetzt immer noch Teile der Ernte auf dem Feld. Auch wenn irgendwann der Boden wieder befahrbar sein sollte, wird kaum noch etwas von dem zu bergen sein, was mit viel Aufwand und Zuversicht bestellt worden war. Die Wetterkapriolen in diesem Jahr haben der Landwirtschaft Sorgen bereitet wie lange nicht mehr. Eine Laune der Natur, die dem Menschen mal wieder seine Grenzen aufzeigt?  Oder steckt noch mehr dahinter?

Keine Frage, dass die mitunter sintflutartigen Schauer so deutliche Spuren hinterlassen mussten. Regional ging innerhalb weniger Tage so viel Regen nieder wie sonst im ganzen Jahr üblich. Solche Mengen kann selbst der durchlässigste Boden nicht ohne Weiteres aufnehmen. Als fatale Folgeerscheinung erwies sich jedoch auch, dass mancher Graben und Vorfluter bereits randvoll war. Es rächte sich, wo die Pflege reduziert und nur noch einmal pro Jahr das sogenannte Krauten vorgenommen worden war. Überdies verharrten Schöpfwerke im Ruhemodus, aus Kostengründen wie auch im Interesse der von Umwelt- und Naturschützern vorgegebenen Maxime, möglichst viel Wasser in der Landschaft zu halten. Was sicherlich in niederschlagsarmen Zeiten sinnvoll ist, nicht aber dann, wenn das feuchte Element zum Alptraum wird. Dies jedenfalls mussten Landwirte aus dem Rhin- und Havelluch erfahren. Sie büßten nicht nur große Teile ihrer Mais- und Getreideernte ein, sondern gerieten auch bei der Herbstbestellung ins Hintertreffen. Probleme, die sich somit im neuen Jahr fortsetzen.

Unter diesen Bedingungen sorgt das ohnehin strittige Thema Gewässerunterhaltung für neuen Zündstoff. Nach langwierigen Diskussionen wurde in Brandenburg kürzlich die dritte Novelle des Wassergesetzes verabschiedet. Sie zielt darauf ab, die Kosten gerechter zu verteilen sowie das Verursacher- und Vorteilsprinzip stärker zu berücksichtigen. Allerdings moniert der Berufsstand, dass nach wie vor die Einheit von Be- und Entwässerung nicht klar definiert wird.  Überdies bleibe offen, ob Landwirte einen Schadensausgleich beanspruchen können, wenn ihre Flächen im Interesse des Hochwasserschutzes überflutet werden. Zwar soll auch das leidige Problem Schöpfwerke bald der Vergangenheit angehören. Neu geregelt wird, wer für den Betrieb dieser Anlagen zuständig ist und wie dieser finanziert wird. Dennoch kritisieren Landnutzer, dass die geforderten praxistauglichen Lösungen immer noch ausstehen. Verordnungen müssen nun auf den Weg gebracht werden.

Der Handlungsbedarf ist groß, wenn sich die eingangs geschilderte Situation nicht in solcher Schärfe wiederholen soll. Vor Wetterextremen kann man sich nur bedingt schützen, sehr wohl aber deren Auswirkungen mindern. Es darf nicht sein, dass Nutzflächen wochenlang unter Wasser stehen, selbst wenn dafür ein Schadensausgleich angeboten wird. So richtig und wichtig es aus Klimaschutzgründen auch ist, die weitere Entwässerung intakter Moore zu stoppen: Die von unseren Vorfahren angelegte Kulturlandschaft gilt es nach wie vor zu bewirtschaften. Wie aber soll Landwirtschaft noch funktionieren, wenn immer mehr Flächen vernässt werden? Hier Wasserbüffel zu halten dürfte wohl kaum eine Alternative sein! Wenn die Gesellschaft dies aber ernsthaft will, muss sie das honorieren!

Herzlichst Ihr
Wolfgang Herklotz

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