Kommentar zum Heft 47/2016



Alle Jahre wieder ...

Lieber Leserinnen, liebe Leser,

alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind. Auch die Geflügelpest fliegt pünktlich vor dem Fest ein. Und mit ihr die Aufstallungspflicht, die insbesondere Wassergeflügelhalter Kopfzerbrechen bereitet. Denn Weihnachtsgänse, die ihr Leben lang über die Weide beziehungsweise im Freien marschiert sind, fühlen sich in eher engen Behausungen gar nicht wohl. Ein Grund wohl, der den Bauernbund in Brandenburg zu einer abstrusen Pressemitteilung gegen diese Vorsorgemaßnahme verleitet hat. In dieser erklärt Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung die Aufstallungspflicht für sinnlos. Wörtlich: „Hinter der Verhängung der Stallpflicht stehe die Wahnvorstellung einer total kontrollierten, keimfreien Landwirtschaft, die nichts mehr mit der Natur zu tun hat. Nach derselben Logik könnte man den Abschuss aller Wildvögel verlangen.“ Und sollten doch Bestände von dem H5N8-Virus betroffen sein, so müssten Jungs Meinung nach die Herden einfach gekeult und Sperrzonen eingerichtet werden. Kann doch nicht so schwer sein ... Oder doch? Einfach ist die Nottötung eines ganzen Bestandes sicher nicht. Weder mental für den Tierhalter noch rein organisatorisch. Gerade wo es in Brandenburg nämlich bis heute keine Standby-Verträge von professionellen Firmen mit den Tierhaltern für einen solchen Fall gibt.

Schade, dass oft so viel Unwissenheit unter den Menschen grassiert. Zwar ist die derzeitige Variante des Geflügelpesterregers (noch) nicht auf den Menschen übertragbar, aber für einige Vögel trotzdem hochpathogen. Diese Form der Aviären Influenza verläuft dann mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. In Hühner- und Putenbeständen können innerhalb weniger Tage bis zu 100 % der Tiere erkranken und sterben. Die Empfehlungen des Bauernbundes würden nicht nur die wirtschaftlichen Verluste in die Höhe treiben, sie sind zudem aus Sicht des Tierschutzes geradezu verantwortungslos. Und das alles in Zeiten, in denen sich um ein besseres Tierwohl bemüht wird. Mit der Gefahr der Ausbreitung einer Tierseuche stellt sich aber auch die Frage, wie die Nutztiere in Zukunft generell gehalten werden können. Zum einen besteht die gesellschaftliche Forderung nach der „Kuh auf der Weide“, zum anderen zeigen sich immer wieder neue Schwierigkeiten in Bezug auf die Biosicherheit der Tierbestände. Zusätzlich gerät die Nutztierhaltung unter den Beschuss des Umweltministeriums, das unter der Führung von Frau Hendricks untragbare Reduzierungen der Ammoniakemissionen in der Tierhaltung verlangt. Rein oder raus – das ist hier die Frage.

Doch gerade Tierhaltern ist so gar nicht mehr zum Lachen zumute. Außer dass einige Politiker versuchen, über Tierschutzmaßnahmen strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft herbeizuführen, kommt nun noch die Gefahr von Tierseuchen dazu. Nicht nur die Geflügelpest droht anzustecken, auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) steht vor der Tür. Und die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) kann in den mittlerweile freien Rinderbeständen großen Schaden anrichten. Positiv sei im Fall der Geflügelpest jedoch das bundeseinheitliche Vorgehen erwähnt, was eigentlich so gar nicht typisch deutsch ist. Aber vielleicht ein Lichtblick, dass es doch möglich ist, gemeinsam Lösungen zu finden. Auch wenn die Übertragungswege der Vogelgrippe noch nicht eindeutig geklärt sind, ist eine bundesweite Stallpflicht zum Schutz der Bestände bestimmt keine schlechte Idee. Es ist ja nur eine von vielen Biosicherheitsmaßnahmen, die alle gleichwertig von großen wie von kleinen Geflügelhaltern eingehalten werden müssen. Und einen Stall sollte jeder mittlerweile gebaut haben, nach den Erfahrungen aus den Vorjahren.


Herzlichst Ihre
Anja Nährig

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr