Kommentar zum Heft 45/2018



Eine Katastrophe und viel Ignoranz

Liebe Leserinnen und Leser,

die monatelange Trockenheit in Ostdeutschland hat nicht nur der Landwirtschaft massiv zugesetzt. Enorm betroffen sind auch die Waldbesitzer. Bei ihnen gesellte sich die Dürre zu den verheerenden Sturmschäden von Orkantief „Friederike“ und Co., eine Schadinsektenplage komplettiert das Desaster. Forstfachleute sprechen von einer „Jahrhundertkatastrophe“, sie beziffern die Gesamtschäden bundesweit auf rund 5,4 Mrd. €.

Auf Sachsen-Anhalt entfallen davon 350 Mio. €. Die Schadholzmenge aus den Kalamitäten umfasst im Land inzwischen 4 Mio. Festmeter – mehr als das Doppelte eines normalen Jahreseinschlages. Oberste Priorität aus Gründen des Forstschutzes hat die zügige Aufarbeitung dieses Holzes. Die aber kostet richtig Geld und bedarf ausreichender Ressourcen an Personal und technischem Gerät. Die vielfach geäußerte Forderung nach staatlicher Unterstützung, vor allem für den Kleinprivatwald, kommt deshalb nicht von ungefähr. Der Waldbesitzerverband schlug schon im Frühjahr Alarm. Im Landtag ist der akute Handlungsbedarf ebenfalls erkannt, fraktionsübergreifend werden finanzielle Forsthilfen gefordert.

Bei der Landesregierung in Magdeburg verhallen diese Hilferufe bislang mehr oder weniger ungehört, sie ignoriert den Ernst der Lage. Das zuständige Ministerium samt seiner Forstabteilung scheint der Aufgabe nicht gewachsen. Die Waldbauern fühlen sich im Stich gelassen. Ihr Verband hat nun sogar einen offenen Brief an Ministerpräsident Haseloff (CDU) geschrieben (Seite 17), weil der auf vorherige Schreiben nicht reagierte. Scharfe Kritik hagelt es zudem an Umweltministerin Dalbert. Die für den Forst zuständige Grünen-Politikerin will (oder kann) trotz akuter Problemlage im Wald keine Notwendigkeit zum Handeln sehen. Dabei dürften ihr die bestehenden Zahlungsschwierigkeiten ihres Landesforstbetriebes (Seite 14) deutlich vor Augen führen, wie groß die Not doch ist.

Für private Waldeigentümer gibt es im Gegensatz zum Landesforst keinen Rettungsanker in Form eines Betriebskostenzuschusses vom Land. Gleichermaßen nicht nur in ihrer Liquidität, sondern zuweilen sogar in ihrer Existenz gefährdet, sind sie bei der Bewältigung der Schäden auf sich allein gestellt.

Die Ministerin könnte sich mit einem Einsatz für den Wald als Grünen-Politikerin profilieren und zugleich bei den Waldbesitzern punkten. Doch anstatt diese Chance zu nutzen, verweist Dalbert lediglich auf die (reguläre) Förderung für den Waldumbau und einige Erleichterungen für den Umgang mit den Schäden. Für zusätzliche Finanzhilfen sieht sie keinen Spielraum. Dabei reichen die derzeit verfügbaren Fördermittel nicht einmal aus, um alle verdorrten Neuanpflanzungen wieder zu etablieren.

Die Waldbauern sind verständlicherweise frustriert. In ihren Augen versagt die zuständige Ressortchefin. Seit Dalberts Amtsantritt im Mai 2016 habe sich im Forst nichts zum Besseren gewendet, resümiert der Waldbesitzerverband. Die Förderung ist seither „ein einziges Desaster“: komplizierte, wenig praxistaugliche Richtlinien, ein nahezu versiegter  Mittelabfluss. Nach wie vor groß ist die Personalnot. Mit der Abkehr von der Einheitsforstverwaltung im Jahr 2006 setzte das zu jener Zeit noch von CDU und SPD allein regierte Land den Rotstift an – die Stellenzahl wurde radikal gekürzt auf nahezu die Hälfte. Sachsen-Anhalt hat seitdem den bundesweit geringsten Besatz an staatlichen Forstleuten. Daran hat sich bis heute, bei Halbzeit der Kenia-Koalition mit den Grünen, nichts geändert. Kahlschlag- und Sparpolitik rächen sich nun in schwierigen Zeiten.

 

Herzlichst Ihr Detlef Finger

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